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MI | 11.04.2012
Leon Askin wäre heuer 100. Jahre alt geworden. (Bild: APA)
Kultur
Leon Askin Büste in Währing enthüllt
In kaum einer anderen Stadt gab es so viele Publikumslieblinge jüdischer Herkunft wie in Wien. Heuer wäre einer dieser großen Wiener Künstler, Leon Askin, 100 Jahre alt geworden. Zu seinen Ehren wurde nun eine Büste enthüllt.
Bronzebüste von Leon Askin in Währing enthüllt.
Jüdische Künstler prägten das Gesicht Wiens
Leon Askin, Karl Farkas, Fritz Grünbaum, Hermann Leopoldi oder Hugo Wiener, sie alle prägten mit ihren unvergleichlich amüsanten, spitzfindigen und skurrilen Schlagern und Couplets das kulturelle Gesicht Wiens. Vom Theater bis zum Kabarett, vom Schlager bis zur Literatur und Operette - überall haben diese jüdischen Künstler ihre Fußspuren hinterlassen.

Heuer wäre einer dieser großen Wiener, Leon Askin, 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde Freitagnachmittag im Türkenschanzpark in Währing eine Büste des 2005 verstorbenen Hollywoodstars enthüllt.

Unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters hat Schauspieler Albert Fortell
die Bronzebüste, ein Werk des österreichischen Bildhauers Hubert Wilfan, enthüllt. Im Anschluss an die Enthüllung las Albert Fortell aus der Autobiografie "Leon Askin - Der Mann mit den 99 Gesichtern".
"Leon-Askin-Platz" in Penzing
Schon im März war bekanntgeworden, dass Wien einen "Leon-Askin- Platz" bei der Endstelle der Straßenbahnlinie 52 in Penzing erhalten wird. Der 1940 in die USA emigrierte Askin arbeitete dort als Regisseur und Theaterleiter und wirkte in über fünfzig Filmen mit.
"Das Spannungsfeld von Politik und Kunst bestimmte unser häusliches Leben."
Geprägt von Judentum und Sozialismus
"Ich bin ein geborener Wiener und am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, geboren. Mein Vater war ein überzeugter Sozialist, die Interessen meiner Mutter lagen eher im künstlerischen Bereich. Dieses Spannungsfeld von Politik und Kunst bestimmte unser häusliches Leben", sagte Askin einmal rückblickend über sein eigenes Leben.

Seine Kindheit und Jugendjahre waren geprägt von den politischen Änderungen des Übergangs von der Monarchie zur Republik. Aber auch "von der Hinwendung des Vaters zum orthodoxen Judentum, von den ersten Erfahrungen mit Antisemitismus und immer wieder vom Theater."
Leon Askin. (Bild: dpa)
Leon Askin war so wie Karl Farkas Verfolgter der Nazis.
Zeit der Verfolgung
Im September 1939 kam Leon Askin in das französische Internierungslager Meslay du Maine. "Man wollte uns nicht vernichten, aber man demütigte und demoralisierte uns", sagte Askin einmal über diese Zeit. Was ihn damals schmerzte war, dass "die Exilländer nicht unterscheiden wollten zwischen den Nazi-Aggressoren und denjenigen, die von diesen aus der Heimat vertrieben worden waren."

"An Samstagabenden organisierte ich gemeinsam mit Karl Farkas Lieder- und Kabarettabende. Ich sang dabei auch Jura Soyfers 'Voll Hunger und voll Brot' ", erinnerte sich Askin an die Zeit in Frankreich.

"Für uns alle waren das Momente, wo wir unseren fremdbestimmten Alltag vergessen konnten, wo wir uns wieder in jene früheren Lebewesen verwandeln konnten, die wir einmal gewesen waren; bevor wir aus der Heimat vertrieben und im Emigrationsland zu Häftlingen degradiert worden waren", erzählte er weiter.
Bis 1994 in den USA. Dann Rückkehr nach Wien.
Vom Luftwaffendienst zum Hollywoodstar
Am 29. Februar 1940 traf Leon Askin in New York ein. Dort leitete Leon Askin zunächst ein Theater, bevor er 1942 zur amerikanischen Luftwaffe eingezogen wurde. Noch während seines Militärdienstes verlieh man ihm die US-Staatsbürgerschaft. Bei seiner Einbürgerung änderte der gebürtige Leo Aschkenasy seinen Namen in Leon Askin.

Im Februar 1945 wurde Askin für sieben Monate nach England versetzt und kehrte nach Kriegsende in die USA zurück. Im Februar 1952 kam Leon Askin erstmals zu Filmaufnahmen nach Hollywood. Askin blieb bis 1993 Hollywood-Schauspiele.

1994 kehrte Leon Askin in seine Geburtsstadt Wien zurück. Schon nach seiner ersten Wien- und Österreich-Reise im Jahre 1955, kam er immer wieder aus beruflichen Gründen nach Wien. "Ich hatte aber nie die Absicht gehabt, mich endgültig in Wien niederzulassen", sagte er einmal.
Leon Askin wäre am 18. September 100 Jahre alt geworden.
"Ich habe mir meinen Erfolg eraltert."
Askin rückblickend auf sein Leben: "Ich bin keine Legende, sondern nur ein Mensch, der ein erfolgreiches Leben geführt hat, meist gezwungenermaßen, ein erfolgreiches Leben im hohen Alter, vorher ein mittelmäßig erfolgreiches Leben. Ich habe mir meinen Erfolg erkämpft, eraltert." Leon Askin verstarb am 3.Juni 2005 in Wien.
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