Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Kenia-Flagge (Bild: Fotolia/moonrun)
wahl '08
"Kenia-Koalition": Skepsis bei Wiener Grünen
Bei Teilen der Wiener Grünen stößt die Idee einer "Kenia-Koalition" aus SPÖ, ÖVP und den Grünen auf Widerstand. In so einer Konstellation wäre man "nicht mehr als ein Feigenblatt", lautet etwa eine Befürchtung.
Die Partei will vor allem darüber nachdenken, in welcher Rolle die Grünen nun am meisten wert sind.
Nur rechte Parteien als Opposition?
Während sich Klubchefin Maria Vassilakou zwar nicht begeistert, aber zu Gesprächen bereit zeigt, äußern einige Mandatare klare Ablehnung einer solchen Konstellation. "Ich halte eine Koalition der Verlierer für vollkommen absurd", so Gemeinderat Martin Margulies.

Die Grüne Partei wäre in dieser Koalition nicht mehr als ein Feigenblatt und zugleich überlasse man die gesamte Opposition den rechten Parteien. Diese kämen so bei der nächsten Wahl auf 40 Prozent der Stimmen, befürchtet Margulies.

Auch sein Kollege Rüdiger Maresch steht dem Gedankenspiel ablehnend gegenüber: "Das wäre ein großer Tanker mit etwas grünem Efeu." Die beiden anderen Parteien könnten die Grünen schließlich jedesmal überstimmen: "Also ich sage nein, das brauchen wir nicht."
"Belästigung" durch Neuwahlen
Der nicht amtsführende Grüne Stadtrat David Ellensohn sieht das Thema von der humorvollen Seite: "Ich finde, dass es genug ist, wenn wir alle paar Jahre die österreichische Bevölkerung mit Neuwahlen belästigen - wir sollten die armen Kenianer in Ruhe lassen." Ein Nachdenken sei aber natürlich immer erlaubt.
Vassilakou (Bild: ORF)
Vassilakou will Ergebnis in Ruhe analysieren.
"Nicht mit Koalitionsfahnen wedeln"
Die Klubchefin und stellvertretende Bundesvorsitzende Vassilakou sieht den Vorschlag einer Rot-Schwarz-Grün-Koalition pragmatisch: "Wir werden uns Gesprächen nicht verweigern - und das war's schon."

Sie empfände es aber als verfrüht, mit Koalitionsspekulationen zu beginnen, anstatt das Wahlergebnis in Ruhe zu analysieren: "Ich möchte jetzt sicher nicht mit Koalitionsfahnen wedeln." Hier sei zunächst SPÖ-Chef Werner Faymann am Zug.
Christoph Chorherr (Bild: APA) Chorherr: Keine Angst vor "Feigenblatt"
Gesprächen gegenüber aufgeschlossen ist der Grüne Gemeinderat Christoph Chorherr: "In einer Situation, in der eine Fortsetzung der Großen Koalition alten Zuschnitts eine gefährliche Drohung ist, soll man über alles nachdenken."

Natürlich berge eine Kenia-Koalition eine Reihe von Gefahren. Wenn man jedoch eine Bildungsreform und Energiewende einbringen könne und ein gestärktes Parlament garantiere, seien diese überdenkbar. Auch habe er keine Angst vor den Grünen als Feigenblatt von Rot-Schwarz: "Ein Feigenblatt ist man dann, wenn man sich zu einem Feigenblatt runterverhandeln lässt."
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News