Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Portrait Kampusch , wie sie heute, acht Jahre nach ihrer Entführung , aussehen könnte (Bild: ORF/APA)
Fall Kampusch
Entführer nicht in DNA-Datenbank
Natascha Kampusch hat das Wochenende an einem sicheren Ort verbracht. Sie wird rund um die Uhr betreut. Wenn sie will, kann sie ihre Familie sehen. Der mutmaßliche Entführer ist in der DNA-Datenbank unbekannt.
Keine offzielle Bestätigung des BK über sexuelle Kontake zwischen Kampusch und ihrem Entführer.
Keine Angaben zu "sexuellen Kontakten"
Das BK kann nicht offiziell bestätigen, dass es zwischen Natascha Kampusch und ihrem Entführer zu sexuellen Kontakten gekommen ist. Angaben über die Intimitäten mit ihrem Entführer habe die junge Frau gegenüber der Polizistin gemacht, die sie nach Wien begleitet habe, so BK-Ermittler Erich Zwettler.

Weitere Angaben dazu werde es von Seiten der Ermittler jedoch keinesfalls geben, betonte er.
DNA-Untersuchung abgeschlossen
Unterdessen ist auch die DNA-Untersuchung des mutmaßlichen Entführers Wolfgang P. abgeschlossen. Der DNA-Test zeige, dass P. kein Serientäter in Österreich sei, meinte Gerhard Lang vom BK. Die DNA-Datenbank in Innsbruck sei die drittgrößte der Welt. Üblicherweise führe mehr als jede dritte Überprüfung zu einem Treffer.
Polizei gibt keine Auskunft über mögliche Komplizen, ermittelt aber in diese Richtung.
Natascha zu Komplizen befragt
Die Polizei ermittelt unterdessen in alle Richtungen. Sie sagt zwar, dass man derzeit keine konkrete Person im Visier hat. Aber es gilt als wahrscheinlich, dass es einen Komplizen oder eine Komplizin gegeben haben könnte, so Gerhard Lang vom BK.

Selbstverständlich wurde auch Kampusch zu einem Komplizen befragt, was sie dazu gesagt hat, will und kann Lang allerdings nicht sagen.
ORF-Spendenkonto für Kampusch
Der ORF hat für Natascha Kampusch ein Spendenkonto eingerichtet:

BA-CA (BLZ 12.000)
Kontonummer: 50216005765
Kennwort: Natascha
Natascha Kampusch wird rund um die Uhr von Experten betreut.
Mädchen braucht Ruhe
Natascha wurde seit Donnerstag zu der Entführung, der Zeit im Verlies und ihrer Beziehung zum Täter befragt. Über konkrete Aussagen gaben die Ermittler keine Auskunft.

Nur so viel: "Die Vernehmung ist für Natascha ein belastender Vorgang. Sie ist auf eindringliches Anraten sowohl von ärztlicher und psychologischer Seite unterbrochen worden", so Zwettler. Frühestens Montag werde man mit der Befragung des Opfers fortfahren.
Aufenthaltsort geheim
Kampusch wird rund um die Uhr von der Wiener Jugendanwältin Monika Pinterits und einem Arzt betreut. Sofern sie es wünscht, können sie ihre Mutter, ihr Vater und eine Halbschwester jederzeit besuchen.

Der Aufenthaltsort wird geheim gehalten. Sie möchte ihre Ruhe haben, so die Ermittler. Sie soll das Wochenende in einer spitalsähnlichen Einrichtung im Großraum Wien verbracht haben.
Vater Ludwig Koch
Polizei fürchte offenbar, dass Fotos in die Medien gelangen könnten.
Vater durfte keine Fotos machen
Ihr Vater, der Bäcker Ludwig Koch, soll sehr darunter leiden, dass er seine Tochter nicht nach Belieben sehen kann. Bei dem bisher letzten Treffen, das angeblich nur fünf Minuten gedauert haben soll, wollte Koch seine Tochter fotografieren, um die Bilder Verwandten zu präsentieren.

Das ließ die Polizei nicht zu - offenbar wurde befürchtet, die Fotos könnten in die Medien gelangen und so weitere Ermittlungen behindern.
Bild: APA
Ermittlungen in alle Richtungen
Mutter und Freund entlastet
Die Mutter des mutmaßlichen Entführers wurde einvernommen, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob die Witwe etwas von der Entführung mitbekommen haben könnte. Nach derzeitigem Stand sei auszuschließen, dass sie mit der Entführung zu tun hatte. Sie habe die Ermittler in dem Fall unterstützt, sagte Lang.

Auch mit dem angeblich besten Freund des Entführers, den der Entführer Mittwochabend auf seiner Flucht angerufen hatte, haben Einvernahmen stattgefunden. Auch ihm könne laut Lang hinsichtlich der Entführung und Gefangennahme von Natascha Kampusch nach derzeitigen Stand nichts angelastet werden.
Weiters wurde der zunächst verschwundene Geschäftspartner des Entführers gefunden und einvernommen.
Haus wird von zehn Kriminalisten genau untersucht
Suche nach Fingerabdrücken und Haaren
Besonders intensiv läuft derzeit die Spurensicherung im Haus des Verdächtigen. Zehn Kriminalisten sind dafür abgestellt. So wird das Verlies auf biologische und chemische Spuren untersucht. Wenn sich hier etwa ein Fingerabdruck findet, der nicht vom Tatverdächtigen oder von Natascha Kampusch stammt, so wäre das ein deutlicher Hinweis auf mögliche Mitwisser.

