Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Prozess Rucksackbomber (Bild: APA/Hochmuth)
Chronik
"Bombe" vor Botschaft: Keine Anschlagspläne
Keine Anschlagspläne hatte jener Mann, der vor der US-Botschaft einen Sprengsatz deponiert hatte. Das Gericht sprach ihn vom Vorwurf frei, einen Anschlag vorbereitet zu haben. Aus anderen Gründen wurde er zu 15 Monaten Haft verurteilt.
Freispruch vom Vorwurf, einen Sprengstoffanschlag vorbereitet
zu haben.
Richterin glaubte Angeklagtem
Beim Prozessauftakt entpuppte sich der mutmaßliche Terrorist als konfus wirkender Mann. Ein Bekannter habe ihm die Sprengmittel - Sprengstoff, Zünder und Handgranaten - gegeben, diese wollte er auf der Botschaft abgeben, beteuerte der Angeklagte vor Gericht.

"Es ist ein Faktum, dass im Beweisverfahren vielmehr sehr stark bestätigt wurde, was der Angeklagte im gesamten Verfahren gesagt hat", hielt das Gericht nun auch in der Urteilsbegründung fest.
Alle Daten korrekt angegeben
Demnach habe der Mann "diese Dinge" in der Botschaft übergeben wollen, um sich möglicherweise als Informant "anzudienen", sagte die Richterin. Der 42-Jährige habe das auch per E-Mail und telefonisch wiederholt Botschaftsmitarbeitern angekündigt und dabei alle seine Daten korrekt angegeben.

"Das ist keine typische Vorgangsweise für jemanden, der in die amerikanische Botschaft eindringen will, um eine Bombe zu zünden", sagte die Richterin.
Schon lange Kontakt mit Botschaft
Er habe in die Vereinigten Staaten großes Vertrauen, "weil sie den Terrorismus bekämpfen", sagte der Angeklagte auch vor Gericht aus. Bereits drei Wochen vor dem Vorfall hatte er erstmals Kontakt mit der Botschaft in Wien-Alsergrund aufgenommen und angegeben, wichtige Informationen über eine extreme Organisation zu besitzen.

Am 1. Oktober wollte er sich auf dem Franz-Josefs-Bahnhof mit einem Vertreter der Botschaft treffen. Da die beiden einander nicht finden konnten, vereinbarten sie telefonisch ein Treffen in der Botschaft, beim Sicherheitscheck fiel das Sprengmaterial im Rucksack auf.
Posttraumatisches Belastungssyndrom
Die Staatsanwaltschaft war entgegen den Angaben des Mannes überzeugt, dass er vorhatte, eine Bombe zu zünden. Laut Gutachten hätte der Mann nur 30 bis 60 Sekunden benötigt, um das mitgeführte Material in einen funktionierenden Sprengsatz zu verwandeln, indem er etwa die Zünder in die Granaten schob.

Der Angeklagte hat laut psychiatrischem Gutachten "gewisse auffällige Persönlichkeitszüge", ist aber zurechnungsfähig. Der 42-jährige gebürtige Bosnier nahm an Kampfhandlungen im ehemaligen Jugoslawien teil und leidet an einem posttraumatischen Belastungssyndrom.
15 Monate Haft für Verleumdung und Einfuhr von
Kriegsmaterial.
Urteil nicht rechtskräftig
Der gebürtige Bosnier wurde nun lediglich wegen der Einfuhr und des Besitzes von Kriegsmaterial, Urkundenfälschung - er hatte einen Reisepass hergestellt - und Verleumdung schuldig erkannt. Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte er unrichtigerweise einen Bekannten als angeblichen Auftraggeber belastet. Der 34-jährige Familienvater kam in U-Haft und verlor seinen Job.

Für diese Vergehen setzte es nun für den geringfügig vorbestraften Bosnier mit 15 Monaten unbedingter Haft eine vergleichsweise strenge Strafe.

Der 42-Jährige, der seit über einem halben Jahr in U-Haft sitzt, war dennoch damit einverstanden. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News