Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Fall Kampusch
Kein Druck auf Natascha
Die acht Jahre lang vermisste Natascha Kampusch ist laut Polizei "sehr ruhig". Ihr sollen jetzt Sicherheit und Vertrauen vermittelt werden. Es werde keinerlei Druck ausgeübt. Der mutmaßliche Entführer beging Selbstmord.
Natascha Kampusch wird befragt, allerdings ohne irgendeinen Druck von außen.
Täter mit "Gebieter" ansprechen müssen
Die Polizei betreut die junge Frau derzeit in einer Wiener Wohnung rund um die Uhr. Eine Polizeipsychologin ist ständig bei ihr. Zur emotionalen Verfassung Nataschas sagte Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt (BK): "Sie ist sehr ruhig. Für uns steht im Vordergrund, sie psychisch zu stabilisieren und ihr Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln."

Laut ersten Aussagen ließ sich der mutmaßliche Entführer von seinem Opfer zumindest in den ersten Jahren mit "Gebieter" ansprechen. Von Fluchtversuchen habe das Mädchen nicht berichtet, bis sich am Mittwoch die unerwartete Chance ergab, in einen anderen Garten zu flüchten.

Bei den umfangreichen Befragungen, die der 18-Jährigen noch bevorstehen, besteht aber laut Zwettler überhaupt kein Zeitdruck mehr: "Es dauert so lange, wie es dauert." Das Vorgehen der Polizei gründe sich dabei auf einen mit psychologischen Sachverständigen entwickelten Plan.
Spurensicherung im Haus
Bild: APANoch dauern wird auf jeden Fall die Untersuchung des Hauses in Strasshof, das Natascha Kampusch nach bisherigen Zeugenaussagen offenbar erst im Frühjahr dieses Jahres - acht Jahre nach ihrer Entführung - fallweise verlassen durfte.

Offenbar habe Natascha tatsächlich die meiste Zeit in der zum Verlies umgebauten Montagegrube in der Garage verbracht.
Bild: APA
Bild: APA
Pass im Verlies gefunden
Keine Zweifel mehr an Identität
Erste Gegenüberstellungen mit Verwandten bestätigten bereits, dass es sich bei der jungen Frau um Natascha Kampusch handelt. Donnerstagvormittag gab das Bundeskriminalamt darüber hinaus bekannt, dass auch eine Narbe die Frau eindeutig identifiziere.

Zudem habe man im Verlies in Strasshof den Pass von Natascha gefunden. Da das Kind des Öfteren mit ihrem Vater nach Ungarn reiste, hatte sie den Pass noch in der Schultasche.
Verlies
Das Verlies von Natascha Kampusch im Haus in Strasshof.
Familie bittet um Geduld
Die Familie wandte sich unterdessen mit einem Schreiben an die Medien. Darin ersuchte sie die Presse um Geduld und Verständnis. Am Freitag werde es eine Ansprechperson für die Familie und vor allem für Natascha geben, die die Interessen der Familie vertreten werde, hieß es.
Bild: APA
Vor Zug geworfen
44-Jähriger beging Selbstmord
Der mutmaßliche Entführer kann zu dem Fall nicht mehr befragt werden. Der gesuchte Nachrichtentechniker beging nach Angaben der Polizei am Mittwoch kurz vor 21.00 Uhr Selbstmord. Er warf sich in in der Leopoldstadt vor einen Schnellzug.

Mittlerweile wurde bekannt, dass der Mann kurz nach dem Verschwinden von Natascha überprüft worden ist. Zuletzt dürfte dem Mann ein "lockerer" Umgang mit Natascha zum Verhängnis geworden sein.
Haus des mutmaßlichen Entführers in Strasshof (Bild: ORF)
Natascha überlebte ein jahrelanges Martyrium.
Geschlagen, bedroht und missbraucht?
Natascha Kampusch soll ein jahrelanges Martyrium mitgemacht haben. Von Beginn an wurde die zum Zeitpunkt der Entführung Zehnjährige geschlagen, mit Mord bedroht und wahrscheinlich auch sexuell missbraucht.

Die heute 18-Jährige soll auch an einem schweren Stockholm-Syndrom leiden. Dabei entwickelt das Opfer Sympathie für den Täter und solidarisiert sich mit ihm.
Bild: APA Freude und Sorge am Rennbahnweg
Natascha Kampusch lebt und ist in Freiheit. Diese Sensation hat sich auch in der Siedlung Rennbahnweg in Wien-Donaustadt herumgesprochen, dort, wo Natascha aufgewachsen ist. Eine Reportage.
Bild: ORF Fall Natascha macht fassungslos
Entsetzen, Fassungslosigkeit und Freude - selten sind so unterschiedliche Gefühle so nah beieinander gelegen wie im Fall von Natascha Kampusch. Hier können Sie sagen, was Sie denken.
Max Friedrich (Bild: www.fingerweg.at) Sehr schwerer Weg zurück
Natascha lebt, doch der Weg zurück in die "reale Welt" wird für sie ein sehr schwerer werden. Das prognostizierte der Kinderpsychiater Max Friedrich. Er schloss nicht aus, dass durch die Flucht ein Gewaltverbrechen verhindert wurde.
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