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MI | 11.04.2012
Karl Sekanina (Bild: APA/Barbara Gindl)
Todesfall
Ex-Minister und ÖFB-Präsident Sekanina tot
Der langjährige Bautenminister Karl Sekanina ist tot. Der frühere SPÖ-Politiker und ÖFB-Präsident verstarb an seinem 82. Geburtstag. Sekanina befand sich wegen einer Operation im Landeskrankenhaus Amstetten.
Minister unter Kreisky und Sinowatz
Sekanina war seit vier Wochen wegen einer Operation in Spitalsbehandlung. Er verstarb am Montag um 18.15 Uhr, wie sein Sohn mitteilte.

Sekanina diente den Bundeskanzlern Bruno Kreisky und Fred Sinowatz von 1979 bis 1985 als Bautenminister und war von 1976 bis 1982 Präsident des Östereichischen Fußball-Bundes.
1926 in Wien geboren
Sekanina wurde am 27. Oktober 1926 in Wien geboren. Nach dem Besuch von Volks- und Hauptschule absolvierte er eine Werkzeugmacherlehre, 1948 bis 1950 besuchte er die Werkmeisterschule für Maschinenbau und anschließend die Maturaschule. 1951 wurde Sekanina Betriebsrat bei Kapsch.
21 Jahre im Nationalrat
1958 wurde er zum Sekretär der Gewerkschaft Metall, Bergbau und Energie gewählt. Von 1962 bis 1965 war er Zentralsekretär dieser Gewerkschaft, 1971 schließlich auch ihr Vorsitzender. 1979 wurde Sekanina zu einem der Vizepräsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) gewählt.

Bereits seit 1972 als SPÖ-Bezirksobmann in Wien-Brigittenau tätig, wurde er 1975 auch zum Vorsitzenden der Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter (FSG) im ÖGB gewählt. Nachdem er von 1963 bis 1964 dem Bundesrat angehörte, zog er 1964 in den Nationalrat ein, aus dem er 1985 ausschied.
In vielen Funktionen
Sekanina - immer wieder als Paradebeispiel für den Typ des "Multifunktionärs" genannt - war auch Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und von 1974 bis 1979 Vizepräsident des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger. Gewissermaßen als "Hobby" bekleidete er - mit Vehemenz - von 1976 bis 1982 auch das Amt des Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes.
Erfolgreicher ÖFB-Präsident
Auch während seiner Sportära war er nie ein Mann der leisen Töne. Unter seiner ÖFB-Präsidentschaft erreichte Österreichs Team immerhin zweimal eine WM-Endrunde (1978 in Argentinien und 1982 in Spanien).

In diese Phase fiel unter Teamchef Helmut Senekowitsch auch das legendäre 3:2 gegen Deutschland in Cordoba. Daneben setzte der bullige Politiker im Fußball auch noch andere Akzente: Er forcierte den Umbau des Praterstadions ebenso wie die Einführung des dortigen VIP-Klubs.

1999 verlieh der ÖFB Sekanina gemeinsam mit dem früheren Bundesliga-Vorsitzenden Hans Reitinger die Ehrenpräsidentschaft.
Rücktritt nach ungeklärter Villenfinanzierung
Als Bautenminister zeichnete Sekanina dafür verantwortlich, die Südautobahn als "Sparautobahn" zu errichten - schmäler und mit engeren Kurvenradien als üblich. Auch stand er Pate für die Einrichtung von Sondergesellschaften zur Infrastrukturfinanzierung.

Im Februar 1985 trat er unter dem Druck von Anschuldigungen über die Entnahme von Gewerkschaftsgeldern zu privaten Zwecken und eine ungeklärte Villenfinanzierung von allen Ämtern zurück.

Ein angesichts der Vorwürfe gegen den Ex-Minister eingeleitetes Gerichtsverfahren konnte beim Kauf der Villa keine strafrechtlich relevanten Tatbestände entdecken. In der Frage der Geldentnahmen wurde Sekanina die freiwillige Rückzahlung der Beträge noch vor Kenntnis der Behörde als "tätige Reue" angerechnet.
Dem Fußball bis zuletzt verbunden
Politisch wurde es um Sekanina danach still, dem Sport blieb er aber nach wie vor eng verbunden. Bis ins hohe Alter ließ Sekanina in seinem Wohnort Ybbs an der Donau (NÖ) kaum ein Match aus und fungierte u. a. als Platzsprecher.

Zuletzt widmete er sich laut laut Medienberichten unter anderem seinem Hobby, der Astronomie.
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