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MI | 11.04.2012
Bild: APA/ORF
Fall Kampusch
Natascha braucht vorerst Hilfe im Alltag
Viele Fragen sind zu den vergangenen acht Jahren im Fall Kampusch noch offen. Doch Psychiater überlegen bereits, wie Natascha einmal ein normales Leben führen kann. Vorerst braucht sie auf jeden Fall noch Hilfe im Alltag.
Bild: ORF/APA
Porträts von Natascha, wie sie heute aussehen könnte
Kann jederzeit zurück
Natascha Kampusch war bei ihrer Entführung noch ein Kind. Jetzt ist sie eine junge Frau. In den acht Jahren im Kellerverlies konnte sie sich freilich nicht so entwickeln wie andere Jugendliche. Johann Frühstück von der Kampusch-Sonderkommission glaubt deshalb nicht, dass die 18-Jährige vorerst in der Lage sein wird, ihren Alltag allein zu meistern.

Derzeit wohnt Natascha noch in einer fremden Wiener Wohnung. So bald sie aber möchte und psychisch dazu in der Lage ist, kann sie zurück nach Hause in die Rennbahnsiedlung. Derzeit lässt sich aber noch nicht abschätzen, ob bis dahin noch Tage oder Wochen vergehen.
Mutter (Bild: ORF)
Verein Neustart betreute auch Nataschas Mutter in den vergangenen Jahren.
Natascha aktiv begleiten
Auf Natascha und ihre Angehörigen kommen auf jeden Fall schwierige Zeiten zu. Davon ist nicht nur ihr Arzt Max Friedrich überzeugt. "Jetzt ist der lange Atem gefragt", so auch Psychotherapeut und Sozialarbeiter Andreas Zembaty, Sprecher des Vereins Neustart. Der Verein bietet Hilfe für Verbrechensopfer an und hat auch Nataschas Mutter in den vergangenen Jahren betreut.

"Dieser Fall ist einzigartig. Für Natascha wird das, was auf sie zukommt, wahrscheinlich die Hölle. Sie, aber auch ihre Eltern brauchen uneigennützige Unterstützung", meinte Zembaty. Es gelte, "das zutiefst erschütterte Selbstwertgefühl der jungen Frau aufzubauen."

Wichtig sei es aber, Natascha nicht alles abzunehmen, sondern sie aktiv zu begleiten: "Das Opfer muss in der Lage sein, Dinge selbst in die Hand zu nehmen."
Mehr als Psychotherapie & Medikamente
Mit Psychotherapie und Medikamenten allein sei es nicht getan: "Es geht um Beziehungsaufbau und Kontinuität. Zuhören ist gefragt. Man muss ihr ein Auffangnetz zur Verfügung stellen."
Reichen gängige Methoden der Opferbetreuung?
Auch Anwalt soll eingebunden werden
Die Einzigartigkeit des Falles lässt es laut Zembaty fraglich erscheinen, ob die gängigen Methoden der Opferbetreuung im Fall Kampusch überhaupt funktionieren können: "Natascha Kampusch hat acht Jahre Isolationshaft hinter sich. Wir müssen angesichts dessen sicher radikal dazu lernen."

In die Betreuung der jungen Frau sollten nicht nur Sozialarbeiter und Psychologen, sondern auch ein Rechtsanwalt eingebunden werden, regt der Experte an.
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