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MI | 11.04.2012
Ebenbauer (Bild: APA)
Ex-Uni-Wien-Rektor
Alfred Ebenbauer gestorben
Der ehemalige Rektor der Universität Wien, Alfred Ebenbauer, ist am Samstag mit 61 Jahren unerwartet gestorben. Der Germanist stand von 1991 bis 1998 an der Spitze der Uni Wien.
Ebenbauer ist überraschend gestorben.
Seit 1981 ordentlicher Professor
Als erstes von fünf Kindern eines Agrarbeamten am 13. Oktober 1945 in der Obersteiermark geboren, absolvierte Ebenbauer sowohl die Schule in Judenburg als auch das Studium der Germanistik und Geschichte an der Uni Wien mit Auszeichnung. Sein Erfolgsrezept dafür: "Produktivität im Chaos".

1970 wurde Ebenbauer Assistent am Institut für Germanistik der Universität Wien. Nach verschiedenen Lehraufträgen in Deutschland
wurde der Altgermanist 1981 zum ordentlichen Professor an die Uni Wien berufen.
Wegbereiter für UOG
1991 wurde der Vater zweier Sohnes zum Rektor der Universität Wien und gleichzeitig für zwei Jahre zum Chef der Rektorenkonferenz gewählt. Seine Vorliebe für universitäre Traditionen bewies er gleich mit seiner ersten Amtshandlung - der Wiedereinführung der Inauguration (Amtseinführung von Universitätsrektoren), die nach den Studentenprotesten im Jahr 1968 an der Uni Wien abgeschafft worden war.

Er galt zudem als einer der Wegbereiter des
Universitätsorganisationsgesetzes (UOG) 1993
Skandal aufgedeckt
Für Aufsehen sorgte Ebenbauer, als er während seiner Amtszeit eine Untersuchung über einen anatomischen Atlas des 1955 verstorbenen österreichischen Mediziners Eduard Pernkopf in Auftrag gab. Im Zuge der Recherchen stellte sich heraus, dass von 1938 bis 1945 an der Anatomie der Universität Wien mit Leichen von Hingerichteten gearbeitet wurde, darunter Widerstandskämpfer und Juden.

Auch in den Sammlungen fanden sich Präparate zweifelhafter Herkunft. Ebenbauer entschuldigte sich als Rektor stellvertretend für die Universität bei den Opfern.
Kämpfer auch für Uni-Campus im Alten AKH.
Gegen Kürzungen protestiert
Als Rektor engagierte sich Ebenbauer zudem für die Errichtung des Uni-Campus im Alten AKH. Während und auch nach seiner Amtszeit protestierte er mit Vorlesungen gemeinsam mit Studenten gegen Kürzungen im Wissenschaftsbereich.

Von den hochschulpolitischen Grabenkämpfen ermüdet, begründete Ebenbauer seinen Rückzug von der Uni-Spitze 1998 unter anderm mit seiner
"Sehnsucht nach der wissenschaftlichen Ruhe seines Faches", der "Älteren deutschen und nordischen Sprache und Literatur".

2005 wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.
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