Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Joey Didulica beim Prozess im Landesgericht (Bild: APA)
Gericht
Freispruch für Didulica
Mit einem Freispruch ist am Mittwoch die Neuverhandlung gegen den Ex-Austria-Torhüter Joey Didulica zu Ende gegangen. Nach einem schweren Foul an Rapid-Stürmer Axel Lawaree 2005 war er zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
"Spartenspezifische Begleiterscheinung"
Kein Vorsatz und im Kampf um den Ball
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung gefordert, was bis zu drei Jahre Freiheitsentzug bedeuten hätte können. Richter Ernest Maurer begründete den nach kurzer Beratung erfolgten Freispruch im Wesentlichen damit, dass es sich um eine für die Kampfsportart Fußball spartenspezifische Begleiterscheinung gehandelt habe.

Wesentlich sei gewesen, dass Didulica keine Absicht nachzuweisen war, weil keine Anhaltspunkte für vorsätzliches Verhalten gefunden worden seien. Auch habe sich der Vorfall im Kampf um den Ball ereignet.
Lawaree auf Zivilrechtsweg verwiesen
Axel Lawaree wurde vom Oberlandesgericht auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Die Chancen dort werden aber als eher gering eingestuft. Zwar ist das Urteil eines Strafgerichts nicht bindend, im Allgemeinen folgt aber auch ein Zivilgericht dem Urteil.
Ex-Austrianer muss wieder vor Gericht.
Gegen Strafe von 60.000 Euro berufen
Didulica hatte am 26. Mai 2005 im Wiener Derby dem belgischen Stürmer schwere Gesichtsverletzungen zugefügt, indem er an der Strafraumgrenze mit gestrecktem Bein in dessen Richtung sprang.

In der ersten Verhandlung beteuerte Didulica, er habe ausschließlich den Ball treffen und diesen "wegkicken" wollen. Gegen die zunächst zur Hälfte unbedingt ausgesprochene Geldstrafe von 60.000 Euro legte er unverzüglich Rechtsmittel ein.
Anklage sprach von Vorsatz
Aber auch die Anklagebehörde hielt das Urteil für verfehlt. Sie gehe von einem vorsätzlichen Handeln des Keepers aus, hieß es von der Staatsanwaltschaft.
Bis zu drei Jahre Haft drohten Didulica.
Didulica: "Fußballer, kein Verbrecher"
Er werde weiter für die Wahrheit kämpfen, denn er habe niemanden verletzen wollen, hatte Didulica auf seiner Website geschrieben: "Ich bin kein Verbrecher. Ich bin ein Fußballer, der alles für sein Team, seinen Trainer und die Fans gibt. Falls das ein Verbrechen ist, ist es das einzige, dessen ich schuldig bin."

Eine Straferhöhung in der Berufungsverhandlung war nicht ausgeschlossen. Für schwere Körperverletzung sieht der Gesetzgeber bis zu drei Jahre Haft vor.
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