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MI | 11.04.2012
Gerd Honsik (Bild: APA / Georg Hochmuth)
Chronik
Holocaust-Leugner Honsik erneut angeklagt
Die Staatsanwaltschaft Wien hat gegen den Holocaust-Leugner Gerd Honsik Anklage wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung erhoben. Honsik war bereits 1992 zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Der Tatzeitraum umfasst 21 Jahre.
Bei Schuldspruch drohen bis zu 20 Jahre Haft
Im Internet und in seinen Schriften soll der 67-Jährige regelmäßig nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet haben, lautet die 90-seitige Anklageschrift von Staatsanwalt Michael Klackl. Der Tatzeitraum erstreckt sich von 1987 bis 2007 und umfasst damit fast 21 Jahre.

Die Anklage ist nicht rechtskräftig, Verteidiger Herbert Schaller kann diese noch beeinspruchen. Der Akt liegt allerdings schon auf dem Schreibtisch von Richter Andreas Böhm, der im Wiener Straflandesgericht das Geschworenenverfahren leiten wird.

Im Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage drohen Honsik bis zu 20 Jahre Haft, da der Staatsanwalt von einer "besonderen Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung" ausgeht.
1992 wegen Wiederbetätigung verurteilt
Honsik war in Wien bereits im Jahr 1992 auf Basis seines Buchs "Freispruch für Hitler?" wegen Wiederbetätigung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Statt die Strafe anzutreten, setzte er sich während des Rechtsmittelverfahrens nach Spanien ab, wo er 15 Jahre unbehelligt blieb und - so jedenfalls die Anklagebehörde - weiter seinen Ruf als erstrangiger Publizist der rechtsextremen Szene festigte.

Auf Basis eines Europäischen Haftbefehls wurde der 67-Jährige im vergangenen August bei Malaga festgenommen und ausgeliefert. Das Wiener Oberlandesgericht bestätigte im Dezember die 1992 verhängte Strafe, die der gesundheitlich angeblich angeschlagene Honsik derzeit verbüßt.
Prozesstermin noch offen
Die Staatsanwaltschaft hat nur die schwerwiegendsten Passagen mit dem höchsten Unrechtsgehalt zur Anklage gebracht, hieß es seitens der Behörde.

Wären sämtliche tatbestandsmäßigen Zitate in die Anklageschrift eingeflossen, "hätte dies den Rahmen der Hauptverhandlung gesprengt", sagte Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Man habe den Geschworenen "eine unnötige Überfrachtung des Verfahrens" ersparen wollen.

Einen offiziellen Prozesstermin gibt es noch nicht. Sollte Honsiks Rechtsbeistand auf ein Rechtsmittel gegen die Anklage verzichten, könnte möglicherweise schon im Juli verhandelt werden.
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