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MI | 11.04.2012
Zerstörte Grabsteine am Jüdischen Friedhof Währing (Bild: ORF / BeLicht)
Sanierung
Hoffnung für jüdischen Friedhof Währing
Die dringend notwendige Renovierung des jüdischen Friedhofs beginnt nun zumindest teilweise. Zunächst werden Baumschäden beseitigt. Dann soll entschieden werden, wie die Kosten für die Sanierung aufgeteilt werden.
Der Sturm Kyrill hat einige Gräber beschädigt.
Voerst nur dringend notwendige Schritte
Seit 2003 war der historische Baumbestand des jüdischen Friedhofs Währing nicht mehr aufgeforstet worden. Am 2. März stimmte der Gemeinderat einem Entschlussantrag von SPÖ, ÖVP und Grünen zu, "die ärgsten Gefahren, die von Baumschäden ausgehen, zu beseitigen".

Dies sei laut Historikerin Tina Walzer ein dringend nötiger Schritt. "Notwendig ist aber eine nachhaltige Pflege der Grabanlage." Dafür müsse zunächst das Unterholz gerodet, drei- bis viermal im Jahr das Gras gemäht und regelmäßig der Baumbestand kontrolliert werden.
Grabsteine am Jüdischen Friedhof Währing (Bild: ORF / BeLicht)
Durch den Sturm Kyrill im Jänner 2007 waren 20 Gräber beschädigt worden, die laut Walzer "zu den ältesten und wertvollsten des Friedhofs" gehören. Die Grabanlage ist neben dem Totenhain in St. Marx der letzte erhaltene Biedermeierfriedhof der Stadt.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) will Lösung noch 2007.
Stiftung für Sanierung, Gemeinde für Pflege
Der Gemeinderatsantrag enthält auch den Wunsch, mit dem Bund Gespräche zu führen "mit dem Ziel einer nachhaltigen Pflege der jüdischen Friedhöfe in Wien".

Dem kommt der Plan von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) entgegen, innerhalb des heurigen Jahres eine Einigung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zur Erhaltung der jüdischen Grabanlagen zu erreichen. Dazu hatte sich Österreich im Washingtoner Abkommen 2001 verpflichtet.

Für die Sanierung soll nach deutschem Vorbild eine Stiftung aus öffentlichen und privaten Geldgebern gegründet werden. Für die Pflege wären die Gemeinden zuständig. Bereits jetzt gibt die Stadt Wien jährlich 300.000 Euro für die Pflege jüdischer Friedhöfe aus. Dieser Betrag reicht gerade für die Erhaltung der zirka 100.000 jüdischen Gräber am Zentralfriedhof.
Ex-Finanzstadtrat Sepp Rieder (SPÖ) schlug Einigung bereits im Februar 2006 vor.
Vorschlag für Stiftungslösung bereits 2006
Bereits im Februar 2006 hatte der damalige Finanzstadtrat Sepp Rieder (SPÖ) angedacht, die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe durch eine Stiftung zu finanzieren. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hatte diesen Vorstoß im Juni 2006 als einen "Anfall außerordentlicher Güte und Milde" abgetan.
Führungen am jüdischen Friedhof Währing
Die Wiener Grünen veranstalten Führungen am ansonsten geschlossenen jüdischen Friedhof Währing. Die Historikerin Tina Walzer führt über das Gelände.

Die nächsten Termine:
11. März, 15.00 Uhr
15. April, 11.00 und 15.00 Uhr
6. Mai, 11.00 und 15.00 Uhr

Anmeldung unter karin.binder@gruene.at
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