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MI | 11.04.2012
Leopold Böhm (Bild: APA)
Todesfall
Schöps-Gründer Leopold Böhm tot
Der Schöps-Gründer, Immobilien-Tycoon und Austria-Förderer Leopold Böhm ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 85 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Er galt als Doyen des österreichischen Wirtschaftslebens.
Leopold Böhm ist mit 85 Jahren gestorben.
Geschäfte in ganz Österreich selbst eröffnet
Eine Karriere wie aus dem Bilderbuch: 1954 übernahm Leopold Böhm die Firma seines Onkels Richard Schöps und expandierte in ganz Österreich. Ähnlich dem Billa-Gründer Karl Wlaschek eröffnete er ein Geschäft nach dem anderen, bis die Marke in ganz Österreich bekannt war.

Erst 1989 verkaufte Böhm seine Textilkette für 160 Millionen Euro. Schöps machte damals einen Umsatz von 101,7 Millionen Euro.
Mit Immobiliengeschäften "richtig reich" geworden.
Einer der reichsten Österreicher
Das wirklich große Geld machte Böhm allerdings mit Immobilien. Branchenkenner schätzen seinen Besitz auf 30 bis 40 Immobilien. Böhm war dafür bekannt, Immobiliengeschäfte sehr diskret zu behandeln und niemals persönlich in Erscheinung zu treten.

Vertrauensmann in Sachen Immobilien war für Böhm Ariel Muzicant. Einer der letzten großen Deals dürfte der Verkauf des Wiener Hotels Crown Plaza an die spanische NH-Gruppe gewesen sein.

Der "trend" führte Böhm 2006 sogar auf Rang 34 der 100 reichsten Österreicher. Auf 400 Millionen Euro taxierte das Wirtschaftsmagazin den Schöps-Gründer und Immobilienmulti Leopold Böhm.
Vor Nazi-Herrschaft geflüchtet
Leopold Böhm wurde 1922 in Wien geboren. 1938 musste er im Alter von 15 Jahren vor der Nazi-Herrschaft aus Österreich flüchten, seine Eltern hat er im Lauf der Shoah verloren. Ab 1940 hat der engagierte Antifaschist in der britischen Armee gegen die Besatzer seiner Heimat gekämpft. Nach dem Krieg arbeitete Leopold Böhm bei einer Ölfirma in Haifa, Israel.

1952 kehrte Böhm auf der Suche nach seinen Eltern nach Wien zurück und arbeitete zunächst als Dolmetscher für die Tageszeitung "Kurier".
Großer Förderer der Wiener Austria.
Herz für die Austria
Neben Immobilien - und Lachsfischen - gehörte Böhms Herz der Wiener Austria. Von 1973 bis 1977 war er auch deren Präsident. Zuletzt war Böhm beim Traditionsklub aus Favoriten bis 1995 als Vizepräsident und Vorstandsmitglied aktiv.

Als "meinen zweiter Vater" bezeichnete Austria-Legende Herbert Prohaska den langjährigen Austria-Förderer. Mit ihm verband ihn bis zu seinem Tod eine Freundschaft. Für das derzeit in Bau befindliche neue Zentrum des jüdischen Sportvereins Hakoah im Wiener Prater steuerte Böhm, wie der derzeitige Austria-Präsident Frank Stronach, ebenfalls Sponsorengelder bei.

Aus der Öffentlichkeit hatte sich der Industrielle zuletzt praktisch völlig zurückgezogen.
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