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MI | 11.04.2012
Staudacher (Bild: APA)
Menschen
Georg Staudacher tödlich verunglückt
Der Wiener Schauspieler und Regisseur Georg Staudacher ist am Samstag im Alter von 42 Jahren tödlich verunglückt. Das gab das Rabenhof Theater in einer Aussendung bekannt.
Georg Staudacher ist 42-jährig tödlich verunglückt.
Wollte immer Schauspieler werden
Georg Staudacher hatte seine Matura am Wiener Theresianum gemacht und absolvierte die Schauspielschule für Schauspielpädagogik am Volkstheater, wo er 1987 die Bühnenreifeprüfung ablegte. Erste Bühnenerfahrung hatte er schon als Kind in einem Märchenstück am Burgtheater gesammelt.

"Seit damals war für mich klar, dass ich Schauspieler werden will", so Staudacher im "Falter". In Graz, St. Gallen, Salzburg, Linz und Wien hatte er erste Engagements.

Am Linzer Theater Phönix spielte er 1993 in der Uraufführung von Thomas Baums "H.J." die Hauptrolle eines jungen, populistischen Politikers, der über Leichen zu gehen bereit war, und half mit seinem kraftvollen und unbedingten Einsatz, der einen grandiosen "Wahlkampf"-Auftritt in der Linzer Innenstadt miteinschloss, das Stück zum Stadtgespräch zu machen.
Franzobels "Austrian Psycho" und dessen Kinderoper "Die Nase" inszeniert.
Rabenhof als künstlerische Heimat
Doch Staudacher wechselte bald darauf ins Regiefach und hatte auch hier rasch große Erfolge. Im Schauspielhaus inszenierte er "Hera Clit" des ebenfalls früh verstorbenen Georg Timber-Trattnig. In Salzburg brachte er am Landestheater u.a. "Was heißt hier Liebe" und am Metropolis Schillers "Die Räuber" sowie Goethes "Urfaust" heraus.

Am Rabenhof führte er bei der Uraufführung von Wolfgang Bauers "Cafe Tamagotchi" Regie und erhielt dafür 2001 den Nestroy-Theaterpreis für den besten männlichen Nachwuchs. Am Rabenhof inszenierte er auch Franzobels "Austrian Psycho" und dessen Kinderoper "Die Nase". Dadurch wurde das Rabenhof Theater auch zur künstlerischen Heimat Staudachers.

Im Kurtheater Bad Hall brachte er die Musicals "Jesus Christ Superstar" und "Cabaret" auf die Bühne. Seine Regiekarriere führte Staudacher, der sich auch als Bühnenautor betätigte, an das Zürcher Theater am Neumarkt ebenso wie an das Staatstheater Stuttgart oder an das Wiener Theater Drachengasse.
Risiko im Job als Selbstverständlichkeit.
Keine halben Sachen
Ausgerechnet seine Inszenierung von Gert Jonkes Aristophanes-Bearbeitung "Die Vögel" geriet Staudacher jedoch zur Bruchlandung, der seinen steilen Höhenflug zumindest in Wien vorübergehend bremste. Dennoch galt der 1965 geborene Wiener als eines der größten Theatertalente des Landes.

Halbe Sachen hasste Staudacher. Ganzer Einsatz, volle Kraft voraus, war seine Devise. "Wenn man in unserem Beruf kein Risiko eingehen kann, wo sonst?", hat er 2002 im "Falter" gesagt.
Theater als sinnliches Fest
Georg Staudacher sei jemand gewesen, "der durch seine künstlerischen Impulse dazu beigetragen hat, die Grenzen des herkömmlichen Theaterbetriebes auszuloten und zu sprengen", hieß es in einer Aussendung des Rabenhof Theaters, ein "Theaterbesessener, der Theater immer als sinnliches Fest begriffen hat."

"Fassungslos und ohnmächtig bleiben jene zurück, die mit ihm einen gemeinsamen Weg gegangen sind", so das Theater zum Tod des Schauspieler und Regisseurs.
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