Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Entwurzelter Baum liegt über mehrere Grabsteine
Schäden
Rettung für den jüdischen Friedhof
Seit Jahrzehnten verfällt der jüdische Friedhof Wien-Währing. Vergangene Woche wurde er durch den Orkan Kyrill noch mehr verwüstet. Nun will die israelitische Kultusgemeinde einen neuen Rettungsversuch wagen.
Baum über Grabstein gestürzt
7.000 Gräber gibt es am Jüdischen Friedhof in Währing.
Bethaus statt Friedhofswärterhaus
Für eine notwendige Sanierung fühlen sich bisher weder die Stadt Wien noch der Bund zuständig.

Es müsse ein gemeinsames Projekt geben, wo alle Beteiligten gemeinsam für die Erhaltung und Wiederinstandsetzung des Friedhofes aufkommen, sagte Ariel Muzicant, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. "Wenn man nicht bald etwas tut, dann sind diese Friedhöfe unwiederbringlich verloren."

Als ersten Schritt will Muzicant das Friedhofswärterhaus beim jüdischen Friedhof in Währing in ein Bethaus umwandeln. Damit soll ein Zeichen und Signal gesetzt werden.
Baum liegt über mehreren umgestürzten Grabsteinen
Grüfte liegen offen, Grabsteine sind umgestürzt, die Steine sind überwuchert und zerfallen. Kein Wunder, dass die Anlage seit Jahren für Besucher geschlossen ist.
Zugang zum Friedhof
Bevor schrittweise eine Sanierung in Angriff genommen werden könnte, müsste zu Beginn einmal der gefahrlose Zugang zum Friedhof von der Stadt Wien ermöglicht werden, so die Klubchefin der Grünen im Wiener Rathaus, Maria Vassilakou. Dies würde etwa 400.000 bis 800.000 Euro kosten.

Eine Generalsanierung des Areals wurde zuletzt auf 14 Millionen Euro geschätzt.
Bund sollte Budget verdoppeln
Auch für Kurt Scholz, Sprecher des Zukunftsfonds der Bundesregierung und Wiener Restitutionsbeauftragter, ist klar, dass die Sanierung des Friedhofs nur in Zusammenarbeit möglich ist und nicht der jüdischen Gemeinde überlassen werden kann: "Wenn man Friedhöfe vergißt, dann vergißt man auch das Gedächtnis eines Landes und das ist traurig. Und daher gehört das auch ganz entschieden geändert."

Ein erster Schritt wäre, so Scholz, wenn die Bundesregierung jene 300.000 Euro, die die Stadt Wien jährlich für die jüdischen Friedhöfe bezahlt verdoppeln würde.
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