Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Regen (Bild: APA)
400.000 betroffene
Depressionen auf dem Vormarsch
Rund 400.000 Österreicher leiden unter Depressionen. Spezialisten beklagen, dass es in der Versorgung nach wie vor beachtliche Defizite gibt. Sie fordern neben einer Therapie eine breitere Palette an wirksamen Medikamenten.
Von 400.000 Erkrankten werden nur 36.000 optimal behandelt.
Krankheit wird nicht ernst genommen
"Die gute Nachricht: Man kann Depressionen behandeln. Die schlechte Nachricht: Sie kommt immer wieder", so der Psychiater Siegfried Kasper von der Medizinischen Universität Wien im Rahmen einer Pressekonferenz.

Die Statistik zeigt, dass die Depression offenbar immer noch nicht ernst genug genommen wird: Rund 400.000 Österreicher leiden darunter, 250.000 befinden sich in hausärztlicher Behandlung, bei etwa 130.000 wurden Depressionen tatsächlich diagnostiziert, optimal behandelt werden hingegen nur noch maximal 36.000 Betroffene.

Kasper forderte diesbezüglich nicht nur eine effektive Behandlung zur "Entmystifizierung depressiver Erkrankungen", sondern auch eine breitere Palette an wirksamen Medikamenten.
Konsensus-Statement abgegeben
35 österreichische Spezialisten auf dem Gebiet der Depression haben nun ein Konsensus-Statement abgegeben. Darin wurde festgehalten, dass die Depression in Zukunft die am häufigsten gestellte Diagnose sein werde. Weltweit sind depressive Erkrankungen schon jetzt die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit. Depressionen stellen die Hauptursache von Selbstmorden dar.

Im Vergleich zu anderen Todesursachen versterben global gesehen etwa drei Mal so häufig Menschen an Suiziden wie an AIDS und etwa acht Mal so häufig wie an Malaria.
Viele Herausforderungen zu bestehen.
Bessere Medikamente
Bei den Medikamenten könne zudem nicht das Kostenargument ausschließlich gelten, so Kasper. "Der Hauptverband sagt: Nehmen wir doch das billigste. Aber das ist falsch. Moderne Antidepressiva müssen von Anfang an verabreicht werden", so der Mediziner.

Zu niedrige Erkennungsraten und unzureichende therapeutische Schritte nannte auch Hans-Peter Kapfhammer von der Medizinischen Universität Graz als Herausforderung.

"Als Grundregel auf der primärärztlichen Versorgungsstufe kann gelten, dass mit der Anzahl der bei einem Patienten vorliegenden 'medizinisch unerklärten Körpersymptome' auch die Wahrscheinlichkeit einer depressiven und/oder Angststörung deutlich steigt", erklärte der Psychiater.
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