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MI | 11.04.2012
Tizian: Nymphe und Schäfer
Ausstellung
Tizian-Schau als teuerste Ausstellung im KHM
Einem der wichtigsten Renaissancemaler ist ab Mittwoch eine Ausstellung gewidmet: "Der späte Tizian" ist vom Versicherungswert mit 650 Mio. Euro her die bisher teuerste Ausstellung im Kunsthistorischen Museum.
Das Spätwerk Tizians ist die bisher teuerste Ausstellung im KHM.
Röntgenaufnahmen zu den Gemälden
In einem lang andauernden Forschungsprojekt hat man sich eingehend mit den letzten 25 Schaffensjahren des 1576 in Venedig an der Pest im hohen Alter von vermutlich fast 90 Jahren gestorbenen Malers Tiziano Vecellio, genannt Tizian, auseinandergesetzt.

Einerseits konnte durch eingehende naturwissenschaftliche Untersuchungen wie Röntgen- oder Infrarotaufnahmen die seine Zeitgenossen höchst irritierende neue Technik der offenen Malweise durchleuchtet werden. In dieser Maltechnik machte Tizian die Pinselstriche bewusst sichtbar und ließ die Farbe selbst Aufgaben der Kontur übernehmen.
Das Tizian-Gemaelde "Violante",
Direktor Seipel neben Tizian-Gemälde Schwierige Restaurierung
Mit zahlreichen, im Detail erläuterten Röntgen- oder Infrarotaufnahmen zu vielen Bildern gibt die Ausstellung auch Einblick in die Arbeit der Restaurierungswerkstätten.

Elke Oberthaler hat fünf Jahre am - nun wieder präsentierten - Tizian-Hauptwerk "Nymphe und Schäfer" gearbeitet und konnte dabei die für die Ausstellung angestrebten neuen Zugänge finden: Was bisher als unfertiges Werk betrachtet wurde, wurde höchst absichtsvoll genau so geschaffen - und hat durch spätere Restaurierungen stark gelitten.

Die angewandte "zurückhaltende Linie der Restaurierung, bei der nicht die ganze Geschichte des Bildes eliminiert wird" sei geradezu ein altes Markenzeichen des KHM, so Oberthaler. KHM-Direktor Wilfried Seipel dazu: "Vergleichen Sie dagegen die restaurierten Gemälde aus der National Gallery - da hat man oft den Eindruck, das Bild sei gerade erst gemalt worden."
Alte, oft gehörte Vorwürfe gegen das Alterswerk von Tizian.
Schlampiger Pinselstrich
Tizian begleiteten jedenfalls in seinen letzten Lebensjahren ständig Vorwürfe, der Maler, der Bilder mit irritierenden Flecken und sichtbaren Pinselstrichen ablieferte, habe seinen Auftraggebern unfertige Werke abgegeben, schlampig gearbeitet, sich wegen zu geringer Bezahlung keine Mühe gegeben.

Oder auch er habe infolge fortgeschrittenen Alters den Pinsel nicht mehr recht halten können. Genau diese Maltechnik sei aber wohl Absicht gewesen, meint man im KHM nun diese alten Vorwürfe zu entkräften.
Besucher in der Ausstellung vor den Gemälden
Unter den vorschnellen Urteilen von damals kommt jetzt ein Maler zum Vorschein, der mit seiner Technik nicht nur seine Zeitgenossen, sondern auch die späteren Generationen beeinflusste.
Tizian: "Tarquinius und Lucretia" (Bild: APA)
Mehrere Versionen eines Bildmotivs
Der Vergleich macht sicher
Immer wieder gibt es interessante Vergleichsmöglichkeiten: Drei Versionen von "Tarquinius und Lucretia" aus Bordeaux, Cambridge und Wien, zwei Gemälde der "Danae" (aus dem Prado und dem KHM), das "Mädchen im Pelz" aus dem KHM, flankiert von zwei Variationen aus Florenz und der Eremitage.
Von der "Venus vor dem Spiegel" gibt es als Vergleich zu Tizian das bekannte Rubens-Bild aus dem Liechtenstein Museum. Zu entdecken gibt es aber auch wunderbare Selbstbildnisse und zahlreiche Bilder zu mythologischen oder biblischen Themen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Kupferstiche aus der Albertina.
Umfangreichreiches Rahmenprogramm
Kinder- oder Mittagsführungen
Im umfangreichen Begleitprogramm finden sich kurze Mittagsführungen zu einzelnen Gemälden und Abendführungen ebenso wie spezielle Kinderführungen mit dem spannenden Titel "Sah der alte Tizian schlecht? (Un)scharfe Bilder aus Venedig!"

"Der Späte Tizian und die Sinnlichkeit der Malerei" schließt eine Ausstellungstrilogie ab, die mit "Giorgione" 2004 begonnen und mit der "Renaissance der Venezianischen Malerei" im Vorjahr weitergeführt wurde. Ab Februar 2008 wird die Schau in der Galleria dell'Accademia in Venedig zu sehen sein.
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