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MI | 11.04.2012
Ziesel (Bild: Claus J. Böswarth)
RW-Tierpraxis
Den letzten Wiener Zieseln auf der Spur
Früher waren sie in Wien weit verbreitet, heute stehen die Ziesel auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. In Favoriten gibt es die kleinen Nager noch. Dort erforscht sie die Wiener Biologin Ilse Hoffmann seit drei Jahren.
Ziesel (Bild: Claus J. Böswarth)
Der Lebensraum der Ziesel ist knapp geworden.
"Viel Geduld und Sitzfleisch sind nötig"
Mit Fernrohr und Notizblock bewaffnet wartet die Biologin auf dem Goldberg, am Ostabhang des Laaerbergs, gebannt darauf, dass ein Ziesel seinen Bau verlässt. Und das kann dauern.

"Man braucht viel Geduld und gutes Sitzfleisch. Aber nur durch genaues Beobachten kann ich darauf schließen, wie groß die Population in etwa ist", erklärt Hoffmann.

Im Zuge ihrers Forschungsprojektes hat sie ihr Lager in fünf Gebieten aufgeschlagen, wo Ziesel heimisch sind. Jedes Areal ist vom Menschen unterschiedlich beeinflusst, Rückschlüsse auf die Gründe für den Rückgang der Ziesel sind somit möglich.
Ziesel (Bild: Claus J. Böswarth)
Ziesel sehen aus wie schlanke Murmeltiere. Im Gesicht ähneln sie Eichhörchen, allerdings fehlen ihnen der buschige Schwanz und die Haarbüschel über den Augen.
"Ganze Karottenfelder sind ihnen zum Opfer gefallen."
Schaden für die Landwirtschaft
Die Biologin hat auch die Genehmigung, die Tiere lebend einzufangen. "Wir bestimmen das Geschlecht, schauen uns den Gesundheitszustand an, markieren die Ziesel und lassen sie dann wieder frei."

Manche gehen öfters in die Falle, der Köder - Erdnussbutter, Olivenöl und Co. - schmeckt ihnen einfach zu gut. "Die Tiere wissen es passiert ihnen nichts. Und lassen sich gerne öfters fangen."

So zimperlich ist man früher mit den Nagern nicht umgegangen. Bis in die fünziger Jahre galten sie als große landwirtschaftliche Schädlinge. "Man hat sogar eine Schwanzerlprämie gezahlt. Für jeden Zieselschwanz gab es ein paar Groschen."
Ziesel (Bild: Claus J. Böswarth) Seit Jahrzehnten auf der roten Liste
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Einsatz von Pestiziden und dem Bau von Straßen sind die Ziesel langsam verschwunden. Heute gibt es nur noch wenige Gebiete, wo man sie beobachten kann.

"Am Gerasdorfer Badeteich wartet man im Sommer nur fünf Minuten und sieht schon das erste Ziesel". Allerdings gibt es viele, die die Ziesel gar nicht kennen bzw. erkennen.

"Viele fragen mich beim Namen Ziesel, ob ich das Wiesel meine. Aber da gibt es einen großen Unterschied: Wiesel fressen nämlich Ziesel." Ziesel wiederum fressen nur Gras. Auch im Garten richten sie keinen Schaden an. Hoffmann: "Man sollte sich über Ziesel im Garten freuen, weil da hat man echt ein seltenes Tier im Garten."
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