Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Georg Danzer (Bild: APA/Roland Schlager)
Menschen
Georg Danzer wollte kein Ehrengrab
Der verstorbene Georg Danzer hat seine Einäscherung so durchgezogen wie sein Leben. Er "wollte keinen Rummel - und schon gar kein Ehrengrab", sagte sein langjähriger Freund und Manager Franz Christian Schwarz.
Georg Danzer und sein Vermächtnis.
Keine Heldenverehrung
Man werde daher das Angebot der Stadt Wien für ein Ehrengrab "nicht annehmen", so Schwarz.

Durch seinen expliziten Wunsch, dass die Nachricht von seinem Tod erst nach seiner Einäscherung bekannt werde, habe Danzer erneut gezeigt, dass er "keine Heldenverehrung wollte", und den "so genannten 'Pop-Funebren' ein Schnippchen geschlagen".
Wo Danzer seine letzte Ruhe finden will
Seine Urne werde an einem "nicht öffentlichen Ort" zur letzten Ruhe gesetzt, den die Medien "nie finden" werden, sagte Schwarz, der seit drei Jahrzehnten mit Danzer befreundet und seit 18 Jahren dessen Manager war. Wo das sein wird, werde sich erst nach der Testamentseröffnung weisen - "das hat Georg uns verschwiegen".
Lange gegen die Krankheit angekämpft
Schwarz hatte Danzer während dessen Krankheit begleitet. "Er hat, solang es ging, gekämpft und war eigentlich immer guter Dinge", so Schwarz.

"Die Behandlung hat ziemlich gut ausgeschaut. Die erste Chemotherapie, die bis Jänner gedauert hat, hat auch sehr wenig an seiner Robustheit geknabbert. Er hat zwar keine Haare gehabt und war ein bisschen müde. Die typischen Symptome blieben aber fast gänzlich aus", schilderte der Manager.

"Der Befund war zufrieden stellend. Dann ist er mit der Familie Ski fahren gewesen. Als er zurückgekommen ist, hat er das Gesamtergebnis bekommen - und plötzlich war der Tumormarker wieder auf 200. Da hat man mit der nächsten Serie begonnen, bis vor rund drei Wochen. Die hat ihn langsam, aber sicher immer mehr Substanz gekostet. Aber es hat sich auch noch in Grenzen gehalten, er hat noch seine Scherzerln gemacht. Ganz rapide gegangen ist es dann ab dem Freitag vor seinem Tod."
"Ich kann keine Lieder mehr schreiben"
Die Resignation bei Danzer habe erst angefangen, als er die Stimme verlor, rund drei Wochen vor seinem Tod. "Und dann hat er noch eine E-Mail geschrieben: 'Ich kann auch keine Lieder mehr schreiben'", schildert Schwarz.
Wusste, dass er sterben wird
Danzer sei "ziemlich kräftig" gewesen. "Wir haben zwei Wochen vor seinem Tod über die Zukunft geredet. Da hat er mich ganz böse angeschaut und gesagt: Begreif doch endlich, dass ich sterben werde."

"Er war sich der Tatsache bewusst, dass es unabwendbar ist. Aber ich glaube nicht, dass er damals gewusst hat, dass das so schnell gehen wird." Über Danzers Tod sagte der Manager: "Er ist Gott sei Dank ruhig eingeschlafen."

Nach der Einäscherung am Freitag "habe ich mich eine Stunde auf den Parkplatz gesetzt" und zuerst über die APA die Medien informiert und dann "alle die angerufen, die Danzer nahe standen". Rainhard Fendrich sei "aus Mallorca gekommen und wollte Georg besuchen kommen. Dem ist fast das Handy aus der Hand gefallen, der war bis nächsten Tag in der Früh nicht ansprechbar."
Georg Danzer (Bild: www.gib-mir-musik.at / Dietmar Lipkovich)
Charakterisiert hat Schwarz Danzer als "zuverlässig, offen ehrlich": Danzer habe sich nie verkauft und sei ein "sehr einfacher Mensch" geblieben. "Der einzige Luxus aus seiner Zeit, wo er in Deutschland vor vollen Hallen gespielt hat, war die Rolex. Alles andere war wie beim gehobenen Durchschnittsbürger."
Georg Danzer (Bild: APA/Kpa) Musikalisches Vermächtnis im Safe
Musikalisch hinterlassen hat Danzer ein gemeinsam mit Joesi Prokopetz geschriebenes Programm für Karlheinz Hackl und zehn Lieder für die Direktorin des stadttheaters walfischgasse Anita Ammersfeld. Das und weiteres unveröffentlichtes Material Danzers liegt seit Montag im Safe von Schwarz - und wird dort auch bleiben.

"Die Versionen, die er gemacht hat, die sollen in dieser Form nicht erscheinen. Die Inhalte - Melodien und Texte seiner letzten Lieder - können aber sehr wohl weitergegeben werden", sagte Schwarz.

Auf den Markt kommen soll jedoch der letzte große Auftritt in der Wiener Stadthalle vom April. Bei Universal hat Schwarz erreicht, dass es keine "Best Of"-CD geben wird, sondern dass die Plattenfirma alle Danzer-Longplayer in ihrem Katalog wieder auflegen wird.
Lied für Ex-"Starmaniac"
Auf der Debüt-CD von Ex-"Starmaniac" Gernot Pachernigg wird im Herbst mit "Saus und Braus" ein Lied von Danzer und Fendrich erscheinen, das die beiden dem Debütanten zur Veröffentlichung überlassen hatten.
Werk soll nicht ausgeschlachtet werden
Der Blick auf andere verstorbene heimische Popgrößen und deren runde Todes- und Geburtstage lässt für den Umgang mit Danzer und seinem Werk für die Zukunft Schlechtes erwarten - lässt sich Ausschlachten und Vereinnahmung verhindern?

"Dafür bin ich da. Ich werde ihm das garantiert ersparen. Es wird sicherlich nichts geben, solange ich noch irgendwie das Reden habe, das die Arbeit und den Menschen Danzer entwürdigt. Das habe ich ihm versprochen, und daran halte ich mich", sagte Schwarz.
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