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MI | 11.04.2012
Aula der Universität Wien. (Bild: APA)
Zeitgeschichte
Uni: 2.000 restitutionsverdächtige Bücher
Seit 2004 überprüft die Universitätsbibliothek Wien ihre Bücherbestände auf Hinweise, um unter dem NS-Regime geraubte Werke zu identifizieren. Bisher gelten 2.000 Werke als restutionsverdächtig.
Seit vier Jahren läuft ein Projekt zur Provenienzforschung an der Universität Wien.
5.000 müssen noch überprüft werden
Von 72.000 Bänden, die die Bibliothek zwischen 1938 und 1945 erhielt, wurden rund 33.000 für weitere Recherchen aufgenommen. "Davon gelten rund 2.000 Werke als restitutionsverdächtig, rund 5.000 müssen noch näher untersucht werden", berichtete Projektmitarbeiter Markus Stumpf.

Die Suche nach restitutionsverdächtigen Büchern sei insofern komplex, als dass "die Universitätsbibliothek ihren Zuwachs der Jahre 1938 - 1945 verschiedensten Quellen verdankte", heißt es auf der Website des Forschungsprojekts.
Über 6,6 Millionen Bücher
Die Universitätsbibliothek Wien beherbergt insgesamt über 6,6 Millionen Bücher - davon zählten 2,6 Millionen Bände zum Bestand der Hauptbibliothek. Der Zeitschriftenbestand umfasst insgesamt 11.545 Exemplare.
Probleme bei "Sammlung Tanzenberg"
Auch nach 1945 kamen etwa durch die Übernahme von Teilen der "Sammlung Tanzenberg" Bücher in den Bestand der Uni Wien, bei denen der Verdacht auf NS-Raub naheliegt. Im Kärntner Schloss Tanzenberg wurden Bestände der Zentralbibliothek der "Hohen Schule", einer NSDAP-Ausbildungsstätte, aufbewahrt.

Weitere Provenienzen der Sammlung sind die Gestapo, die Volks-, Gemeind- und Pfarrbücherei und das Dorotheum. Insgesamt entstammen rund 70.000 Bände der Uni-Bibliothek diesen Quellen. Auch sie werden im Rahmen des noch nicht abgeschlossenen Forschungsprojekts durchgesehen.
Auch alle Institutsbibliotheken durchkämmt
Neben den Beständen der Hauptbibliothek wurden seit 2006 auch die 44 der 49 Fachbereichs- und Institutsbibliotheken auf NS-geraubte Bücher durchforstet sowie die Bibliothek des Universitätsarchivs. Fünf Bibliotheken waren nicht Gegenstand der Untersuchung, weil sie keinen Bestand mit Erscheinungsjahr vor 1945 führen. Erste Zahlen über restitutionsverdächtige Bücher können laut Stumpf aber "seriöserweise noch nicht gegeben werden".
Erste Restituierungen bereits im Frühjahr
Ein umfassender Endbericht über die Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Wien soll im Jahr 2009 vorgelegt werden.

Erste Bücher sollen laut Stumpf voraussichtlich ab April und Mai dieses Jahres restituiert werden, "erste Kontakte laufen".
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