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MI | 11.04.2012
Hrdlicka (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
MENSCHEN
Alfred Hrdlicka 81-jährig gestorben
Alfred Hrdlicka ist tot. Der Künstler starb am Samstag im Alter von 81 Jahren in Wien. Heiße Diskussionen begleiteten immer wieder die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum.
Hrdlickas Ölgemälde "Napoleon C'est Moi" (Bild: APA/HRDLICKA/SAMMLUNG WUERTH)
Seine Arbeiten zur Französischen Revolution zählen zu den wichtigsten Werken.
"Uraltstalinist" statt "Turteltaube"
Leidende und geschundene Menschen stehen im Mittelpunkt der Zyklen von Hrdlicka. "Alle Kunst kommt vom Fleisch", lautet dabei ein immer wieder zitiertes Diktum von ihm. Zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Werken Hrdlickas zählen seine Arbeiten zur Französischen Revolution, zu Pier Paolo Pasolini und zu Franz Schubert.

Hrdlicka soll zwar "Turteltaube" heißen, doch als zahm und sanft erwies sich der Künstler weder in seinen Themen und der Wahl seiner Materialien noch in seinen Polemiken, mit denen sich der streitbare Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort meldete.

Heiße Diskussionen begleiteten immer wieder die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum, vom "Renner-Denkmal" an der Wiener Ringstraße (1967) bis zum "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" auf dem Albertinaplatz (1988). Seine offenen Briefe habe er im Sinne der "Lebendigkeit" des Protests stets mit "Uraltstalinist" unterschrieben.
Holocaust-Mahnmal (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)
Hrdlicka-Büste (Bild: EPA) Von der Malerei zur Bildhauerei
Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei zu studieren, ehe er als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat.

Seiner ersten Skulpturenschau 1960 in der mittlerweile abgerissenen Zedlitzhalle folgten Ausstellungen im Künstlerhaus und in der Galerie Welz in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen. In Stuttgart, Hamburg, Berlin und Wien war er zudem als Hochschullehrer tätig.
Bedeutende Bühnenbilder
Als Bühnenbildner arbeitete Hrdlicka u. a. in Bonn ("Faust" I und II, 1982) und Stuttgart ("Intolleranza", 1992). Im Jahr 2001 stattete er Christine Mielitz' Inszenierung des "Ring des Nibelungen" in Meiningen aus.

Weiters zeichnete er für die Ausstattung der Salzburger Festspielproduktion von Zemlinskys "Der König Kandaules" verantwortlich. 2006 wurde in Bonn eine von Hrdlicka gestaltete Plastik des Komponisten Robert Schumann enthüllt.
Bühnenbild von "Der Koenig Kaundaules" (Bild: APA/Barbara Gindl)
Kreuztragung, 2004, Aquarell, Tusche auf Papier (Bild: Dommuseum/Hrdlicka)
"Wie besoffen von der Bibel".
Aufregung um Ausstellung im Dommuseum
"Religion, Fleisch und Macht", unter diesem Titel stellte Hrdlicka seine umstrittenen religiösen Werke im Frühjahr 2008 im Dommuseum aus. "Ich war wie besoffen von der Bibel", blickte er auf seine ersten religiösen Arbeiten Ende der 40er Jahre zurück. "Sie ist spannend wie ein Kriminalroman und literarisch unerreicht."

Für Aufregung sorgte allerdings ein Bild der Ausstellung. Kardinal Christoph Schönborn bedauerte, dass es Menschen in ihrem Glauben verletzte und ließ es entfernen.
Hrdlicka (Bild: dpa/A2931 Bernd Weißbrod) "Lieber Proletarier als Avantgardist"
Hrdlicka selbst litt zuletzt unter seinem "bedenklichen Zustand", wie er selbst sagte. Er könne er nicht mehr eigenhändig an Skulpturen arbeiten, er habe sich "zu Tode geschunden". Jede seiner dreidimensionalen Arbeiten habe er selbst gemacht. Das habe sich vor allem auf seine Wirbelsäule ausgewirkt.

"Ich war geprägt von der illegalen Arbeit. Was ich mache, ist eine proletarische Arbeit. Aber ich bin lieber Proletarier als Avantgardist", so Hrdlicka. "Ich frage mich: Von was ist jemand Avantgardist? Ich finde das an der Grenze."
Kannte kein Warmwasser
Als Rezept gegen seine angeschlagene Gesundheit meinte er nur eines: "Eiskalt duschen ist das Beste, was es gibt. Ich kenne gar kein Warmwasser."
Ambivalenter Blick zurück
Rückblickend auf sein Lebenswerk meinte Hrdlicka einmal, dass er nichts in dem Ausmaß verändert habe, wie er es sich gewünscht hätte. Aber "als Untergrundmensch habe ich mich sehr bewährt". Sein Werk sei immerhin thematisiert worden, so der Künstler. "Das Wichtigste ist, dass man ins Gerede kommt."
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