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MI | 11.04.2012
Paul Lendvai. (Bild: ORF)
menschen
Buchhandel ehrt Paul Lendvai
In seiner ungarischen Heimat verfolgt, emigrierte er 1956 nach Österreich: Der Publizist Paul Lendvai (79) bekommt nächste Woche den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
Publizist und Kommentator Lendvai wurde bereits vielfach ausgezeichnet.
"Meinungsbildner, nicht Meinungsmacher"
Die Auszeichnung wird am 6. Novemner im Rathaus übergeben, sie ist mit 7.200 Euro dotiert. Die Laudatio wird "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher halten.

Paul Lendvai ist unter anderem Träger des Karl-Renner-Preis für Publizistik und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 2006 erhielt er den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik.

Lendvai sei kein Meinungsmacher, sondern "ein Meinungsbildner, der Argumente zum Selberdenken in die Hand gibt", sagte der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) bei der Verleihung.
In Budapest geboren, prägte er intensiv die Berichterstattung in Österreich.
"Best of Paul Lendvai" zuletzt erschienen
Paul Lendvai wurde am 24. August 1929 in Budapest geboren und ist den Österreichern seit Jahrzehnten als profunder Kenner Mittel- und Osteuropas bekannt, der die Berichterstattung des ORF über diese Regionen prägte wie kaum ein anderer.

Seit 1973 ist er zudem Mitherausgeber und Chefredakteur der Vierteljahreszeitschrift "Europäische Rundschau". Lendvai, der 1980 mit dem Berufstitel "Professor" ausgezeichnet wurde, ist auch Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschienen "Mein Österreich" und "Best of Paul Lendvai - Begegnungen, Erinnerungen, Einsichten" im Ecowin Verlag.
Prof. Paul Lendvai als Moderator des ORF-Europastudios. (Bild: ORF/Milenko Badciz)
Seit 1959 ist Lendvai österreichischer Staatsbürger.
Quer durch die Medien
Lendvai war wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nazis verfolgt und im kommunistischen Ungarn interniert und mit Berufsverbot belegt worden. 1956 emigrierte er nach Österreich, 1959 wurde er österreichischer Staatsbürger.

Schon während seines Jus-Studiums in Ungarn war er journalistisch tätig gewesen, in Österreich setzte er diese Laufbahn fort: Er war rund zwei Jahrzehnte lang Osteuropa-Korrespondent der Zeitung "Die Presse" und der "Financial Times". Daneben war er Kolumnist für österreichische, deutsche und Schweizer Zeitungen und Rundfunkanstalten.

Von 1982 bis 1987 war er Leiter der Osteuropa-Redaktion des ORF, danach bis 1998 Intendant von Radio Österreich International. Lendvai ist Leiter der TV-Sendung "Europastudio" und schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Tageszeitung "Der Standard". Seit dem Vorjahr ist er auch Stiftungsrat im ORF.
Frankl, Wiesenthal, Nöstlinger, Liessmann: Lendvai reiht sich als Preisträger in eine Reihe prominenter Größen.
Preis ging bereits an große Namen
Der "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" wird seit 1990 an Autoren verliehen, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz gegenüber den anderssprachigen und kulturell anders geprägten Nachbarn in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben.

Die bisherigen Preisträger sind Milo Dor, Viktor Frankl, Inge Merkel, Kardinal Franz König, Gerhard Roth, Simon Wiesenthal, Hugo Portisch, H. C. Artmann, Christine Nöstlinger, Sir Peter Ustinov, Josef Haslinger, Karl Markus Gauß, Ilse Aichinger, Konrad Paul Liessmann, Erich Hackl, Barbara Frischmuth, der deutsche Verleger Klaus Wagenbach und zuletzt der Autor, Journalist, Herausgeber und Übersetzer Martin Pollack.
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