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MI | 11.04.2012
Parlament (Bild: APA)
Parlament
Bombenattrappe: Polizei sucht Zeugen
Von jenem Täter, der Samstagfrüh eine Bombenattrappe auf den Stufen der Parlamentsrampe hinterlassen hat, fehlt jede Spur. Selbst die Überwachungskameras brachten keine Hinweise. Die Polizei hofft nun auf Zeugen.
Suche nach DNA-Spuren und möglichen Zeugen.
"Optisch gut gemacht"
Samstag um 6.45 Uhr war die Rohrbombe ohne Sprengstoff auf den Stufen vor dem Parlament gefunden worden. Wie der diensthabende Journalbeamte des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) der APA am Samstagabend auf Anfrage mitteilte, handelte es sich um eine Attrappe, die optisch gut gemacht gewesen sei.

Derzeit wird untersucht, ob die Elektronik funktioniert hätte. Was technisch dahinterstecke, müssten nun die Experten feststellen. Fest stehe, dass es keinen Sprengstoff gegeben habe und daher keinerlei Gefahr bestanden habe.

Dass die Attrappe sonst voll funktionsfähig gewesen wäre, wie es zuvor geheißen hatte, konnte der Beamte nicht bestätigen. Unter die Lupe nahmen die Ermittler vor allem ein elektronisches Bauteil, das möglicherweise zur Zündung verwendet hätte werden können

Bei der Fahndung könnten auch DNA-Spuren auf der Attrappe weiterhelfen. Dringend gesucht wird nach Zeugen, die das Ablegen der Bombenattrappe beobachtet haben.
Mit Kabeln und Drähten umwickelt
Bei der Attrappe handelt es sich um zwei etwa 20 Zentimeter große Rohre in U-Form, die mit Kabeln und Drähten umwickelt waren. Daran angebracht waren zwei Batterieblöcke.

Hinter der Vorrichtung, in der zwar kein Sprengstoff war, die aber laut Ermittlern durchaus zur Bombe umfunktioniert hätte werden können, wurde das zweiseitige Bekennerschreiben auf A4-Zetteln gefunden.
Protestschreiben.
"Wollen niemandem Schaden zufügen"
In dem beigelegten Schreiben werde allgemein in einer Art Rundumschlag gegen "untragbare Missstände" in der österreichischen Politik protestiert, erklärte der Journalbeamte weiter. Rückschlüsse auf eine politische Gruppierung gibt es nicht.

Die Täter wollten offenbar keinen Schaden anrichten, sondern Aufmerksamkeit erregen, was sich auch an der Überschrift des Schreibens ablesen lasse, wo es unter anderem heiße: "Wir wollen niemandem Schaden zufügen."
"Wollte zeigen, was er könnte"
Eine aufmerksame Parlamentsangestellte hatte in der Früh das verdächtige Paket bei den Stufen zum Haupteingang entdeckt, wie auch die "Kronen Zeitung" in ihrer Sonntag-Ausgabe berichtet.

Experten des Entschärfungsdienstes gaben nach einer kurzen Untersuchung Entwarnung. Die Polizei dazu: "Es sah so aus, als ob der Erbauer zeigen wollte, dass er könnte, wenn er wollte."
Schreiben enthält Kritik an Politik
In dem Bekennerschreiben protestierte der Unbekannte "gegen die untragbaren Missstände in der österreichischen Politik". Besonders kritisiert wurde die Politik in den Bereichen Gerechtigkeit, Moral, Zukunftssicherung, Klima- und Umweltschutz sowie Erziehungsfragen.

"Der Brief ist in einem guten Stil und fehlerfreiem Deutsch verfasst", gab ein Ermittler gegenüber der "Krone" an. Das Schreiben weise auf einen höheren Bildungsgrad hin, hieß es.
Mehr Kontrollen rund um das Parlament
Seit dem Fund der Bombenattrappe gebe es zusätzliche Kontrollen rund um das Parlamentsgebäude, erklärte der Pressesprecher des Parlaments, Gottfried Marckhgott. Am Montag soll über Konsequenzen aus dem Vorfall beraten werden. "Vielleicht müssen wir das Sicherheitsnetz noch dichter machen", so der Parlamentssprecher.
Exekutive bittet um Hinweise
Hinweise an das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung unter der Telefonnummer 31310 DW 74033 oder DW 74035.
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