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MI | 11.04.2012
WU-Brandstifter im Landesgericht (Bild: APA)
Gericht
Sechs Jahre Haft für WU-Brandstifter
Zu sechs Jahren Haft ist heute jener 48-jährige Wiener verurteilt worden, der vor eineinhalb Jahren die Bibliothek der Wirtschaftsuniversität (WU) in Brand gesetzt hatte. Das Urteil - nicht rechtskräftig - bezeichnete er als "Farce".
WU Wien (Bild: WU)
Berufung eingelegt, Urteil nicht rechtskräftig.
"Urteil ist eine Farce"
Im vergangenen April war der Prozess vertagt worden, am Mittwoch wurde zum vierten Mal verhandelt. Der Mann wurde wegen Brandstiftung zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der 48-Jährige hatte bis zuletzt beteuert, mit dem inkriminierten Sachverhalt nichts zu tun zu haben. Er habe sich zur fraglichen Zeit in einem Billard-Lokal in der Lugner City aufgehalten und die WU zuletzt drei Tage vor dem Brand betreten.

"Dieses Urteil ist eine Farce", kommentierte er die Entscheidung des Schöffensenats (Vorsitz: Eva Brachtl). Verteidigerin Christine Wolf erbat Bedenkzeit, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.
Zerstörte WU-Bibliothek. (Bild: APA)
Bis zu 20 Millionen Euro Schaden
Obwohl die Feuerwehr rasch zur Stelle war, war der Sachschaden enorm: Deckenelemente stürzten ein, zwei PC-Räume mit 35 Computern, der Freizeitraum und ein Teil der Spinde vor der Biologie-Bibliothek wurden ebenso zerstört wie die Hälfte der 40.000 gelagerten Bücher. Die übrigen Bände mussten mittels Spezialreinigung vom Ruß befreit werden.

Die Sanierungsmaßnahmen machten sogar eine vorübergehende Schließung des WU-Gebäudes erforderlich. Die betroffene Versicherung bezifferte den Schaden mit bis zu 20 Millionen Euro.
Zwischenzeitlich war der Mann wieder auf freiem Fuß gewesen.
DNA-Spuren entlarvten Täter
Die Suche nach dem Täter gestaltete sich damals schwierig. Der beschäftigungslose 48-Jährige geriet erstmals Anfang 2006 ins Visier der Kriminalisten. Er saß im März des Vorjahrs eine Zeit lang in U-Haft, wurde dann jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt: Die Verdachtsmomente ließen sich vorerst nicht konkretisieren.

Am 30. November klickten neuerlich die Handschellen, nachdem durch ein DNA-Gutachten feststand, dass sich auf Resten von am Tatort sichergestellten Plastiksackerln seine genetischen Fingerabdrücke fanden.

Auch in einem in unmittelbarer Nähe eines Brandherds aufgestellten Mistkübel wurde eine Tragetasche mit seinen Spuren gefunden. Auf einer Visitkarte, die die Tatortgruppe der Polizei zwischen Teilen eines Plastikkanisters aufstöberte, fanden sich ebenfalls seine biologischen Spuren.
ÖH informiert Studenten über Brand an der WU. (Bild APA) Hoher Schaden beeinflusste Urteil
"Sie haben den Brand verschuldet", zeigte sich die Richterin am Ende des Verfahrens von den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten unbeeindruckt.

Sie verwies auf das DNA-Gutachten, die Ausführungen das Brandsachverständigen und weitere Beweismittel, die zur Verurteilung geführt hätten: "Das Gericht konnte Ihnen keinen Glauben schenken." Bei der Strafbemessung fiel der "sehr hohe Schaden" besonders erschwerend ins Gewicht.
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