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MI | 11.04.2012
Paul Klee Blaumantel
Kultur
Albertina bekommt Klee-Sammlung
Nach dem San Francisco Museum of Modern Art profitiert nun auch die Albertina von der Sammelleidenschaft des gebürtigen Wieners Carl Djerassi: Ab 9. Mai können 151 Werke des Künstlers Paul Klee besichtigt werden.
Paul Klee: "Abstraktion eines Motivs aus Hammamet"
"Abstraktion eines Motivs aus Hammamet" (1914)
Künstler des kleinen Formats
"Einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts", "vielfältig und gleichzeitig widersprüchlich", "ein Künstler des kleinen Formats" - all das sind Bezeichnungen, die auf den deutsch-Schweizer Maler und Grafiker Klee (1879-1940) zutreffen.

Das Besondere an Klees Werken sind seine häufig sehr kleinen Formate, die eine unmittelbare Nähe des Betrachters verlangen. Nur so lassen sich die Motive erfassen.

Die Werke - Klee hinterließ eine unglaubliche Anzahl von rund 9.000 Stück - sind zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, komplexem Surrealismus und totaler Vereinfachung anzusiedeln.
Klee wurde von den Nazis als "entarteter Künstler" gebrandmarkt.
Klee war gegen Distanz der "hohen Kunst"
Vereinfachte Formen und abstrakte Bilder: Klee selbst hielt nichts von hoher Kunst, die sich zu sehr von ihren Betrachtern distanzierte.
Paul Klee: "Und schämt sich nicht" (1939)
Paul Klee: "Und schämt sich nicht"
Ein Aquarell mit einer rot gepunkteten Katze, Fantasiewesen und jede Menge Strichmännchen erinnern an Kinderhand. Und das macht die Ausstellung mit dem Titel "FormenSpiele"auch zu einem Ort der Fröhlichkeit.
Paul Klee: "Fast getroffen"
"Fast getroffen" (1928)
Djerassi beschenkt die Albertina
151 Werke Klees sind ab 9. Mai in der Albertina zu bewundern. 41 davon stammen aus der Albertina selbst, die restlichen von Leihgebern.

Djerassi, der als "Vater der Anti-Baby-Pille" weltberühmt gewordene gebürtige Wiener und leidenschaftlicher Kunstsammler, trägt dabei wesentlich zur Einrichtung der Ausstellung bei. 75 Arbeiten Klees gibt er aus seiner Privatsammlung an die Albertina, 67 davon sogar als Schenkung.

Das Sammeln von Kunst sei nicht nur eine Geldangelegenheit, sondern immer auch mit Gefühlen verbunden, erklärte Djerassi, als er zu seiner umfangreichen Schenkung an das Museum Stellung nahm.
Schenken ist ein gutes Gefühl, findet Djerassi.
Umfangreiche Klee-Privatsammlung
Djerassi selbst hat insgesamt rund 140 Arbeiten Klees in seiner Privatsammlung. Warum er nur einige davon als "promised gift" der Albertina überlässt, begründete er damit, dass er ein paar der Bilder bei sich zu Hause haben möchte. "Ich will nicht immer nach Wien reisen müssen, um sie zu sehen", sagte er.

Schon 2004 hatte Djerassi der Albertina eine Dauerleihgabe überlassen: die Skulptur "Four Lines Oblique II" des amerikanischen Künstlers George Rickey. Seit dieser ersten Leihgabe sind Djerassi und Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder befreundet.

Djerassi empfindet es als gutes Gefühl, die Klee-Bilder aus seinem Privatbesitz nun in der Albertina bewundern zu können. "Ich kann in Worten kaum zum Ausdruck bringen, wie sehr wir dir für diese Schenkung danken", antwortete Schröder.
Paul Klee: "Fata Morgana zur See"
"Fata Morgana zur See" (1918)
Nach San Francisco wird nun Wien beschenkt
Bisher besaß die Albertina nur 41 der insgesamt 9.000 Klee-Werke. Über diesen relativ kleinen Bestand hat sich der Kunstliebhaber Djerassi gewundert.

Deswegen habe er nun beschlossen, nach dem Museum of Modern Art in San Francisco, wo seit 1984 ein Teil seiner Privatsammlung aufbewahrt wird, auch die Albertina in Wien mit dieser Dauerleihgabe und "Schenkung nach seinem Tod" zu bedenken.
Paul Klee
1879-1940, deutsch-Schweizer Kunstmaler und Grafiker, wurde 1933 von den Nationalsozialisten als "entarteter Künstler" bezeichnet und daraufhin von der Kunstakademie Düsseldorf als Professor fristlos entlassen.

Klees außergewöhnlicher Stil lässt sich nur schwer in eine der großen Stilrichtungen einordnen. Seine Werke sind besonders auch wegen ihres kleinen Formats auffällig und reichen von abstrakten Formen bis hin zu komplexem Surrealismus.
Carl Djerassi
geboren 1923 in Wien, Sohn einer jüdischen Ärztefamilie, emigrierte 1938 in die USA.

1951 schuf er als Forschungsdirektor der Syntex S.A. in Mexico-Stadt die Grundlagen der "Pille". Das mit der Anti-Baby-Pille gesicherte Einkommen investierte er zum guten Teil in Kunst und baute eine umfangreiche Sammlung, u. a. mit Werken von Degas, Dubuffet, Giacometti, Marini, Moore, Picasso und eben Klee auf.
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