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MI | 11.04.2012
Zawinul (Bild: APA)
Kultur
Trauer um Joe Zawinul: "Er lebt weiter"
In zahlreichen Reaktionen aus Politik und Kultur kommt die große Trauer um den Tod des Jazz-Stars Joe Zawinul zum Ausdruck. Nicht nur einmal wurde darauf hingewiesen, dass Zawinul in seinen Werken weiterlebt.
"2007 in Ewigkeitszeit geboren"
Berührende Worte des Abschieds fand der Sohn Zawinuls, Erich: "Joe Zawinul wurde am 7. Juli 1932 in Erdzeit und am 11. September 2007 in Ewigkeitszeit geboren. Er lebt weiter."
Wiens Bürgermeister Michael Häupl (Bild: APA)
Wiens Bürgermeister Michael Häupl.
"Musik erreichte Herzen der Menschen"
Mit Zawinuls Tod verliere nicht nur seine Heimatstadt Wien, sondern die gesamte Welt eine außerordentliche Persönlichkeit und einen großartigen Künstler, der über Jahrzehnte die internationale Musikszene wie kaum ein anderer geprägt habe, sagte Wiens Bürgermeister Häupl (SPÖ).

"Seine Sprache war stets die der Musik, mit der er alle Grenzen überwunden und die Herzen der Menschen erreicht" habe.

Das Birdland in Wien habe von Zawinul gelebt, sagte Häupl. "Künstlerisch, musikalisch, intellektuell. Das war wirklich sein Kind. Es wird für uns ohne ihn sehr schwer sein, das fortzusetzen." Man werde sich sehr bemühen, das Birdland in Zawinuls Geist und seiner Vorstellungswelt fortzführen.
Ehrengrab der Stadt Wien
Zawinul wird ein Ehrengrab in Wien bekommen. Das kündigte Häupl bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz an.

Auch werde man versuchen, Zawinuls Jazz-Club "Birdland" in dessen Geist fortzuführen. "Was ich zusagen kann, ist, dass wir uns sehr, sehr bemühen werden", so Häupl. Der Club habe aber sehr von der Person Zawinuls gelebt und sei dessen Kind gewesen: "Ohne Joe wird es nicht leicht."
Heinz Fischer (Bild: D. Mathis)
Bundespräsident Heinz Fischer.
"Weltmusiker im wahrsten Sinn des Wortes"
"Für jeden, der sich mit Jazz beschäftigt hat, war Joe Zawinul seit Jahrzehnten ein Begriff. Er hat mit den größten Interpreten des Jazz zusammengespielt und ist als echter Wiener mit seinen Kompositionen und mit seiner unverwechselbaren Art des Improvisierens ein Weltmusiker im wahrsten Sinn des Wortes gewesen", sagte Bundespräsident Heinz Fischer.

"Mit meinem Amtsvorgänger Bundespräsident Thomas Klestil war er seit Jugendtagen eng verbunden. Joe Zawinul wird uns allen als Mensch und durch seine Musik unvergesslich bleiben."
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.
"Tor zur Musikwelt geöffnet"
"Joe Zawinul hat für Österreich das Tor zu einer Musikwelt geöffnet, die für die meisten seiner Generation noch mit vielen gesellschafts- und kulturpolitischen Vorurteilen belegt war", so Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ).

Seine unprätentiöse Art, mit seinen Zuhörern umzugehen, habe ihn als Künstler und Menschen ausgezeichnet. Zawinul sei unbeeindruckt vom Establishment geblieben und habe sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lassen.
Vizekanzler Wilhelm Molterer.
"Doppelter Verlust für Österreich"
"Für Österreich ist das ein doppelter Verlust. Unser Land verliert einen Botschafter des Landes und der Musik", so Vizekanzler Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP).

"Sein Herz gehörte Wien, seine Seele dem Jazz. Er war eine Ausnahme als Mensch und als Musiker. Die vielen unvergesslichen Erlebnisse mit Zawinul am Keyboard leben weiter."
Kulturministerin Claudia Schmied.
"Nachhaltige Spuren in Österreich"
"Nicht nur Österreich, sondern die ganze Welt hat mit dem Tod von Joe Zawinul einen der führenden Jazz-Musiker verloren. Er vermochte es, die kulturellen Unterschiede zu überbrücken", so Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ).

"Seine Spuren in Österreich waren und sind nachhaltig bei der Etablierung einer modernen Musikszene. Diese wird auch nach seinem Tod in seinem Sinne nachwirken. Zawinul hat sich in unsere Herzen gespielt und dort wird er immer bleiben."
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.
"Bedeutendster Europäer in Jazz-Geschichte"
"Die Welt verliert den bedeutendsten Europäer in der Geschichte des Jazz", so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). "Der Weltmusiker mit Wiener Wurzeln war eine Ausnahmeerscheinung - künstlerisch wie menschlich. Er schaffte den steilen Weg von Erdberg auf den Olymp des Jazz und blieb dabei seiner Heimatstadt eng verbunden."

"Joe Zawinul wird weiterleben - durch seine Musik und durch die Menschen, die er durch sie prägte. Wien ist dankbar, dass der große Sohn und Musiker seine Geburtstadt ausgewählt hat, um hier mit dem Jazz-Club 'Birdland' weiterzuwirken."
ÖVP-Kultursprecher Franz Morak.
"Einer der größten Performer"
“Joe Zawinul war einer, der aus der lokalen Szene auszog, um zu spielen - und dabei die Welt eroberte", so ÖVP-Kultursprecher Franz Morak.

