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MI | 11.04.2012
Pärchen (Bild: APA)
Rathaus
Wien im Zeichen von Sex
Im Rathaus hat kürzlich der erste Europäische Tag der Gesundheit und Sexualität stattgefunden. Gründe dafür gibt es genug: Laut Experten würden vor allem Schönheitsideale und Alltagsstress zunehmend zum Problem.
Bedarf an Beratung ist groß.
2.000 Experten diskutieren dieses Thema
Die wenigsten sprechen offen über Sexualität. Und doch: Sex geht uns alle an. Ein unerfülltes Sexualleben kann zu schweren psychischen Störungen führen.

Außerdem ist der Bedarf an Beratung sehr groß. So sind an der Sexualambulanz am Wiener Wilhelminenspital laut der Leiterin Elia Bragagna regelmäßig schon Monate im Voraus keine Termine mehr frei.
Menschen immer sexuelle Wesen
Bragagna: "Die Leute rufen für die Terminvergabe die ganze Nacht an. (...) Solange wir leben, sind wir sexuelle Wesen." Sexualität ändere sich mit dem Lebensalter, es komme auf die Offenheit im Umgang mit ihr an, wenn es um ein zufriedenes Leben gehe.
Schönheitsideale und Übergewicht stehen dem Sex oft im Wege.
Jung und lustlos
Sexualforscher Siegfried Meryn sagte im Ö3- Interview, warum vor allem jüngere Frauen immer weniger Lust auf Sex haben. Demnach trauen sich viele Frauen gar nicht mehr mit einem Mann ins Bett. Sie haben Angst davor, nicht den allgemeinen Schönheitsidealen gerecht zu werden.

Für Meryn hängt das mangelnde Interesse am Sex auch stark mit dem heutigen Lebensstil zusammen: Viele Menschen sind übergewichtig, bewegen sich weniger und fühlen sich in ihrer Haut nicht mehr wohl. Männer produzieren dadurch weniger vom Sexualhormon Testosteron, dadurch herrscht zunehmend Flaute im Bett.
Alles Wichtige zum Thema Sexualität und Gesundheit.
Probleme offen besprechen
Der Informationstag im Rathaus präsentierte alles Wichtige zum Thema Sexualität und Gesundheit.

Der Internist und Gastroenterologe Siegfried Meryn: "Jede Störung hat dramatische Auswirkungen auf die Lebensqualität." Ob Mann oder Frau, immer sei auch der Partner betroffen. Man müsse sich aber auch fragen, ob die Ärzte in der Lage dazu seien, mögliche Probleme bei ihren Patienten zu erfragen und mit diesen offen zu besprechen.
Hintergrund
Einige Daten zu sexuellen Problemen: Mit 32 Prozent Häufigkeit zeigen eklatanterweise gerade 18- bis 24-jährige Frauen am häufigsten Zeichen von Libidoverlust. Über Orgasmusstörungen klagen 28 Prozent der 18- bis 24-jährigen Frauen, 28 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und 23 Prozent aus der Altersgruppe zwischen 45 und 59.

Bei den Männern leiden um die 14 Prozent im Alter zwischen 18 und 44 Jahren an Libidoverlust, etwa 30 Prozent an Ejaculatio praecox, etwa 18 Prozent an Versagensängsten beim Sex und zwischen sieben und 17 Prozent an Erektionsstörungen.
Pionierstadt für Sexualforschung und Sexualberatung.
Wien hat Vorgeschichte
"Wien war schon immer Pionierstadt für Sexualforschung und Sexualberatung", so Ludwig Kaspar, Bereichsleiter für Koordination und Zusammenarbeit von Einrichtungen des Wiener Gesundheitswesens mit der EU.

Historische Beispiele - neben den Arbeiten Sigmund Freuds: 1869 formulierte Karl Maria Benkert erstmals den Begriff "Homosexualität" und forderte vom preußischen Justizminister eine Strafrechtsreform. 1886 sprach der österreichische Psychiater Richard von Krafft-Ebing erstmals von "Sadismus", 1922 richtete Stadtrat Julius Tandler die erste Eheberatungsstelle Europas in Wien ein.

1928 gründeten Marie Frischauf und Wilhelm Reich die "Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung" mit sechs Beratungsstellen.
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