Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Gottfried Natschläger (Bild: APA / ÖVP)
Chronik
Bezirkspolitiker nach Prügelattacke gestorben
Der 64-jährige ÖVP-Bezirkspolitiker Gottfried Natschläger aus Wien-Währing ist in der Nacht auf Samstag seinen schweren Verletzungen erlegen. Am 23. April wurde er von zwei Jugendlichen attackiert.
Jener 20-Jährige, der zugeschlagen haben soll, ist weiterhin in Haft.
Verdächtigem droht Anklage
Die beiden Jugendlichen stellten sich zwei Tage später der Polizei, da sie auf einem Überwachungsvideo gut zu erkennen waren. Ein besonderes Motiv für ihre Tat konnten die Burschen bei den Einvernahmen nicht angeben. "Sie waren halt nicht gut drauf", berichtete damals Michael Mimra, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1).

Einer der Verdächtigen, ein 20-jähriger Wiener, ist in Haft. Der andere, ein 20-Jähriger aus Niederösterreich, wurde auf freiem Fuß wegen Beteiligung angezeigt.

Laut Gerhard Jarosch, dem Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, droht dem 20-jährigen Wiener nun eine Anklage wegen schwerer absichtlicher Körperverletzung mit Todesfolge - der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahre Haft.
Natschläger war jahrelang ÖVP-Bezirkspolitiker in Wien-Währing. Zuletzt war er auch Vorsitzender des Finanzausschusses.
Auf offener Straße grundlos niedergeprügelt
Die beiden angetrunkenen 20-Jährigen hatten zuvor in der Linie 41 randaliert und Passagiere attackiert. Der Fahrer verwies sie bei der Station Kutschkergasse daraufhin des Zuges. Nachdem sie "aggressive Handlungen" gegen die Straßenbahn gesetzt hatten, liefen sie die Währinger Straße stadtauswärts.

Vor einem Kaffeegeschäft trafen die beiden auf ihr Opfer. Im Vorbeilaufen soll der mutmaßliche Haupttäter dem Politiker einen Schlag ins Gesicht versetzt haben, worauf dieser offenbar das Gleichgewicht verlor und mit dem Kopf gegen die Gehsteigkante prallte. Die jungen Männer liefen einfach weiter und gingen in ein Lokal etwas trinken.

Die Polizei war den Burschen in der Folge bereits auf der Spur. Wegen der veröffentlichten Überwachungsbilder stellten sich die beiden aber vorher selbst. Der 20-Jährige Wiener wurde in das landesgerichtliche Gefangenenhaus überstellt. Er wurde damals wegen schwerer Körperverletzung, sein gleichaltriger Begleiter aus Niederösterreich auf freiem Fuß angezeigt.
Politische Reaktionen
Der Landesparteiobmann der ÖVP Wien, Wissenschaftsminister Johannes Hahn, und Klubobmann Matthias Tschirf würdigten den Verstorbenen als verdienten Bezirkspolitiker, engagierten Katholiken und rührigen Familienvater. ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon forderte erneut null Toleranz gegenüber jugendlicher Gewalt und verwies auf ein Erziehungscamp für straffällige Jugendliche in Deutschland.

Es falle besonders schwer, die richtigen Worte der Trauer und des Trostes für die Hinterbliebenen zu finden, wenn jemand wie in diesem tragischen Fall zufälliges Opfer sinnloser Gewalt geworden sei, sagte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).

Der Parteiobmann der Wiener FPÖ, Heinz-Christian Strache, forderte "jedenfalls die volle Härte der Justiz". BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz meinte ebenfalls, dass jetzt die Justiz gefordert sei, "ein deutliches Zeichen zu setzen". "Im Namen der Grünen möchte ich der Familie mein Beileid aussprechen", erklärte die Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou. Gleichzeitig warnte sie davor, "aus dem Tod Natschlägers nun politisches Kapital schlagen zu wollen".
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News