Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Offene Gefängnistüre Karlau (Bild: ORF)
Justiz
"Mordschwestern" aus Haft entlassen
Die zwei Haupttäterinnen der Mordserie im Krankenhaus Lainz sind am Donnerstag laut der Direktion der Justizanstalt Schwarzau entlassen worden. Die Frauen hatten über 19 Jahre in Haft verbracht, wo sie als "Musterhäftlinge" galten.
Frauen müssen sich weiter Psychotherapie unterziehen.
Ordentliche Lebensführung
"Sie haben immer fleißig gearbeitet, keine Schwierigkeiten gemacht, sich einer Psychotherapie unterzogen", so Anstaltsleiter Gottfried Neuberger. Wegen ordentlicher Lebensführung im Gefängnis und vorhandener Resozialisierungschancen wurde Mitte Juli daher dem Antrag der beiden auf frühzeitige bedingte Entlassung stattgegeben.

Es sei inzwischen ein "Entlassungsmilieu" gegeben, das eine geglückte Resozialisierung wahrscheinlich erscheinen lasse, hieß es.

Das Vollzugsgericht erlegte ihnen aber drei konkrete Weisungen auf: Sie müssen ihre Psychotherapie fortsetzen, Kontakt zu ihren Bewährungshelfern halten und allfällige Wohnortwechsel den Behörden bekanntgeben.
Interviewanfragen strikt abgelehnt.
Wohnmöglichkeit und Jobs vorhanden
Die Frauen hatten sich jahrelang auf ihre mögliche Entlassung vorbereitet. Bestehende familiäre und neue Bindungen wurden aufgefrischt bzw. gewonnen, Wohnmöglichkeiten sind daher vorhanden.

Eine der beiden hat bereits eine fixe Jobzusage, die zweite eine konkrete Arbeit in Aussicht. Sollte daraus nichts werden, wird sie über das AMS in einen Ausbildungskurs integriert.

Die beiden Frauen haben mittlerweile auch einen Namenswechsel vorgenommen. Sie haben dem Vernehmen nach kein Interesse, neuerlich zum Gegenstand medialer Berichterstattung zu werden. Interviewanfragen von Printmedien und TV-Sendern sollen sie kategorisch abgelehnt haben.
Unfassbare Mordserie im Pavillon V
Die Mordserie im Lainzer Krankenhaus sorgte weltweit für Aufsehen. Den seinerzeit in Boulevardmedien als "Mordschwestern" titulierten Haupttäterinnen wurde zur Last gelegt, ihnen lästige Patienten serienweise mittels Injektionen, Infusionen und "Mundpflege" getötet zu haben.

Schauplatz des Geschehens war die im Pavillon V untergebrachte 1. Medizinische Abteilung im Krankenhaus Lainz gewesen. Überbelegung, beruflicher Stress und Personalnot dürften die Pflegerinnen dazu bewogen haben, sterbenskranke und "lästige" Patientinnen zu "beseitigen", wie es in der Anklage hieß.

"Tatwaffen" waren die Pharmaka Dominal forte, Valium und Rohypnol sowie die berüchtigte "Mundpflege": Dabei wurde den Patienten mit einem Spatel die Zunge niedergedrückt und Wasser eingeflößt, bis sie qualvoll erstickten.
Insgesamt war es um 41 vorsätzliche Tötungen gegangen.
Nach Urteil zusammengebrochen
Die mittlerweile 49 und 46 Jahre alten Frauen waren im April 1989 mit zwei Mittäterinnen festgenommen worden.

Als im März 1991 im Wiener Landesgericht nach exakt 17 Verhandlungstagen und 20-stündiger Geschworenenberatung die Urteile in der Causa Lainz feststanden, hielten die vier angeklagten Stationsgehilfinnen dem Ergebnis teilweise nicht stand.

Die damals 32-jährige Haupttäterin, die wegen 15-fach vollendeten und 17-fach versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, brach bei der Urteilsverkündung zusammen. Ihre Komplizin erhielt wegen fünffachen Mordes und zweier Versuche ebenfalls die Höchststrafe.
"Mordschwestern" von Lainz (Bild: ORF)
"Zweites Leben" mittels Namensänderung.
Mittäterinnen schon länger frei
"Lebenslange" dürfen frühestens nach Verbüßung von 15 Jahren beim zuständigen Vollzugsgericht einen Antrag auf Enthaftung einbringen. Im Fall der beiden früheren Stationsschwestern wurden entsprechende Anträge viermal abgelehnt, obwohl ein psychiatrischer Sachverständiger ihre Entlassung befürwortet hatte.

Die beiden Komplizinnen, die zeitlich begrenzte Haftstrafen ausgefasst hatten, befinden sich schon seit geraumer Zeit auf freiem Fuß.

Sie sollen eine Namensänderung durchgeführt und unter ihren neuen Identitäten ein "zweites Leben" begonnen haben.
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