Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Prozess (Bild: APA)
Causa Bakary J.
WEGA-Beamte bekennen sich schuldig
Vier WEGA-Beamte sollen den Schubhäftling Bakary J. nach einer gescheiterten Abschiebung misshandelt haben. Sie bekannten sich zum Prozessauftakt überraschend schuldig.
Zunächste war angeblich Deeskalation angesagt, dann soll der Afrikaner tätlich geworden sein.
Aus "Frust" zugeschlagen
Zum Prozessauftakt bekannten sich alle vier Angeklagten schuldig. Angeklagt sind die vier WEGA-Beamten wegen Quälens oder Vernachlässigen eines Gefangenen.

Der Erstangeklagte sagte, es sei weder ihm noch seinen Kollegen möglich gewesen, einen Zugang zu Bakary J. zu bekommen. J. wurde zunächst nicht gefesselt, man wollte "deeskalieren", so der Beamte.

Der Afrikaner soll laut dem Angeklagten tätlich geworden sein, als es in die Lagerhalle ging. Auf die Frage des Richters, ob die Polizisten ihren Frust rauslassen wollten, antwortete der Polizist mit Ja.
Verletzungen mit Fluchtversuch erklärt
Der Angeklagte gab an, dass sich J. gewehrt habe. Angefahren habe man ihn nicht. Nach den Misshandlungen in der Lagerhalle haben die Beamten den Afrikaner ins AKH gebracht. Die Verletzungen wurden dem Arzt damit erklärt, dass der Schubhäftling einen Fluchtversuch unternommen habe.

Die beiden Kollegen bestätigten die Version des Erstangeklagten, der das Kommando hatte. Die Nerven seien durchgegangen, man könne das nicht entschuldigen, sagten sie.
Der vierte Angeklagte hat den Obdachlosen, der das Geschehen in der Lagerhalle beobachtete, hinausgeführt.
Misshandlung nicht wahrgenommen
Der vierte Angeklagte, der die Poilzisten und den Afrikaner in der Lagerhalle erwartet hatte, sagte aus, er habe nur von Problemen bei der Abschiebung gewusst.

Die Misshandlung selbst habe er nicht wahrgenommen. Er habe einen Obdachlosen, der sich in dem Gebäude befand und das Geschehen beobachtete, aus der Halle geführt.
Schubhäftling Bakary J. (Bild: ORF)
Bakary J. soll von vier WEGA-Beamten geschlagen und getreten worden sein.
Vorfall im Zuge der Abschiebung
Anfang April sollte der Gambier J. wegen eines Drogendeliktes in seine Heimat abgeschoben werden. Zu einer Flugbegleiterin sagte er damals, dass er nicht freiwillig im Flugzeug sei. Daraufhin weigerte sich der Pilot, den Schubhäftling mitzunehmen.

Die drei Fremdenpolizisten sollen den 33-Jährigen daraufhin in eine Lagerhalle am Handelskai gebracht und misshandelt haben. Ein vierter Beamter soll den Aufpasser gespielt haben.
Laut Anklage wurde der Schubhäftling in der Halle geschlagen und getreten. Zudem soll man ihm damit gedroht haben, ihn umzubringen.
Gutachten erhärten Anklage
Zwei gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge war J. schwer traumatisiert und erlitt Brüche von Jochbein, Kiefer und Augenhöhle sowie Zerrungen und Prellungen.

Nach der Einvernahme der Polizisten wurde die Verhandlung auf Donnerstag vertagt. Im Fall eines Schuldspruches drohen den Polizisten bis zu drei Jahre Gefängnis.
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