Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Experte untersucht Sprengsatz (Bild: ORF)
US-Botschaft
Mutmaßlicher Täter geistig verwirrt?
Der Anschlagsversuch auf die US-Botschaft in Wien von Montag könnte das Werk eines geistig Verwirrten gewesen sein. Der Staatsanwalt prüft eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.
Psychiater untersucht
Nach Untersuchungen durch den Amtsarzt hat sich gezeigt, dass der 42-jährige Bosnier nicht zurechnungsfähig ist. Sein Zustand sei so wirr, dass er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden könnte, so der Staatsanwalt.

Der Verdächtige wird noch von einem Psychiater untersucht. Davon hänge ab, ob er in Untersuchungshaft oder eine Anstalt kommt, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien.
"Wachsam sein"
US-Botschafterin: "Grenzenloser Terrorismus"
Terrorismus kenne keine Grenzen, sagte US-Botschafterin Susan McCaw: "Wir sollten uns allen wieder einmal ins Gedächtnis rufen, dass, egal wo wir leben, sogar in seiner so schönen und friedlichen Stadt wie Wien, wir doch immer wachsam sein müssen, was unsere Sicherheit angeht."
Rucksack mit Sprengsatz (Bild: APA)
Der erste Verdächtige wurde angezeigt.
Mehr Sprengstoff im Haus gefunden
Der 42-Jährige bosnischer Abstammung, der einen Rucksack mit zwei Handgranaten nahe der US-Botschaft deponiert hatte, galt bisher als unbescholten.

Nun wurde der Verheiratete, der seit einigen Jahren im niederösterreichischen Tulln lebt, bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel angezeigt. Bei einer Hausdurchsuchung fanden sich 500 Gramm Sprengstoff.
Kein islamistisch-extremistischer Hintergrund vermutet.
Verhältnis der Verdächtigen unklar
Der zweite Verdächtige wurde in Tulln festgenommen. Eine Durchsuchung des Hauses des 34-Jährigen brachte keine besonderen Ergebnisse. Der Mann bestreitet jeden Zusammenhang mit der Tat.

Für die Sprecherin des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT), Doris Edelbacher, sieht es so aus, als wolle sich der erste beim zweiten Verdächtigen "abputzen": Er behauptet, von seinem Bekannten etwas erhalten zu haben, das er abliefern sollte. Der zweite Verdächtige bestreitet das.

Einen islamistisch-extremistischen Hintergrund dürfte es laut Edelbacher nicht geben.
Auf Buch stand "Islam"
Im Kriminaltechnischen Labor werden derzeit der Rucksack und sein Inhalt eingehend analysiert. Darin hatten sich neben den Handgranaten noch eine CD oder DVD und ein Buch befunden, auf dem das Wort "Islam" stand.
Experten untersuchen Sprengsatz (Bild: APA)
Experten untersuchten den Rucksack.
Zuvor bei Botschaft angerufen
Warum der 42-jährige Verdächtige am Montagnachmittag in die US-Botschaft in der Boltzmanngasse in Wien-Alsergrund gelangen wollte, bleibt unklar. Einige Tage zuvor hatte er sich bereits telefonisch bei der Botschaft gemeldet. Schon beim Eingang schlug dann der Metalldetektor Alarm, als der Verdächtige ins Gebäude eindringen wollte.

Der Mann soll daraufhin die Flucht ergriffen haben, in der vis-a-vis gelegenen Pfluggasse ließ er seinen Nylonrucksack fallen. Das Sicherheitspersonal der Botschaft verständigte Polizei, Feuerwehr und Rettung und folgte dem Mann.

Spezialisten des Innenministeriums entdeckten im Inneren des Rucksacks zwei Handgranaten, bestätigte Edelbacher. Der Entminungsdienst schoss zweimal mit einem Wassergewehr auf den Rucksack, wobei nichts explodierte.
Rucksack enthielt Sprengsatz (Bild: APA)
Explosion hätte verheerende Folgen gehabt
"Der Rucksack war weiters mit Nägeln gefüllt. Wenn das Ganze zur Explosion gekommen wäre, hätte es eine massive Streuwirkung gehabt", so Edelbacher. Die Auswirkungen wären verheerend gewesen, hieß es.

"Die Handgranaten sind brandgefährlich, das würde schlimm aussehen", meinten auch Polizisten in der Pfluggasse. Die etwa 100 Nägel und Schrauben in dem Rucksack hätten Menschen bei einer Detonation "durchlöchert". Ob die Granaten explosionsfähig gewesen wären, steht laut Edelbacher aber nach wie vor nicht fest.
Terroralarm in Wien-Alsergrund (Bild: ORF) Gegend großräumig gesperrt
Die Gegend um die Markthalle in der Alserbachstraße blieb bis in die Abendstunden großräumig gesperrt. "Wir wurden immer wieder weggeschickt", sagte ein Bewohner der angrenzenden Bindergasse. Er habe daher auch nicht viel gesehen und nur zwei Schüsse gehört, mit denen der verdächtige Rucksack geöffnet wurde. Anschließend gab es für die Anrainer Entwarnung.
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