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MI | 11.04.2012
Kardinal Christoph Schönborn
Chronik
Schönborn versteht Schleierverbot im Prozess
Kardinal Christoph Schönborn hat Verständnis für die Entscheidung des Gerichts im Terrorprozess, die Angeklagte wegen ihres Vollschleiers von der Verhandlung auszuschließen, gezeigt.
Der Wiener Erzbischof zu aktuellen politischen Fragen.
Gegen "Fetzen"-Sager des Richters
In der ORF-"Pressestunde" verurteilte der Wiener Erzbischof jedoch die Ausdrucksweise des Richters, der von einem "Fetzen" gesprochen hatte.

Der Kardinal sprach sich weiters für den Dialog der Religionen aus. Das Christentum und der Islam seien beide "missionarische Religionen". Es stelle sich daher die Frage, wie zwei "missionarische Religionen" miteinander und mit anderen Religionen umgehen.
Gegen Bauverbote von Moscheen
In diesem Zusammenhang sprach sich Schönborn klar gegen Bauverbote für Moscheen aus. Die Religionsfreiheit garantiere nicht nur die private Religionsausübung, sondern auch die öffentliche.

Es sei nicht einzusehen, wieso Muslime - im Rahmen der Bauordnung - keine Gebetshäuser bauen sollten. "Ich sehe das Problem nicht", so Schönborn, der auch vor religiösen Traditionen wie dem Kopftuch Respekt zeigte.

Auch Vollverschleierung sei im privaten und öffentlichen Bereich zu respektieren, allerdings nicht im amtlichen.
Schüler sollen im Religionsunterricht "mehr lernen".
Mehr lernen in der Religionsstunde
Aufhorchen ließ der Wiener Erzbischof mit der Forderung nach "mehr Lernen" im Religionsunterricht. Er wünsche sich "stärkere Inhaltlichkeit" und nicht nur Lebensorientierung. Die Absolventen sollten die Kernpunkte der Religion kennen.

Neuerlich scharfe Kritik übte Schönborn am Urteil des Obersten Gerichtshofes, der einem Elternpaar für eine falsch interpretierte Pränataldiagnose den gesamten Unterhalt für ihr behindert geborenes Kind zugesprochen hatte.

Er bemängelte zudem, dass die Politik die versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenlösung noch immer nicht eingelöst habe. Der Kardinal verlangte unter anderem einen verpflichten Abstand zwischen Beratung und Abtreibung von mindestens drei Tagen und einer Erleichterung von Adoptionen.
"Lösegeldzahlungen moralisch vertretbar"
Schönborn sieht im Fall der österreichischen Geiseln Zahlungen von Lösegeld als "grundsätzlich" moralisch vertretbar. Allerdings sei die Frage, "ob es in einem großen Kontext verantwortbar ist", meinte Schönborn, "weil sie Anreize für weitere Entführungen darstellen können".

Als Beispiel nannte der Kardinal den Irak, wo Entführungen zu einem "Geschäft geworden sind". Prinzipiell gebe es für Menschenleben keinen Preis, so Schönborn, man müsse aber alles tun, um Menschenleben zu retten.
Gedenken in der Messe.
"Bete seit Tagen für Entführungsopfer"
Er bete seit Tagen für die beiden in Tunesien entführten österreichischen Touristen Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber. "Und auch für die Entführer, dass sie zur Einsicht und Menschlichkeit kommen."

Ob in dem Fall der beiden Entführungsopfer eine kurzfristige Lösung gefunden werde, könne er nicht beurteilen, sagte Schönborn: "Aber ich hoffe, dass über die Geheimdienste und diplomatischen Kanäle die Politiker mehr wissen."

Auch beim Palmsonntagsgottesdienst im Wiener Stephansdom erinnerte Schönborn an die beiden Entführungsopfer: "Heute denken wir mit besonderer Sorge an die beiden in Nordafrika entführten Österreicher Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner."
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