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MI | 11.04.2012
Straßenbahnfahrer (Bild: Youtube)
chronik
"Sieg Heil": Letzte Ringfahrt endete mit Eklat
Ein Straßenbahnfahrer der Wiener Linien ist entlassen worden, weil er während der letzten Fahrt der Linie 1 am Samstag seine Durchsage mit dem Hitlergruß "Sieg Heil" beendet haben soll. Ihm könnte auch eine Freiheitsstrafe drohen.
"Abschiedsrede" des Fahrers
"Sehr geehrte Fahrgäste. Wir werden nun ein letztes Mal mit der Linie 1 den Orbit um den Stephansdom in Angriff nehmen. Das ist ein historischer Augenblick und ist Gedenktag an historische Ereignisse. Sieg Heil!"

Laut der Internet-Zeitung Die Jüdische soll der Fahrer diese Durchsage bei der letzten Fahrt der Linie 1 um den Ring (am Folgetag wurden die bisherigen Ringlinien auf Durchgangslinien umgestellt) gemacht haben.
Video dokumentiert Vorfall
Das Video der "Sieg Heil"-Durchsage war ursprünglich auf Youtube zu sehen. In dem Video ist der Verdächtige zu sehen, wie er sich von den bei der letzten Runde der Ringlinie 1 feiernden Fahrgästen in seinen "Führerstand" verabschiedet, wie er sich ausdrückte. Nach dem "Sieg Heil"- Sager vermischte sich Gelächter mit Buhrufen der Fahrgäste. Die Reaktion des Fahrers auf die Verärgerung einiger Leute: "Versteht's Ihr keinen Spaß?"

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Fahrer versuchte nichts zu beschönigen
Die Wiener Linien zogen am Montag die Konsequenzen: "Der Mitarbeiter holt sich schon seine Unterlagen", so ein Sprecher. Der Spruch des Ex-Mitarbeiters sei unsäglich und richte sich von selbst. Bereits am Wochenende war der Fahrer vom Dienst suspendiert worden.

Mit den Vorwürfen konfrontiert habe dieser auch nichts zu beschönigen versucht, so der Wiener-Linien-Sprecher. Bis dahin sei der knapp 35-Jährige ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Ihm habe erst im Nachhinein gedämmert, dass er hier eine Grenze überschritten habe.
Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren möglich.
Nationalsozialistische Wiederbetätigung?
Dem Mann drohen nun auch strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Wien werde prüfen, ob eine nationalsozialistische Wiederbetätigung vorliegt, so Behördensprecher Gerhard Jarosch.

Sollte sich die Verdachtslage erhärten, könnte ein Strafverfahren nach Paragraf 3g des Verbotsgesetzes eingeleitet werden. Das hätte für den Mann schwerwiegende Konsequenzen: Wer sich dieser Gesetzesbestimmung zufolge im nationalsozialistischen Sinne betätigt, hat mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren zu rechnen.
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