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MI | 11.04.2012
Kurt Waldheim (Bild: APA)
Politik
Kurt Waldheim verstorben
Der Alt-Bundespräsident und ehemalige UN-Generalsekretär Kurt Waldheim ist am Donnerstag 88-jährig im Kreise seiner Familie gestorben. Er erlag einem Herz-Kreislauf-Versagen.
Fahne der Präsidentschaftskanzlei anlässlich des Todes Waldheims auf Halbmast (Bild: APA)
Präsidentschaftskanzlei: Fahne auf Halbmast.
Im Kreise der Familie verstorben
Waldheim erlag nach Angaben seine Familie einem Herz-Kreislauf-Versagen. Er war bereits am Pfingstmontag Ende Mai wegen eines "fieberhaften Infekts" in die Intensivstation des AKH eingeliefert worden. Er konnte das Krankenhaus noch einmal verlassen. Gestorben ist er am Donnerstag um 12.45 Uhr zu Hause im Kreis seiner Familie.

Am Freitagnachmittag wird in der Präsidentschafts-Kanzlei ein Kondolenzbuch aufgelegt. Ob Waldheim ein Staatsbegräbnis erhält, ist unklar und wird noch mit der Familie besprochen.
Waldheim absolvierte die Konsularakademie und die juridische Fakultät der Uni Wien.
1918 in Niederösterreich geboren
Als Generalsekretär der Vereinten Nationen hatte er sich von 1972 bis 1981 hohes Ansehen erworben. In den Jahren 1986 bis 1992 durchlebte er als Bundespräsident eine schwere Krise. Kurt Waldheim wird als Bundespräsident in Erinnerung bleiben, der polarisierte.

Waldheim wurde am 21. Dezember 1918 in St. Andrä-Wördern in Niederösterreich geboren. Er besuchte das Humanistische Gymnasium Klosterneuburg, absolvierte die Konsularakademie und die juridische Fakultät der Uni Wien. Während seiner Studienzeit war er auch als Frontoffizier der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eingesetzt.

1945 trat er in Österreichs diplomatischen Dienst ein. Waldheim gehörte der Delegation an, die an den Staatsvertragsverhandlungen beteiligt war. Weitere Stationen seiner diplomatischen Karriere waren unter anderem Paris, New York und Kanada.
Kurt Waldheim im Jahr 2004 in seiner Wohnung (Bild: APA)
Waldheim trat als internationaler Krisenmanager in Erscheinung.
Hochgeachtet an der Spitze der UNO
Höhepunkt seiner diplomatischen Karriere war seine Funktion als UNO-Generalsekretär. Ende 1971 bestellt und 1976 wieder gewählt, trat er immer wieder als internationaler Krisenmanager in Erscheinung. Nach seiner Zeit bei der UNO übernahm er eine Gastprofessur an der Georgetown-Universität in Washington.

Seine traditionell guten Kontakte zu arabischen Staaten pflegte Waldheim auch nach seiner Zeit als österreichischer Bundespräsident weiter.
Kurt Waldheim im Präsidentschafts-Wahlkampf 1986 (Bild: APA) Umstritten als Österreichs Bundespräsident
Waldheims Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im November 1985 löste eine heftige, auch international geführte Debatte über seine Kriegsvergangenheit aus. Waldheim hatte seinen Einsatz auf dem Balkan in seinen Memoiren nicht erwähnt.

Später bestritt Kurt Waldheim, jemals einer NS-Organisation angehört zu haben und dass seine Einheiten mit Judendeportationen befasst gewesen sind.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) forderte die lückenlose Offenlegung seiner Vergangenheit. Dennoch wurde Waldheim mit 54 Prozent der Stimmen gewählt. US-Justizminister Edward Meese setzte Waldheim 1987 auf die Watch-List. Westliche Staaten gingen auf Distanz zu Österreich, Waldheim verzichtete 1991 freiwillig auf eine Wiederkandidatur.
Kurt Waldheim und Heinrich Neisser 1996 bei der Präsentation des Buchs "Die Antwort" (Bild: APA)
Waldheims Buch "Die Antwort" war eine Replik auf die Watch-List-Entscheidung der USA.
Geiselbefreiung als größter Erfolg
Als größtes Erfolgserlebnis seiner Amtszeit als Bundespräsident wertete Waldheim selbst seine Initiative vom August 1990, als es ihm durch einen Besuch bei Saddam Hussein in Bagdad gelang, österreichische Geiseln zu befreien.

Er war Autor mehrerer Bücher, darunter "Im Glaspalast der Weltpolitik", worin er Bilanz über seine Zeit bei der UNO zog, und "Die Antwort", eine Replik auf die Watch-List-Entscheidung.
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