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MI | 11.04.2012
Computermodell des Islamischen Friedhofs (Bild: APA/MA 53/ PID)
liesingbach
Islamischer Friedhof erst ab 2008
Der erste islamische Friedhof Wiens entwickelt sich zur Dauerbaustelle. Nachdem die Eröffnung seit dem Jahr 2003 bereits mehrfach verschoben wurde, wird die Fertigstellung nun Anfang 2008 angepeilt. 3.000 Grabstellen sind vorgesehen.
Modell des islamischen Friedhofes.
Probleme mit Rechungen
Komplexe Zahlungsmodalitäten seien Schuld an den Verzögerungen, so Omar Al-Rawi, SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG) im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

So stehe der Finanzierungsplan in Höhe von rund 1,4 Mio. Euro zwar. Die Großspender, darunter der OPEC-Fonds und die Botschaft von Katar, würden jedoch nur nach Vorlage von Rechnungen zahlen. Die IG beschäftige aber kleine Baufirmen, die erst nach Bezahlung mit der Arbeit beginnen würden. Deshalb dauere alles sehr lange.

Fortschritte gebe es aber. Derzeit werden laut Al-Rawi die Abschiedshalle und die dazugehörigen Nebengebäude am Gelände im Bezirk Liesing mit Klinkerfassade versehen. Sie sollen bis Herbst fertig sein. Dann folgen Parkplatz und Grünanlage.
Konkurrenz in Altach und Graz
Derweil erwachsen andernorts Konkurrenten um den Titel des ersten islamischen Friedhofs Österreichs. Im Vorarlbergischen Altach hoffen die Initiatoren auf die Eröffnung einer Begräbnisstätte mit 300 Plätzen bereits im Herbst, während in Graz die Suche nach einem geeigneten Areal läuft.
Viele Verzögerungen.
Bereits 20-jährige Geschichte
Das Projekt "Islamischer Friedhof" hat schon eine lange Geschichte: Fast 20 Jahre dauerte es, bis die Gespräche zwischen IG und Stadt 2001 in die Präsentation der Pläne mündeten. Damals war eine Eröffnung im Herbst 2003 in Aussicht gestellt worden.

Dann verzögerten archäologische Grabungen, die Insolvenz der Baufirma und Geldprobleme den Bau. 2006 kam es zudem zu einem Brandanschlag auf den Rohbau der Halle, die später auch mit Kreuzsymbolen beschmiert wurde. Zuletzt hatten die Organisatoren den heurigen Sommer als Eröffnungsdatum angepeilt.
3.000 Grabstellen auf 3,4 Hektar.
Noch keine "Reservierung"
Für den Friedhof stellt die Gemeinde Grundstück und Einfriedung zur Verfügung, die IG zeichnet für die Bauten verantwortlich. Auf der 3,4 Hektar großen Fläche sind 3.000 Grabstellen vorgesehen, wobei die Zahl durch engeren Belag gesteigert werden kann.

Man will die Toten anfangs möglichst tief betten, um künftigen Generationen in der nächsthöheren Schicht die Wiederbelegung zu ermöglichen. Die Toten werden mit dem Gesicht in Richtung Mekka begraben.

Bei der Grabsteingestaltung tendiert man derzeit zum Entwurf eines Künstlers, der sich an bosnisch-muslimischen Grabsteinen aus weißem Marmor orientiert. Eine Grabstelle "reserviert" habe noch niemand, hieß es.
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