Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Chinesische Botschaft in Wien (Bild: ORF)
tibet-krise
Vorwurf gegen chinesische Botschaft erhärtet
Durch ein Attest des AKH erhärten sich angeblich die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der chinesischen Botschaft, am Donnerstag einen tibetischen Demonstranten verprügelt zu haben. Das berichtet die "Wiener Zeitung".
Ärzte fanden Prellungen und Blutergüsse
Der "Wiener Zeitung" liegt laut einer Vorausmeldung ein ärztliches Attest des Spitals vor. Dorthin hatte sich der Demonstrant Tso Tashi unmittelbar nach seiner Freilassung aus dem Polizeigewahrsam begeben.

Die Ärzte fanden bei Tashi demnach insgesamt neun verschiedenen Prellungen am ganzen Körper, darunter eine Schädelprellung sowie Prellungen an Lendenwirbeln. Zudem fanden die Ärzte mehrere Blutergüsse. Ein Arzt wird mit den Worten zitiert: "Der Patient ist schwer verprügelt worden."
Der Betroffene war am Donnerstag auf den Balkon der Botschaft geklettert.
Frau soll mit Stöckelschuhen getreten haben
Tso Tashi war am vorigen Donnerstag im Zuge einer Demonstration gegen das Vorgehen Pekings gegen die Proteste von Tibetern in der Volksrepublik gegen die chinesische Herrschaft auf den Balkon der chinesischen Botschaft in Wien-Landstraße geklettert, wo er die chinesische Fahne abriss.

Danach wurde er von Mitarbeitern der Botschaft ins Innere des Gebäudes gezogen. Dort sei er mit Faustschlägen und Stöcken traktiert worden, heißt es im Protokoll seiner Vernehmung. "Auch eine Frau war dabei, die mich mit ihren Stöckelschuhen in den Rücken und auf den Kopf getreten hat", so Tashi im Polizeiprotokoll.
Botschaft weist Darstellung zurück
Die Botschaft hat diese Darstellung bisher scharf zurückgewiesen. "Seine Angaben sind reine Lüge und Verleumdung", heißt es in einer Stellungnahme. Zum nun vorliegenden ärztlichen Attest wollte man seitens der Botschaft vorerst nicht Stellung nehmen.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Der Demonstrant hatte anstelle der chinesischen die tibetische Fahne gehisst. Botschaftsangehörige sollen ihn bis zum Eintreffen der Polizei etwa eine halbe Stunde lang im Inneren der diplomatischen Vertretung festgehalten haben. Dass man den Demonstranten gefesselt habe, sei korrekt, hatte der chinesische Presseattache der "Wiener Zeitung" schon früher bestätigt - "er war sehr stark".

Weil der Eingang zur Botschaft blockiert gewesen sei, habe man ihn nicht gleich der Polizei übergeben können. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Weil die Botschaft nicht als österreichisches, sondern exterritoriales Gebiet gilt, ist aber fraglich, ob Österreich zuständig ist.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News