Auch die beiden Fahrzeuge des Verdächtigen werden auf Spuren geprüft. Jedes Haar, jede Stofffaser könnte ein Indiz für mögliche Mittäter sein, hieß es.
Staatsanwaltschaft um Klärung bemüht
Die Staatsanwaltschaft Wien wird zwar das Strafverfahren gegen den Entführer nach dessen Selbstmord einstellen, die Erhebungen im Fall Kampusch werden aber mit Sicherheit noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

"Die Behörden müssen erfahren, was in den vergangenen achteinhalb Jahren passiert ist", erklärte Walter Geyer, der Sprecher der Anklagebehörde. Gegenstand der weiteren Ermittlungen ist vor allem die Frage nach allfälligen Mittätern des Entführers.
Der weiße Lieferwagen
Fahrzeug wird genauestens untersucht
Zwölfjährige bleibt bei ihrer Aussage
Auch die Zeugenaussage eines Mädchens vor acht Jahren bekommt nun neues Gewicht und wird erneut überprüft. Das zwölfjährige Mädchen hatte damals ausgesagt, dass sie Natascha am 2. März 1998 gegen 7.15 Uhr am Rennbahnweg kurz vor dem Kreisverkehr Melangasse gesehen habe. Dort sei am rechten Fahrbahnrand ein weißer Kleinbus gestanden.

Als das Mädchen an dem Wagen vorbeigegangen sei, habe ein etwa 20 bis 40 Jahre alter Mann das Kind gepackt und in den Bus gezerrt. Daraufhin sei der Wagen - von einer zweiten Person gesteuert, die das Mädchen aber nicht gesehen hat - zum Kreisverkehr und weiter in eine Seitengasse gefahren.
Alles wird überprüft
Der Innenraum des Kleinbusses"Eine Quelle, die uns etwas bestätigen könnte, ist uns abhanden gekommen, bei der anderen müssen wir sehr behutsam vorgehen", sagte Nikolaus Koch, Leiter der Sonderkommission
zu dem Entführungsfall.
Haus des mutmaßlichen Entführers in Strasshof (Bild: ORF)
Mehrmals Baubehörden im Haus.
Nachrichtentechniker damals befragt
Bereits einen Monat nach der Entführung war der 44-jährige Nachrichtentechniker von der Polizei überprüft worden, wegen seines weißen Kleinbusses. Damals hatte er aber erklärt, er würde den Bus für Bauschutt benötigen - für die Polizei war das eine plausible Erklärung.

Unterdessen wurde auch bekannt, dass die Behörden seit 1999 mehrmals das Haus des Entführers in Strasshof besucht haben. Wie der Mediensprecher der Gemeinde mitteilte, habe der Mann in diesem Jahr einen Umbau des Dachstuhls beantragt.

Im April 1999 und 2004 wurde der Wasserzähler ausgetauscht, 2001 die elektrischen Neuerungen des Umbaus behördlich abgenommen. Der Mann war auch nicht in Strasshof, sondern in Wien gemeldet.
Motiv weiter unklar
Bild: PolizeiWie und warum der Entführer auf das damals zehnjährige Mädchen kam, bleibt weiterhin unklar. Auch ob das Opfer in der Zeit seiner Gefangenschaft sexuell missbraucht wurde und ob der Nachrichtentechniker Komplizen hatte, wird noch untersucht.
Müller: Gedanken verfestigen sich in Wochen und Monaten
Täterprofil von Kriminalpsychologen
Vor einem solchen Verbrechen steht immer die umfangreiche und genaue Planung durch den Täter, so Kriminalpsychologe Thomas Müller in der "ZiB 2": "Es wacht niemand in der Früh auf und begeht ein derartiges Verbrechen. Das sind Sachen, die sie oft über Wochen und Monate zunächst in Gedanken durchspielen."

"Sie wollen absolute Kontrolle über ihre Opfer ausüben, das ist der Grund, warum sie Bunker bauen und sie wollen absolute Macht über sie haben".
Die Polizistin Sabine Freudenberger
Polizistin von Gefangenschaft erzählt.
Polizistin: "Sie ist hochintelligent"
Natascha Kampusch ist vor achteinhalb Jahren offenbar gezielt entführt worden. Das berichtete in "Thema" die Polizistin, die die 18-jährige unmittelbar nach deren Flucht befragt hatte.
Sabine Freudenberger war die erste, der Kampusch von den acht Jahren in Gefangenschaft erzählte.
Eltern (Bild: ORF) Eltern haben ihre Tochter wieder
"Es war ein Wahnsinn" und "Ich habe daran geglaubt, dass sie wiederkommt" - das haben die Eltern von Natascha Kampusch in einem ersten ORF-Interview gesagt. Beide zeigten sich fassungslos.
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