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MI | 11.04.2012
Schreiben am Computer (Bild: Fotolia/DWP)
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Ein Kerschhofer, kein Tucholsky
Ein angeblich von Kurt Tucholsky verfasstes Gedicht aus dem Jahr 1930 zur Finanzkrise hat in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt. Geschrieben wurde es aber 2008 vom Wiener Autor Richard Kerschhofer.
Das Gedicht entpuppte sich als Kuckucksei.
Vielerorts für Furore gesorgt
"Wenn die Börsenkurse fallen, / regt sich Kummer fast bei allen, / aber manche blühen auf: / Ihr Rezept heißt Leerverkauf" – so lautet die erste Strophe der "Höheren Finanzmathematik", die in den vergangenen Wochen vielerorts für Furore sorgte.

Doch das vermeintlich von Kurt Tucholsky stammende Gedicht, das sich als prophetischer Vorausblick von 1930 auf die aktuelle Finanzkrise im Internet explosionsartig verbreitete, entpuppte sich als Kuckucksei.
Die beiden Autoren haben nicht viel gemein.
Keine Gemeinsamkeiten mit Tucholsky
Der Wiener Autor Richard G. Kerschhofer schrieb das Gedicht. Gemeinsamkeiten mit Tucholsky ortet aber er nicht. Er achte "sorgfältig auf Reim, Rhythmus, Grammatik und Wortwahl", und habe auch ideologisch nichts mit dem linksliberalen Tucholsky zu tun.

Kerschhofer schreibt seine Verse wöchentlich für die "Preußische Allgemeine Zeitung". In Österreich schreibt er für die rechtsgerichtete "Zeitbühne" und als Gastkommentator für die "Wiener Zeitung". Die "Finanzmathematik" veröffentlichte er auf der Homepage des Vereins Genius.
Große Aufmerksamkeit
Von der "Zeitbühne" zur "Weltbühne", wo Tucholsky die "Höhere Finanzmathematik" angeblich 1930 veröffentlicht hatte, brauchte es nur den Irrtum eines Verfassers eines Internetjournals, und schon war das Kuckucksei geboren.

Kerschhofer reagierte amüsiert, brachte ihm dies doch auch bisher ungewohnte Aufmerksamkeit ein. Das Gedicht war mehrmals in Zeitung abgedruckt, zahlreiche Interviewanfragen deutscher Medien liegen vor.
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