"Zawinul spielte mit den größten und wichtigsten Musikern dieser Welt – einfach darum, weil er einer von ihnen war. Die Kulturwelt trauert um einen der größten Performer und Komponisten."
Stv.
grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig.
"Einer der größten Musikbotschafter"
"Joe Zawinul war einer der größten Musikbotschafter Österreichs. Er hat der Welt ein anderes Musikantlitz unseres Landes gezeigt, fernab der gängigen Klischees", so die stv. Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig.

"Zawinul hat mit den Legenden seines Genres gespielt und wurde am Ende selbst zu einer. Sein Einfluss auf den Jazz kann nicht hoch genug eingeschätzt werden."
BZÖ-Kultursprecher Veit Schalle.
"Beleg für die Kulturnation"
"Mit Joe Zawinul verlieren Österreichs Jazz-Liebhaber nicht nur einen hervorragenden Musiker. Zawinul und sein Schaffen sind einer der vielen herausragenden Belege dafür, dass unsere österreichische Kulturnation nach wie vor von großen Söhnen und Töchtern geprägt ist", so BZÖ-Kultursprecher Veit Schalle.

"Mit Joe Zawinul verliert der Jazz einen seiner bestimmendsten Entwicklungsimpulse, der ihn jahrzehntelang tief geprägt hat."
Gedenkabend im "Birdland"
Der Jazzclub "Joe Zawinul's Birdland" ändert auf Grund des Todes des österreichischen Jazz-Stars sein Programm für Mittwoch, den 12. September:
"Richard Österreicher wird uns mit seiner Big-Band einen Abend in Gedenken an unseren Joe Zawinul präsentieren, und neben unzähligen Big-Band-Klassikern, speziell auf Werke unseres großen Meisters zurückgreifen", heißt es in einer Aussendung des Birdland-Teams. "In diesem Rahmen dürfen wir Gäste präsentieren, die der Jazz-Legende Joe Zawinul durch ihr Mitwirken die Ehre erweisen."
Otto Lechner in der Radiostraßenbahn (Bild: ORF / BeLicht)
Akkordeon-Legende Otto Lechner.
"Tiefer Respekt vor seinem Können"
Musikalische Begegnungen mit Zawinul waren geprägt von tiefem Respekt vor seinem Können - und von Freundschaft "zumindest in der Musik", beschrieb Akkordeon-Legende Otto Lechner seine Beziehung zu Zawinul.

Für ihn sei es ein großer Schritt gewesen, mit Zawinul "zusammenzusitzen, was auszuprobieren und ein Gläschen zu trinken". Er habe jedoch vor allem Respekt gehabt "vor dem alten Herrn, der immer 'Burli' oder 'mei Bua' zu mir gesagt hat", so Lechner.
Jazz-Musiker Hans Salomon.
"Er war der Größte"
"Er hat nix durchgehen lassen", erinnerte sich der Jazz-Musiker Hans Salomon an seinen langjährigen Freund. "Er wollte immer, dass alles perfekt ist, darunter haben viele Musiker ziemlich gelitten - aber so gut, wie er war, haben sie ihn alle respektiert."

"Jedes Jahr zu Weihnachten und zum Geburtstag hat er angerufen, auch als ich vor zwei Jahren einen Herzinfarkt gehabt hab, war er mit seinem 'Heast, wie geht's da?' auch gleich am Telefon." Salomon attestierte Zawinul eine "Muhammad-Ali-Mentalität": "Er hatte die Einstellung: Ich bin der Größte. Und der war er auch."
Marianne Mendt. (Bild:APA)
Sängerin Marianne Mendt.
"Er ist überall präsent"
"Es ist unfassbar, dass es ihn nicht mehr gibt", so Marianne Mendt, die immer wieder musikalisch mit Zawinul gearbeitet hat. So war
Zawinul mit seinem Syndicate im vergangenen Jahr beim Marianne-Mendt-Jazzfestival in St. Pölten zu Gast. "Ich bin sehr froh, dass ich ihn dabei hatte", erinnert sich Mendt, die vor allem dessen natürlichen und geraden Umgang mit Kollegen lobte.

Für die österreichische Jazz-Sängerin steht jedenfalls fest: "Er lebt weiter in unseren Herzen, in seinen Aufnahmen und seinen Noten. Er ist überall präsent."
Vienna-Art-Orchester-Bandleader Mathias Rüegg.
"Nicht nur Weltstar, sondern Weltmusiker"
"Joe Zawinul war eigentlich der einzige europäische Musiker, der über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren amerikanische Jazz-Geschichte geschrieben hat", würdigte der Bandleader des Vienna Art Orchester, Mathias Rüegg, seinen Kollegen.

"Zawinul ist in eine schwarz geprägte Welt eingetaucht und wurde dort akzeptiert, auf Basis seiner unglaublichen Musikalität. Sein Erfolg gründete auf großem Können", betonte Rüegg. Zawinul müsse nicht nur als Weltstar, sondern vor allem als Weltmusiker betrachtet werden.
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