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MI | 11.04.2012
Trude Marzik
Menschen
Mundartdichterin Trude Marzik wird 85
Die Wiener Mundartdichterin Trude Marzik feierte am Freitag ihren 85. Geburtstag. Heinz Conrads machte sie bekannt, als er in einer seiner legendären Radiosendungen Ende der 60er Jahre ihr Gedicht "Mei Bua" vortrug.
Die Lyrikerin Trude Marzik dichtete stets in Mundart.
Best of-Lesung Ende Juni
Berühmt wurde Marzik durch ihr erstes Buch "Am Anfang war die Kuchlkredenz (1971). Anlässlich ihres Geburtstags hat Marzik in dem kürzlich erschienenen Gedichtband "Meine Lieblingsgedichte" aus ihrem umfassenden Oeuvre ganz persönliche Lieblingsstücke zusammengestellt. Im Rahmen des [echt:wien]- Festivals liest sie aus diesem "Best of" am 27. Juni im Cafe Museum.
Wienerische in allen Facetten abgebildet
Im Februar erhielt die Erzählerin und Lyrikerin den Buchpreis der Wiener Wirtschaft 2008 für ihren liebevollen Humor sowie den Wiener Charme ihrer Texte.

"Trude Marzik verkörpert wie kaum eine andere zeitgenössische Autorin das typisch 'Wienerische' und steht nicht nur für anspruchsvolle und lesbare, sondern auch für verkäufliche Literatur", so die Expertenjury in ihrer Begründung.

Hans Weigel sagte über Marzik einmal, dass sie "das Wienerische als Umgangssprache in den verschiedensten Spielarten vom Salon bis zum Gemeindebau und von der Zwischenkriegszeit bis in die Gegenwart beherrscht".
Das Dichten und Reimen begleitet sie seit ihrer Kindheit.
Kabarettauftritte, danach Fluglinie
Marzik wurde am 6. Juni 1923 in Wien-Hernals geboren und begann bereits in der Schule Gedichte zu schreiben. Sie studierte an der Universität Wien zunächst Anglistik und Germanistik und nahm privaten Schauspielunterricht. Die Verpflichtung zum Arbeitsdienst zwang sie jedoch das Studium aufzugeben.

Nach Kriegsende verdiente sich Marzik ihr Geld zunächst durch Kabarettauftritte bei Fred Kraus und im "Lieben Augustin" bei Fritz Eckhardt, verließ aber aus persönlichen Gründen die Bühne und wechselte zur Fluggesellschaft PanAm. Bedingt durch den Beruf und die Geburt ihres Sohnes blieb Marzik in diesen Jahren wenig Zeit zum Schreiben.
Brecht und Goethe ins Wienerische übersetzt
Erst ab 1968 entstanden wieder regelmäßig Gedichte. Nach ihrem Durchbruch mit dem Gedicht "Mei Bua" veröffentlichte sie eine Reihe von Gedicht- und Prosabänden, darunter "Aus der Kuchlkredenz" (1971), "A bissl Schwarz - A bissl Weiss" (1972) und den erfolgreichen Band "Parallelgedichte" (1973), in dem sie Lyrik von Goethe, Eichendorff, Rilke, Kästner und Brecht ins Wienerische übersetzte.

Im vergangenen Jahrzehnt veröffentlichte die mehrfache Großmutter die Bücher "Was ist schon dabei, wenn man älter wird", "Wiener Melange" und "Romeo Spätlese", in dem sich die Autorin ironisch-heiter über die Liebe im Alter Gedanken macht.

2003 erschien der Gedichtband "Schlichte Gedichte", 2005 folgte der Band "Mütter und Großmütter. Gedichte und Geschichten", in dem sie in gewohnt lakonischer und ironischer Manier über die Freuden und Leiden des Mutterdaseins berichtet.
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