Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Natascha Kampusch im ORF-Interview (Bild: ORF)
Spenden
Kampusch-Foundation vor Gründung
Die "Natascha Kampusch Foundation", die das 18-jährige Entführungsopfer nach seiner Befreiung vor drei Wochen ins Leben gerufen hat, soll nun rechtlich gegründet werden.
Natascha Kampusch will sich künftig für Entführungsopfer engagieren.
Für verschleppte Frauen in Mexiko
"Die juristischen Dokumente werden diese Woche fertig", sagte der Anwalt der jungen Frau, Gabriel Lansky.

Teilweise werden die Spenden verschleppten und misshandelten Frauen in Mexiko zugute kommen, wo seit 13 Jahren eine Mordserie registriert wird. Hier sei an eine Zusammenarbeit mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) gedacht, so Lansky.

"Wir sind derzeit auf der Suche nach Mitgliedern für einen Beirat", sagte der Anwalt. Man wolle eine "schmale und günstige Verwaltung" schaffen, um die Menschen zu unterstützen, erklärte er.
Ähnlich Fälle wie ihren
Laut Lansky will Natascha Kampusch mit den Spenden auch Experten-Projekte fördern, die sich mit der Vermeidung von ähnlichen Fällen wie dem ihren beschäftigen sollen.
In bestimmten Gegenden in Mexiko sei jede Frau in Gefahr, so ai.
500 Frauen getötet
Im Norden Mexikos sind laut Zahlen von ai in den vergangenen zehn Jahren mindestens 500 Frauen getötet worden, sagte die Österreich-Sprecherin der Organisation, Michaela Klement.

Ein Sonderausschuss des mexikanischen Parlaments sprach im Mai 2006 von 6.000 Getöteten in den vergangenen fünf Jahren. Mehr als 400 Frauen waren laut einem ai-Bericht im betroffenen Bundesstaat Chihuahua im Jahr 2003 vermisst.

Rund um die Städte Ciudad Juarez im Nordes Mexikos und die gleichnamige Hauptstadt des Bundesstaats Chihuahua "ist jede Frau in Gefahr", so Klement.
Fabriksarbeiterinnen besonders betroffen
Besonders viele Mordopfer seien unter Fabriksarbeiterinnen aus ärmlichen Verhältnissen zu finden, die für ausländische Billig-Produzenten an der Grenze zu den Vereinigten Staaten tätig sind. Sie sind die "idealen Opfer für die Banden", meinte die Sprecherin. Auf unbeleuchteten Pfaden treten sie den Heimweg an, "wenn ein Auto daneben anhält, ist es schon zu spät", sagte sie.
Auch Kellnerinnen und Studentinnen unter den Opfern.
Leichen in der Einöde liegengelassen
Unter den Opfern sind laut dem ai-Bericht auch Kellnerinnen und Studentinnen. In den meisten Fällen werden die jungen Frauen entführt, sexuell missbraucht und getötet - ihre Leichen werden in der Einöde liegen gelassen.

Laut Vermutungen von Amnesty International könnten die Motive für die Morde in der stark patriarchalischen Kultur des Landes zu finden sein. "Sie sind eine Art Bestrafung an Frauen, die es wagen, ihr eigenes Geld zu verdienen", erklärte Klement. Die Opfer werden ausgewählt, weil sie in dieser Gesellschaft einen niedrigen Status haben, so ai.
Popularität von Kampusch auschlaggebend
Die Initiative von Natascha Kampusch "kann durchaus erfolgreich sein, weil sie sehr populär ist", meinte die Sprecherin.

Die 18-Jährige könnte mit den Spenden für ihre Foundation beispielsweise Frauenorganisationen unterstützten. Rund um die Mordserie habe sich "eine starke Zivilgesellschaft" etabliert, so Klement.

Mütter deren Kinder ermordet wurden, haben unter anderem die Plattformen "Die Heimkehr unserer Töchter" und "Gerechtigkeit für unsere Töchter" gegründet.
Spendenkonto für Kampusch
Der ORF hat ein Spendenkonto für Natascha Kampusch eingerichtet. Der Gesamterlös dieser Spendenaktion kommt zur Gänze Frau Kampusch zugute und steht zu ihrer freien Verfügung:

BA-CA (BLZ 12.000)
Kontonummer: 50.000.010.001
Kennwort: Natascha Kampusch Foundation
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News