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MI | 11.04.2012
Kurt Steyrer (Bild: APA)
Menschen
Kurt Steyrer mit 87 Jahren gestorben
Der frühere Gesundheitsminister und erfolglose SPÖ-Präsidentschaftskandidat Kurt Steyrer ist Montag Abend 87-jährig in der Rudolfstiftung gestorben. Er unterlag bei der Präsidentschaftswahl 1986 Kurt Waldheim.
Kurt Steyrer ist mit 87 Jahren in der Rudolfstiftung verstorben.
Zur Kandidatur überredet
Kurt Steyrer wurde am 3. Juni 1920 in Linz geboren. Nach seinem Medizinstudium trat er 1946 der SPÖ und der Sozialistischen Ärztevereinigung bei, deren Obmann er 1961 bis 1968 war. 1975 wurde er als Wiener SPÖ-Abgeordneter in den Nationalrat gewählt. Im Jänner 1981 holte ihn der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky als Umwelt- und Gesundheitsminister in sein Kabinett.

1986 war er vom damaligen SPÖ-Vorsitzenden Fred Sinowatz zur Kandidatur für das Präsidentenamt gedrängt worden - und verlor gegen Kurt Waldheim in der Stichwahl am 8. Juni mit 46,1 gegen 53,9 Prozent.

Danach zog er sich kurzfristig ins Privatleben zurück, feierte dann ein "Comeback" als Pensionistensprecher im Wiener Landtag. Im Dezember 1988 trat Steyrer endgültig in den politischen Ruhestand.
Steyrer (Bild: APA)
Steyrer sah Niederlage auch als "Denkzettelwahl" an die SPÖ.
"Konnte Wahl nicht gewinnen"
In einem ORF-Interview hatte Steyrer seinerzeit betont, 1984 auf das Angebot des damaligen SPÖ-Vorsitzenden Sinowatz eigentlich "sehr ablehnend reagiert" zu haben. "Lieber Fredl, lass mich in Ruh'", habe er damals gemeint. Er habe eine "gewisse Aversion" gegen diese Aufgabe gehabt und sei sich "aus verschiedenen Gründen" bald klar geworden, dass er die Wahl nicht gewinnen könne. Er habe sich dennoch voll eingesetzt.

Seine Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf sah er einerseits in der damaligen Kampagne gegen Waldheim begründet, die zu einer "Solidarisierung der Kriegsgeneration" und auch zu einer stärkeren Medienpräsenz Waldheims geführt habe, andererseits darin, dass es sich - etwa angesichts der damaligen schweren Krise in der Verstaatlichten Industrie - um eine "Denkzettelwahl" für die SPÖ gehandelt habe.
Umweltschutz als "Lebensfrage"
Als Umweltminister - 1981 bis 1985 - sah er bei den großen Parteien einen Gesinnungswandel in Richtung "grüner Ideen". Umweltschutz sah Steyrer immer als "Lebensfrage". Seinen wegen des Präsidentschaftswahlkampfes im Dezember 1985 vollzogenen freiwilligen Rücktritt als Gesundheits- und Umweltminister bezeichnete Steyrer später als "entscheidenden Fehler".

Auch die später erfolgte Trennung von Gesundheits- und Umweltkompetenzen hatte er nicht für richtig gehalten.
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