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MI | 11.04.2012
Klaus Maria Brandauer
Leute
Brandauer bekam goldene Ehrenmedaille
Sean Connery rechnete ihn zu den fünf besten Schauspielern der Welt, Kollegen sprechen von einer "Jahrhundertbegabung". Am Montag erhielt Klaus Maria Brandauer die "Goldene Ehrenmedaille" der Stadt Wien.
Klaus Maria Brandauer freut sich über eine weitere Auszeichnung.
Amüsante Laudatio von Peter Stein
Bei seiner durchaus launigen Laudatio fragte Theaterkollege Peter Stein den 65-jährigen Schauspieler, ob er sich auch bewusst sei, dass diese Ehrung ein "politischer Akt" sei: "Du hast offensichtlich etwas getan für diese Stadt - was das ist, wurde allerdings etwas unklar angedeutet."

Er spare auf der Bühne nichts von seiner Persönlichkeit aus, würdigte Stein ein wesentliches Charakteristikum von Brandauers Schauspielkunst. Zudem sei ihm die Fähigkeit eigen, offen auf Kollegen und "normale Menschen" zuzugehen: "Es war im Wesentlichen dein Verdienst, dass im Zuge des Wallenstein über 100 Mitwirkende zu so etwas wie einem Ensemble wurden."

Der Geehrte sei durchaus mit Intelligenz ausgestattet, selbst wenn diese freilich eine "Schauspielerintelligenz" sei: "Diese zielt immer in die Richtung ab, wo das Publikum ist. Insofern hat sie ihre Begrenzung", scherzte Stein. In diesem Fall käme allerdings Bildung hinzu - "wobei ich gar nicht weiß, woher er die eigentlich hat", erinnerte der Laudator an Brandauers Studienabbruch.
Klaus Maria Brandauer neben Peter Stein und Natalie Kren Brandauer
Regisseur Peter Stein, Natalie Kren Brandauer und Klaus Maria Brandauer
Brandauer: Auszeichnung habe mit Alter zu tun
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) würdigte Brandauer in seiner Rede als Kosmopoliten und großartige Künstlerpersönlichkeit, die in aller Welt bekannt, geliebt und verehrt werde.

Der Mime selbst hielt sich in seiner Dankesrede - übrigens im Gegensatz zu Steins rund 45 Minuten langer Würdigung - kurz. Bei aller Freude sei ihm bewusst, dass eine solche Auszeichnung auch mit dem fortgeschrittenen Alter zu tun habe: "Das stimmt mich etwas wehmütig, da ich irrsinnig gern auf der Welt bin."
Klaus Maria Brandauer und der Sänger der Toten Hosen, Campino (Bild: DPA/Xamax)
"Dreigroschenoper": Nach Buhrufen bei der Premiere, ein Publikumserfolg.
"Zumutung für sich und andere"
"Sein Spiel ist Behauptung wie sein Leben. Widerspruch - gibt's nicht. Brandauer ist eine permanente Zumutung für sich und die anderen. Das macht ihn stark und verwundbar", schrieb Burgtheater-Direktor Klaus Bachler einst über den Kammerschauspieler.

Geboren wurde Klaus Maria Brandauer am 22. Juni 1943 in Bad Aussee als Klaus Georg Steng. Nach der Matura 1962 studierte er zwei Semester an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und debütierte 1963 am Landestheater Tübingen. Von 1983 bis 1988 verkörperte Brandauer den Salzburger "Jedermann."

Vor zwei Jahren inszenierte er die "Dreigroschenoper" im neu eröffneten Berliner Admiralspalast mit Punkrocker Campino von den "Toten Hosen" als Mackie Messer. 2007 glänzte Brandauer auf der Bühne in Friedrich Schillers "Wallenstein" in der zehnstündigen Inszenierung von Peter Stein am Berliner Ensemble.
Seit 2008 Ehrenmitglied des Burgtheaters
Zu seinen großen Erfolgen am Burgtheater zählten "Tartuffe" (1981), "Hamlet" (1985) - mit 100 Aufführungen bis 1990 einer der Publikumsmagneten des Hauses - oder Edward Albees Ehekriegs-Klassiker "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (1991, in der Regie von Hans Neuenfels).

Der Kammerschauspieler ist seit 1972 festes Mitglied im Ensemble des Burgtheaters, wo ihm Anfang November 2008 die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde.

Im Juni hatte Bundespräsident Heinz Fischer dem Kammerschauspieler zum 65. Geburtstag ein Glückwunschschreiben übermittelt, in dem er ihm für all das dankt, was er seit über 40 Jahren als einer der größten Bühnen- und Filmschauspieler Österreichs in hervorragender Weise für unser Kulturleben geleistet hat.
Klaus Maria Brandauer, 2004 bei einer Probe am Wiener Burgtheater (Bild: APA/Barbara Gindl)
Probe zu Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" - September 2004 im Burgtheater.
Brandauer stand zuletzt für Francis Ford Copolla in Argentinien vor der Kamera.
Zwischen Mephisto und James Bond
Filmangebote reizten den Bühnenstar lange Zeit nicht. Einzige Ausnahme blieb 1971 der US-Agententhriller "The Salzburg Connection" - bis ihn 1981 der ungarische Regisseur Istvan Szabo für die Titelrolle in der Verfilmung von Klaus Manns Schlüsselroman "Mephisto" über Gustaf Gründgens gewinnen konnte. Dem Erfolg von "Mephisto", der 1982 als bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, folgten hochkarätige internationale Angebote.

In dem James Bond-Streifen "Never Say Never Again" (1984) mimte Brandauer den Superbösewicht und Gegenspieler von Sean Connery. Für eine Nebenrolle in Sydney Pollacks "Out of Africa" erhielt er 1986 den "Golden Globe". Mit Szabo setzte er in "Oberst Redl" (1984) und "Hanussen" (1987) die Zusammenarbeit fort.

Sein erster österreichischer Film, Fritz Lehners Monumentalstreifen "Jedermanns Fest" (2002), ist zugleich der teuerste Film der jüngeren heimischen Kinogeschichte. Im Mai 2008 stand Klaus Maria Brandauer für Francis Ford Coppolas neuen Film "Tetro" in Argentinien vor der Kamera. Dieser wird voraussichtlich im Frühling 2009 in die Kinos kommen.
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