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MI | 11.04.2012
Erna Wallisch (Bild: APA/Florian Klenk/Falter)
Chronik
KZ-Aufseherin gestorben: Verfahren beendet
Die frühere KZ-Aufseherin Erna Wallisch ist in Wien gestorben. Gegen die 86-Jährige waren erst vor kurzem wieder neue Ermittlungen in Gang gebracht worden. Das Verfahren ist damit "von Todes wegen" beendet.
Im Krankenhaus gestorben
Innenministerium und Staatsanwaltschaft bestätigten, dass die 86-Jährige bereits am vergangenen Samstag im Krankenhaus gestorben sei.
Verfahren in den 70er Jahren brachte keine Anklage.
Neues Beweismaterial aus Polen
Die Frau soll in den beiden Konzentrationslagern Ravensbrück und Majdanek als besonders sadistische Aufseherin aufgefallen sein. Auf einer Liste des Jüdischen Dokumentationszentrums wird sie als NS-Verbrecherin geführt. Sie selbst hatte stets beteuert, die Häftlinge im KZ Majdanek nur beaufsichtigt zu haben.

In den 70er Jahren hatte es bereits ein Verfahren gegen die Frau in Österreich gegeben. Zur Anklage kam es aber nicht, weil nicht ausreichend Beweise für eine direkte Beteiligung an einer Tötungshandlung vorlagen. Alles andere wäre bereits verjährt gewesen.
Bis zuletzt in der Donaustadt gelebt
Wallisch wurde am 10. Februar 1922 als Erna Pfannstiel in Benshausen in Thüringen (Deutschland) geboren und lebte bis zu ihrem Tod in Wien-Donaustadt. Die Tochter eines Postbeamten war vom Oktober 1942 bis zum Jänner 1944 im Konzentrationslager im Lubliner Stadtteil Majdanek im Einsatz. Kurz nach dem Kriegsende siedelte sie nach Wien um, wo sie die österreichische Staatsbürgerschaft hatte. Wallisch starb am 16. Februar bei einem Krankenhausaufenthalt.
Verfahren "von Todes wegen" eingestellt
Zuletzt war aber neues Belastungsmaterial aus Polen aufgetaucht. Es sei wieder einmal ein Kampf gegen die Zeit, sagte der Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, Ende Jänner gegenüber Radio Wien. Nun hieß es bei der Staatsanwaltschaft, dass das gegen Wallisch laufende Verfahren "von Todes wegen" eingestellt wird.
Zuroff: "Jahrzehntelanges Versagen der
Regierungen".
Kritik an jahrelanger Untätigkeit
Das Simon Wiesenthal Center in Jerusalem kritisierte am Donnerstag die lange Untätigkeit der österreichischen Justiz im Fall Wallisch. Direktor Efraim Zuroff betonte, dass Wallischs Tod die strafrechtliche Verfolgung verhindert habe.

"Erna Wallisch und ihre Familie können dem jahrzehntelangen Versagen der verschiedenen österreichischen Regierungen dafür danken, dass sie letztlich niemals für ihre Rolle im Todeslager Majdanek und im Konzentrationslager Ravensbrück bestraft wurde", kritisierte Zuroff.

Dass eine Frau, die zugegeben habe, Menschen vor ihrer Vergasung bewacht zu haben, damit sie nicht entkommen konnten, niemals zur Rechenschaft gezogen wurde, sei eine Schande für Österreich und der Beweis für den jahrzehntelang mangelnden politischen Willen, Holocaust-Verbrecher vor Gericht zu bringen, so Zuroff.
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