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MI | 11.04.2012
Lech Walesa in Wien (Bild: ORF)
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Lech Walesa erhält Leopold-Kunschak-Preis
Der ehemalige Arbeiterführer, spätere Staatspräsident Polens und Nobelpreisträger, Lech Walesa, war am Freitag zu Gast in Wien. Im Parlament bekam er den Leopold-Kunschak-Preis verliehen und bewies dabei Humor.
Überreicht wurde Walesa der Preis von Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP).
Lech Walesa: "Werte sind das Allerwichtigste"
Hoher Besuch, den man glatt übersehen könnte. Eine unauffällige Limousine, ohne Polizeieskorte näherte sich am Vormittag der Hofburg, wo der polnische Ex-Präsident wie ein Staatsgast von Bundespräsident Fischer empfangen wurde.

Nach einem anschließendem Handshake für die Fotografen erfolgte der Rückzug zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Dass Lech Walesa viel zu sagen hat, zeigte sich auch bei seiner Pressekonferenz im Hotel Sacher. Weder mit dem heutigen Europa ist er zufrieden, noch mit seinen eigenen Leistungen: "Ich habe schlechte Trends in der Welt beendet und den Weg für neue geebnet, aber das ist nicht genug."

In seiner Ansprache an die Festversammlung im Parlament appellierte er daran, Europa nicht nur auf Freiheit und "trockenes Recht" aufzubauen, sondern eine gemeinsame Wertebasis zu schaffen. "Werte sind das Allerwichtigste", betonte der frühere Chef der unabhängigen polnischen Gewerkschaft "Solidarnosc".
Lech Walesa - Anführer der Arbeiterbewegung (Bild: ORF)
Walesa war bis 1995 Präsident Polens.
Vom Streikführer zum Staatspräsidenten
Begonnen hat Walesa seinen politischen Lebensweg 1980 als Streikführer in der Danziger Leninwerft. Neben sozialen Reformen erreichte er die Zulassung einer unabhängigen Gewerkschaft. Zehn Millionen Polen standen dabei hinter Walesa. 1983 erhielt der gelernte Elektriker den Friedensnobelpreis. 1990 wurde er der erste nicht-kommunistische Präsident Polens.

Walesa rief dazu auf, Misserfolge nicht so ernst zu nehmen, schließlich habe damals "kein einziger der Großen dieser Welt" einem Umsturz jegliche Chance eingeräumt. Manchmal aber könnte man für einen Misserfolg auch einen Nobelpreis erhalten, fügte er scherzend an.

Heute gehe es darum, einen verantwortungsvollen und "gewissenhaften Menschen zu erziehen". Jeder einzelne müsse aktiv an der Politik teilnehmen. "Gehen Sie zu jeder Wahl", forderte er seine Zuhörer auf.
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