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MI | 11.04.2012
Schifter
Menschen
Radiolegende Günther Schifter gestorben
Der Journalist und Radiomoderator Günther Schifter ist im Alter von 84 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Legendär wurde Schifter durch seine Schellack-Musiksendungen.
Schifter mit Schellack
"Schellacks, und Schellacks und Schellacks" präsentierte Schifter
50 Jahre beim Radio
"Howdy!" - mit diesem Wort hat Günther Schifter über 2.000 Mal seine Zuhörer im Radio begrüßt und seine Leidenschaft für Jazz und Swing weitergegeben.

Schifter wurde am 23. Dezember 1923 in Wien geboren. Mehr als 50 Jahre arbeitete er für das Radio. Seinen Einstand feierte er am 1. Jänner 1949 beim Sender Rot-Weiß-Rot, wo er täglich eine halbe Stunde seine geliebten Schellacks auflegen durfte.

Mit seinen Sendungen "Der alte Plattenmann", "Klingende Kleinigkeiten", "Sandmann Serenade" und "Swing und Sweet" war Schifter der erste Disc-Jockey Österreichs.
1967 landete der Plattenguru bei Ö3. Dort erhielt er bald den Spitznamen "Howdy". In den 70er Jahren übersiedelte Schifter zu Ö Regional - erst 1999 verabschiedete sich die Radiolegende aus dem Äther
In der NS-Zeit wurde Schifter als Regimegegner verfolgt.
Schon mit vier Jahren gesammelt
Zum Sammler wurde Günther Schifter schon in frühester Jugend, konnte er doch bereits im zarten Alter von vier Jahren "Armstrong" und
"Ellington" schreiben und wünschte sich zu Anlässen wie Weihnachten und Geburtstag vor allem Schellacks mit seiner favoritisierten Musik.

Selbst in der NS-Zeit, als seine Musik als "entartet" gebrandmarkt und Schifter als Regimegegner verfolgt wurde, konnte er unter
Schwierigkeiten seine Schellacksammlung vergrößern.
30.000 Schellacks
Die Sammlung Günther Schifters umfasst rund 30.000 Schellacks und ist die größte zu Jazz und Swing in Österreich.

Der Wunsch, sein Lebenswerk geschlossen für die Nachwelt zu bewahren, war für den Sammler Günther Schifter ausschlaggebend, schon zu Lebzeiten Vorsorge zu treffen. Er gab seine Sammlung an die Österreichische Mediathek.

Zu den Schellacks kommen tausende Mitschnitte seiner legendären Radiosendungen, auch diese sind schon fast Raritäten.
"Musikalisches Tor in die USA" geöffnet
Auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich über den Tod Schifters bestürzt: "Mit Günther Schifter verlieren Österreich und der ORF einen Jazzpionier und eine Radiolegende."

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe Schifter ein musikalisches Tor in die USA geöffnet und internationale Stars wie Fats Waller, Duke Ellington, die Mills Brothers, Teddy Wilson und Louis Armstrong via Radio ins Land geholt. Der ORF sei Günther Schifter zu großem Dank verpflichtet.
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