Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Berufungsverhandlung Cheibani Wague (Bild: APA)
Causa cheibani wague
Urteile im Wesentlichen bestätigt
Über 16 Monate nach dem Prozess um den Tod von Cheibani Wague hat das Oberlandesgericht die Urteile der ersten Instanz im Wesentlichen bestätigt. Damals wurden ein Notarzt und ein Polizist schuldig gesprochen.
Auch nach Berufung beim OLG bleibt es dabei: Zwei Schuld- und acht Freisprüche.
Strafreduktion wegen mangelnder Ausbildung
Der 58-jährige Mediziner sowie der 34-jährige Polizist waren im November 2005 wegen fahrlässiger Tötung zu jeweils sieben Monaten
bedingter Haft verurteilt worden. Fünf weitere ebenfalls am Einsatz beteiligte und angeklagte Polizeibeamte und drei Sanitäter blieben straffrei.

Das Gericht bestätigte nun in beiden Fällen die Schuldsprüche. Die Strafe für den Polizisten wurde allerdings von sieben auf vier Monate bedingt reduziert. Die Strafreduktion begründete das OLG mit seiner "mangelhaften Ausbildung und Schulung, die mitentscheidend für sein Fehlverhalten war".

Das Gericht bezeichnete "die Ausbildungszustände bei der Polizei" als "erschütternd". Diese hätten sich auf einen Erste Hilfe-Kurs und Vorträge beschränkt.
Protest (Bild: APA)
Demonstranten von "Resistance for Peace" demonstrierten anlässlich der Berufungsverhandlung.
Freisprüche bestätigt
Entgegen dem Ansinnen der Staatsanwaltschaft bekräftigte das Oberlandesgericht die Freisprüche für die fünf mitangeklagten Polizisten sowie drei Sanitäter. Sie hätten mit ihrem Verhalten nicht alle Merkmale des Tatbestands der fahrlässigen Tötung erfüllt.

Das Fehlverhalten des einen Beamten sei für sie nicht wahrnehmbar gewesen. Zudem hätte sich ein Teil von ihnen "schulungskonform" verhalten, weshalb kein objektiver Sorgfaltsverstoß vorliege.
In Bauchlage fixiert und Beruhigungsspritze verabreicht.
Fall Cheibani Wague vom 15. Juli 2003
Cheibani Wague - ein gebürtiger Mauretanier und mit einer Wienerin verheiratet - war als Nachtwächter im "Afrikadorf" im Stadtpark beschäftigt gewesen. Nach einem Streit mit seinem Chef hatte dieser am 15. Juli 2003 die Polizei gerufen, weil Wague angeblich ausgerastet war und zu toben begonnen hatte.

Die Amtshandlung hatte laut Polizei zunächst "routinemäßig" begonnen. "Wiederholt heftige Aggressionsausbrüche" hätten die Beamten dann dazu veranlasst, den damals 33-Jährigen in Bauchlage auf dem Boden zu fixieren. Ihm wurde auch eine Beruhigungsspritze verabreicht.
Für Staatsanwaltschaft alle mitschuldig
Für die Staatsanwaltschaft stand nach der ersten Verhandlung fest, dass alle beteiligten Einsatzkräfte ein Mitverschulden am Ableben Wagues traf, indem sie an seiner Arretierung mitwirkten, die einem Gutachten zufolge den Tod des Mannes bewirkt haben soll.

Das Erstgericht sah das differenzierter: Zwei Polizisten blieben unbehelligt, weil ihnen der Richter "Ausbildungsmängel" zubilligte: Sie hätten Wague im Bereich der Schulter und der Lenden so fixiert, wie man es ihnen im Rahmen ihrer Ausbildung beigebracht habe.

Schuldig erkannt wurde damit nur jener Beamte, der Wague mit seinem eigenen Körpergewicht von 85 Kilogramm zu Boden gedrückt hatte. Im Unterschied zu den Sanitätern wurde auch der Arzt verurteilt. Ihm legte das Gericht zur Last, rechtzeitig lebensrettende Maßnahmen unterlassen zu haben.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News