Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Elsner (Bild: APA)
Fall Horngacher
Elsner droht weiteres Verfahren
Die Anklageschrift gegen Roland Horngacher könnte nun auch Folgen für Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner haben: Wegen "Weihnachtsgeschenken" an Horngacher steht Elsner ein weiteres Verfahren bevor.
Wegen Bestimmung zur Geschenkannahme könnte Elsner auch im Fall Horngacher angeklagt werden.
Reisegutscheine verschenkt
Der außer Dienst gestellte Wiener Landespolizeikommandant Horngacher soll über Umwege - nämlich den Kassier des Vereins der Freunde der Wiener Polizei - von Elsner jahrelang Reisegutscheine des damals gewerkschafteigenen Reisebüros Ruefa erhalten und eingelöst haben.

Inkriminierte Schadenssumme: an die 8.000 Euro. Laut Anklage flossen diese, nachdem Elsner beziehungsweise die BAWAG von Horngacher profitiert hatten.

Horngacher soll als damaliger Leiter der Wiener Wirtschaftspolizei eine "Unbedenklichkeitsbestätigung" besorgt haben. Mit dieser versuchte Elsner die Einwände des BAWAG-Aufsichtsrats gegen die 680 Millionen Dollar schwere Übernahme der bulgarischen Mobiltel zu zerstreuen.
Private Personenabfrage weitergegeben
Den Mobiltel-Verkäufern - einem usbekischen Diamantenhändler und einem russischen Geschäftsmann - waren Kontakte zur organisierten Kriminalität nachgesagt worden. Indem er eine private Personenabfrage tätigte und deren Ergebnis Elsner zukommen ließ, soll Horngacher diesem die Möglichkeit verschafft haben, dem Kontrollgremium der Bank die Seriosität der Mobiltel-Verkäufer nachzuweisen.
Gutscheine angeblich für Vorträge bekommen.
Horngacher bestritt den Zusammenhang
Für diese Gefälligkeit, die die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage als Verletzung des Amtsgeheimnisses qualifiziert, wurde Horngacher offensichtlich "belohnt": Nur Wochen später ließ ihm Elsner Ende 2001 erstmals ein "Weihnachtsgeschenk" zukommen.

Horngacher hat stets bestritten, die Reisegutscheine im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Beamter erhalten zu haben. Er habe diese für Referate und Vorträge vom Verein der Freunde der Wiener Polizei bekommen und von ihrer Herkunft erst später erfahren.
Elsner auf zwei Anklagebänken?
Elsner, der zu diesen Vorgängen bisher noch nicht befragt wurde, soll in den kommenden Tagen zu diesem Sachverhalt ausführlich einvernommen werden.

Sollte Horngacher seine Anklage beeinspruchen, was seinen Prozess um Monate verzögern würde, könnte es also passieren, dass Elsner als Mitangeklagter im Horngacher-Prozess auf der Anklagebank landet. Vor allem, weil das erste BAWAG-Verfahren im Oktober in erster Instanz beendet werden soll und Elsner damit wieder anderweitig "verfügbar" wäre.
Kredit an Ex-Konsum-Chef
Ermittlungen wegen Untreue
In jedem Fall Folgen wird für Elsner auch das großzügige "Geschenk" haben, das er dem ehemaligen Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter zu Lasten der BAWAG gemacht haben soll.

Gerharter hatte im Jahr 2002 bei seiner Hausbank um ein Darlehen zur Finanzierung offener Gerichtsgebühren angesucht, worauf ihn Elsner einige Monate später in sein Büro bestellt und ihm im März 2003 600.000 Euro in bar überreicht haben soll. Der Kredit wurde anschließend als uneinbringlich ausgebucht.

Gegen Elsner wird deswegen wegen Untreue ermittelt.
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