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MI | 11.04.2012
Gertrude Fröhlich-Sandner (Bild: ORF)
politik
Ex-Vizebürgermeisterin Fröhlich-Sandner tot
Die langjährige Wiener Vizebürgermeisterin, Kulturstadträtin und Familienministerin Gertrude Fröhlich-Sandner ist am 13. Juni im 83. Lebensjahr verstorben. "Wo Worte fehlen, bleibt nur mehr die Gewalt", lautete ihre Überzeugung.
Seit 1959 Kommunalpolitik geprägt
Das teilten Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeisterin Grete Laska (SPÖ) mit. Ab 1959 prägte Fröhlich-Sandner die Wiener Kommunalpolitik mit, von 1984 bis Anfang 1987 war sie zudem im Kabinett des damaligen Kanzlers Fred Sinowatz Familienministerin.
Gertrude Fröhlich-Sandner (Bild: Michael Leckel)
1969 wurde Fröhlich-Sandner Vizebürgermeisterin.
Sinowatz in die Regierung geholt
Fröhlich-Sandner wurde am 25. April 1926 in Wien als Gertrude Kastner geboren. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt begann sie ihre berufliche Laufbahn 1948 als Volksschullehrerin und Horterzieherin.

1959 zog sie in den Wiener Landtag und Gemeinderat ein, 1965 übernahm sie das Amt des Stadtrates für Kultur, Schulverwaltung und Sport. 1969 wurde sie Vizebürgermeisterin und Landeshauptmann-Stellvertreterin, ein Amt, das sie unter den Bürgermeistern Bruno Marek, Felix Slavik und Leopold Gratz ausübte.

1979 übernahm Fröhlich-Sandner als amtsführende Stadträtin die Bereiche Bildung, Jugend und Familie. Bis 1984 arbeitete Fröhlich-Sandner in der Stadtregierung, dann holte sie Bundeskanzler Fred Sinowatz in die Bundesregierung, wo sie bis Jänner 1987 als Bundesministerin für Familie, Jugend und Konsumentenschutz tätig war.
Erhalt des Raimundtheaters ist ihr zu verdanken.
Bekannt für ihr Geschick im Dialog
Als Kulturstadträtin führte sie den Dialog mit der 68er-Szene und deren Nachfolgebewegungen, mit den Besetzern von Arena ebenso wie Amerlinghaus oder Gassergasse. Die Rettung des Spittelbergviertels ist ihr ebenso zu verdanken wie der Erhalt des Raimundtheaters.

Fröhlich-Sandner gründete die "Streetworker" und schuf sozialtherapeutische Wohngemeinschaften. In ihrer Amtszeit wurden die städtischen Heime umstrukturiert, anstelle von Schlafsälen traten familienähnliche Kleingruppen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war der Fremdenverkehr: Von 1966 bis 1984 fungierte sie als Präsidentin des Wiener Fremdenverkehrsverbands.
Gertrude Fröhlich-Sandner (Bild: ORF)
Vorübergend wurde auch ihr Privatleben zum politischen Aufreger, als sie den ÖVP-Gemeinderat Josef Fröhlich heiratete. Viele Jahre später trennte sich das Paar wieder - in aller Freundschaft.
Zahlreiche Ehrungen
Zu den in- und ausländischen Ehrungen, die Gertrude Fröhlich-Sandner, Ehrenvorsitzende der Kinderfreunde und ihrer SPÖ-Bezirksorganisation Mariahilf, erhalten hat, zählen u.a. das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern und das Wiener Große Goldene Ehrenzeichen, das Große Verdienstkreuz mit dem Stern der Bundesrepublik Deutschland, der Bruckner-Ring der Wiener Symphoniker, der Ehrenring des Theater in der Josefstadt und die Ehrenmedaille des Raimundtheaters.
"Auch menschlich ein Vorbild"
"Gertrude Fröhlich-Sandner war für mich nicht nur politisch, sondern auch im menschlichen Umgang ein Vorbild", meinte Laska am Freitagabend. "Die Sozialdemokratie hat eine große Persönlichkeit verloren, und wir betrachten es als eine Auszeichnung, dass wir die an den Menschen dieser Stadt orientierte Politik von Gertrude Fröhlich-Sandner ein Stück weit fortsetzen konnten", erklärte sie gemeinsam mit Häupl.

Auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) gedachte Fröhlich-Sandners als einer "großen Politikerin mit Herz". Sie habe "die Stadt geprägt, auch im Land Spuren hinterlassen und bis zuletzt regen Anteil am Wiener Kulturleben und an aktuellen politischen Fragen genommen: "Sie wird uns sehr fehlen."
Video: Fröhlich-Sandner zieht Bilanz

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