Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Bild: APA
Fall Kampusch
Spektakuläre Entführungen in Österreich
So einzigartig der Fall Natascha Kampusch auch ist, es handelt sich dabei nicht um die erste spektakuläre Entführung in Österreich. Ein Überblick über Aufsehen erregende Entführungsfälle der letzten 50 Jahre.
Bei all diesen Entführungen wurde im Unterschied zum Fall Kampusch Lösegeld gefordert.
Der Fall Bensdorp
Am 2. Jänner 1971 entführten zwei Unterweltler den damals 25 Jahre alten Hans Bensdorp, Sohn des bekannten Schokoladefabrikanten. Er fiel ihnen zufällig beim Aussteigen vor der elterlichen Villa in Pötzleinsdorf auf.

Der Theologiestudent wurde mit einer Spielzeugpistole und einer Gartenschere gezwungen, ins Auto der Kriminellen einzusteigen. Die Entführer forderten eine Viertelmillion Schilling (18.168 Euro) Lösegeld, die Familie hinterlegte den Betrag am vereinbarten Ort.

Das Opfer wurde dennoch nicht freigelassen, die Täter forderten mehr Geld. Darauf startete eine groß angelegte Polizeiaktion, die Entführer konnten festgenommen werden. Sie wurden später zu acht beziehungsweise neun Jahren Haft verurteilt.
Palmers 100 Stunden in Gefangenschaft
Am 9. November 1977 wurde der Wiener Textilindustrielle Walter Michael Palmers vor seiner Villa in Wien-Währing von Kidnappern aus dem Auto gezerrt. Die Unbekannten fesselten den damals 74 Jahre alten Mann und brachten ihn in eine kurz davor angemietete Wohnung. Sie verlangten 50 Millionen Schilling Lösegeld (3,63 Mio. Euro), die Familie konnte nur 31 Millionen (2,25 Mio. Euro) auftreiben. Die Entführer akzeptierten das, Palmers wurde nach 100 Stunden Gefangenschaft freigelassen. Die Täter wurden gefasst.
30 Millionen Schilling verlangt.
Schöps-Ehefrau 1977 gekidnappt
Am 12. Dezember 1977 wurde Lieselotte Böhm, die Frau des Eigentümers der Textil-Kette Schöps, gekidnappt. Die Entführer forderten 30 Millionen Schilling, kamen damit aber nicht "durch". Die beiden Haupttäter wurden zu jeweils acht Jahre Haft verurteilt.
Zwölf Jahre Haft für Kopf der Bande.
Flick-Schwager in Lieferwagen festgehalten
Eine weitere spektakuläre Entführung sorgte kurz vor Weihnachten 1991 in Österreich und Deutschland für Aufsehen. Am 19. Dezember 1991 in der Früh stoppten Unbekannte bei Bad St. Leonhard das Auto eines 26-jährigen Kärntners, der sich auf dem Weg zur Arbeit befand.

Dabei handelte es sich um den Schwager des deutschen Großindustriellen und Multi-Millionärs Karl Friedrich Flick. Die Lösegeldforderung betrug zehn Millionen Deutsche Mark (5,11 Mio. Euro).

Nachdem der Mann 42 Stunden in einem Lieferwagen festgehalten wurde, erhielten die Entführer auf dem Wiener Westbahnhof die geforderte Summe. Das Opfer wurde wenig später freigelassen, die drei Täter landeten in Haft. Der Drahtzieher wurde 1993 zu zwölf Jahren Haft verurteilt, seine beiden Komplizen fassten je zehn Jahre aus.
18-Jährige lag gefesselt im Kofferraum
Am 25. November 2002 kidnappte ein 37-jähriger Landwirt aus Oberösterreich, in Amstetten ein 18-jährigen Mädchen. Er zwang sie, in den Kofferraum seines Autos zu steigen und zog ihr einen Strumpf über den Kopf. Von der Mutter forderte er 100.000 Euro. Als er zudem mit der Bankomatkarte seines Opfers Geld abhob, wurde er von der Überwachungskamera gefilmt. Anschließend besuchte er ein Bordell, während sein Opfer gefesselt im Kofferraum ausharren musste. Der Mann wurde wenig später festgenommen.
Erpresserbrief sollte Fahnder auf eine andere Spur lenken.
Zwölfjähriger Bub erstochen
Tödlich endete im November 2002 die Entführung des zwölf Jahre alten Thomas Klinger. "Ich habe Thomas unter meiner Gewalt und fordere 50.000 Euro. Sonst könnt ihr ihn von der MA 48 als Leiche abholen", stand in einem Fax eines zu diesem Zeitpunkt 19-Jährigen, das am 5. Dezember in jenem Heim einlangte, in dem der Schüler untergebracht war.

Thomas Klinger war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben. Der Entführer hatte den am 29. November gekidnappten Bub in seine Wohnung in Wien-Penzing gelockt und vermutlich noch am selben Tag erstochen, nachdem er ihn missbraucht hatte.

Das Erpresserschreiben sollte von seinem Verbrechen ab- und die Fahnder auf eine andere Spur lenken. Er wurde im Juni 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.
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