Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Max Edelbacher
Tatort
Kriminalist Edelbacher geht in Pension
Einer der bekanntesten Kriminalisten Wiens, der frühere Sicherheitsbüro-Chef Maximilian Edelbacher, verabschiedet sich in die Pension. In seine Zeit fielen so Aufsehen erregende Fälle wie Lainz und die Mädchenmorde von Favoriten.
Maximillian Edelbacher hat seinen Schreibtisch geräumt.
Ermittlungen gegen Damen-Hardrock-Band
40 Jahre war Maximilian Edelbacher bis zu seiner jetzigen Pensionierung bei der Wiener Polizei tätig.

Nicht jeder seiner Fälle war so spektakulär wie die Mordserie im Pflegeheim Lainz. In besonderer Erinnerung sind ihm etwa auch die Ermittlungen gegen eine Damen-Hardrock-Band wegen Scheckbetrugs und die Erpressung eines Lebensmittelkonzerns geblieben.
Edelbacher als Brunetti in Venedig
"Die Damen-Hardrock-Band hat mir die schönste Dienstreise meiner Laufbahn beschert, nämlich nach Venedig", erzählte Edelbacher. "Die vier Österreicherinnen waren in der ersten Hälfte der achtziger Jahre dort wegen Scheckbetrugs festgenommen worden. Ich bin in Venedig mit einem Polizeiboot abgeholt worden und habe mich gefühlt wie Commissario Brunetti in Donna Leons Kriminalromanen."

Die Einvernahme der Verdächtigen fand in relativ entspannter Atmosphäre statt. "Die Damen durften im Gefängnis in der Sonne liegen und bekamen jeden Tag einen halben Liter Wein."
Als Geldbote am Rad unterwegs.
Nächtliche Geldübergabe im Wald
In finsterer Nacht hingegen waren Edelbacher und Kriminalbeamte in Sachen Erpressung unterwegs. Ein Unbekannter hatte ebenfalls in den achtziger Jahren von einem Lebensmittelkonzern mehrere Millionen Schilling gefordert, ansonsten er Produkte vergiften wollte.

Die Übergabe des Geldes sollte schließlich in Niederösterreich stattfinden, Edelbacher und ein Kriminalbeamter spielten die "Boten".

"Wir sind in eine Pizzeria in St. Pölten gelotst worden, von dort nach Pöchlarn. Dort stand an einer Bushaltestelle ein Rad bereit. Mit dem musste ich gegen Mitternacht in den Dunkelsteiner Wald fahren und einem mit Pfeilen markierten Weg folgen. Ich hab' eine Sporttasche mit dem Geld umgehängt gehabt, der Kriminalbeamte musste laufen. Ich bin aber eh langsam geradelt, damit er mitkommt. Es war ein mulmiges Gefühl."
Bloß: Der Erpresser meldete sich nicht mehr. Weder im Wald noch jemals wieder.
Edelbacher wurde vor vier Jahren versetzt.
Kritik an "militärischer" Polizei
Nach vielen Jahre als Ermittler war der 61-jährige Jurist nach deftiger Kritik an der Polizeireform vor vier Jahren ins Krminalkommissariat Süd versetzt worden. Zuletzt war Edelbacher Leiter des Büros für regionale kriminalpolizeiliche Koordination/Süd.

"Es ist in der letzten Zeit von Tag zu Tag sinnloser geworden", befand Edelbacher im Gespräch mit der APA und kritisierte das Zurückdrängen der Polizei-Juristen: "Sie sind nur noch im Controlling tätig und können nicht ins Operative eingreifen. Die Macht liegt bei den Offizieren. Das ist ein militärisches Modell, aber nicht das, was man sich in einer Demokratie des 21. Jahrhunderts erwartet."

In Ländern, die ausreichend Geld für die Polizei bereitstellen wie Deutschland oder Irland, bewege man sich in die Gegenrichtung, sagte Edelbacher. "Dort entfernt man sich vom puren Zentralismus. Wir sind offenbar immer etwas hintennach."
Zentrale Einheiten wie Bundeskriminalamt und Cobra seien "überdimensioniert, draußen in den Regionen fehlen hingegen die Leute."
Polizei-Führung fehlt Vorbildwirkung
Kritik übte Edelbacher in Zusammenhang mit den Affären um General Roland Horngacher und den suspendierten provisorischen Kriminalamtsleiter Ernst Geiger auch an der Führung der Wiener Polizei.

"Eine Vorbildfunktion ist nicht gegeben. Und eine Kontrolle über die Vorgänge besteht nicht. Das ist nicht das, was man von Führungskräften erwarten darf."
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