Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Heinz Fischer mit Leon Zelman. (Bild: APA)
Reaktionen
Trauer um Leon Zelman
Trauer herrscht nach dem Tod von Leon Zelman. Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete ihn als "Ausnahmeerscheinung". Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sprach von "menschlicher Größe im Zeichen der Versöhnung".
Leid in Aktivität, Liebe und Tatendrang umgewandelt.
Fischer: Tiefe und schmerzliche Lücke
"Die Rolle von Leon Zelman bei der Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit in den Jahren zwischen 1938 und 1945, aber auch bei der Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte kann gar nicht hoch genug
eingeschätzt werden. Seine Begeisterungsfähigkeit und sein Tatendrang waren sprichwörtlich", so Fischer in einer Aussendung.

Fischer: "Leon Zelman hat das Leid, das er als Jude und als KZ-Häftling erleben musste, in Aktivität, Liebe und Tatendrang umgewandelt. Er war ein temperamentvoller Mensch, mit dem man auch prächtig diskutieren und streiten konnte, aber man musste ihn einfach gern haben."

Sein Tod sei Anlass für aufrichtige Trauer und hinterlässt eine tiefe und schmerzliche Lücke, sagte der Bundespräsident.
"Brücken der Verständigung" gebaut
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) bezeichnete Zelman als "moralische Instanz in unserem Land". Er habe sich unablässig darum bemüht, Brücken der Verständigung zu bauen.

"Der Tod von Leon Zelman macht mich auch persönlich sehr betroffen. Ich habe ihn als weltgewandten, offenherzigen, begeisterungsfähigen und optimistischen Menschen kennen gelernt, der seine Standpunkte in einer unverwechselbaren Art vertreten hat. Ich kann sagen, dass ich mit ihm auch einen guten Freund verloren habe", so Gusenbauer.
"Werden ihn sicher nicht vergessen."
Häupl: Für eine bessere Welt
"Mit Leon Zelman verlieren wir einen Menschen, dessen Leben, dessen Wirken und dessen Herz so voll, so traurig und so großartig war, wie es kein Roman fassen kann. Leon Zelman hat nicht die Distanz, sondern die Versöhnung gesucht", so Häupl in einer Aussendung.

Zelman habe nicht die Abrechnung, sondern das Miteinander und die Zukunft zum Leit- und Lebensbild erhoben, so Häupl weiter: "Für diese menschliche Größe und seinen stetigen Einsatz danke ich in aller Demut einem Freund, den wir in Wien sicher nicht vergessen werden."

Häupl weiter: "Seine mahnende Tätigkeit hat uns geholfen, aus dieser Welt eine bessere zu machen. Ich werde ihn, seine Hartnäckigkeit, seine Freundlichkeit, seine Schrullen und seine Liebenswürdigkeit vermissen", sagte Häupl.
Für Molterer ein "Aufrüttler und Brückenbauer".
Molterer: Wird stets Vorbild sein
Tief betroffen zeigte sich auch Vizekanzler Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) über den Tod von Zelman: "Das verständnisvolle und von gegenseitigem Respekt getragene Miteinander der Menschen verschiedener Herkünfte und Religionsbekenntnisse war mit dem Namen Zelman stets untrennbar verbunden", so Molterer.

Trotz seiner bitteren Lebenserfahrungen habe Zelman Wien zu seiner neuen Heimat gemacht. "Zelman war ein Aufrüttler und Brückenbauer,
der aus tiefster Überzeugung die Notwendigkeit des Miteinanders sein Leben lang vertrat. Er hatte die Größe zur Versöhnung und zum
Verzeihen. Damit wird er uns allen stets Vorbild sein", betonte Molterer.
Lücke wird nur schwer zu schließen sein.
Grüne tief betroffen
"Mit Leon Zelman ist ein wahrhaft großer Österreicher von uns gegangen", zeigte sich Grünen-Chef Alexander Van der Bellen tief betroffen. Er sei ein Brückenbauer gewesen, dem es darum ging, Vorurteile abzubauen und das Verständnis zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern. Die Lücke, die Zelman hinterlasse, werde schwer zu schließen sein, so Van der Bellen.
"Vaterfigur" verloren
Mit Bestürzung reagierte auch die Israelitische Kultusgemeinde auf den Tod von Leon Zelman: "Österreich und die jüdische Welt verlieren mit ihm einen großartigen Menschen von hoher moralischer Integrität, geprägt von der Katastrophe der Shoah. Trotz seiner bitteren Traurigkeit suchte er keine Vergeltung, sondern Versöhnung und wollte besonders der Jugend helfen, den Weg in eine neue Welt der Toleranz und des gegenseitigen Verstehens zu finden."

"Wir verlieren in ihm, dessen Familie ermordet wurde, eine Vaterfigur für die nachkommende Generation, war er doch einer der Gründer der
Vereinigung Jüdischer Hochschüler, die nach dem Krieg verwaisten Jugendlichen zur Ersatzfamilie wurde, und einen großen Sohn für uns alle", hieß es.
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