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MI | 11.04.2012
Otto Pammer (Bild: ORF)
Menschen
Filmproduzent Otto Pammer gestorben
Der Filmproduzent Otto Pammer ist in der Nacht auf Montag gestorben. Im Alter von 82 Jahren erlag der "Seitenblicke"-Erfinder und "Doyen der österreichischen Filmwelt" einem Herzversagen. Der ORF ändert sein Programm.
Pammer umreiste die Welt und brachte Eindrücke auf die Bildschirme.
Weltweit Aufmerksamkeit erregt
"Die Kamera war meine Lebenserfüllung", meinte Pammer einmal. Rund 100-mal reiste er im Laufe seiner Karriere um die Welt. In der Nacht auf den 29. Dezember starb der "Seitenblicke"-Erfinder an einem Herzversagen in der Döblinger Privatklinik in Wien.

Er sei "ein Volksbildner der ganz besonderen Art, der Brücken zwischen Hochkultur und sogenannter Massenkultur gebaut hat", gewesen, sagte der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) 2006 anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. Dabei nannte er Pammer auch den "Doyen der österreichischen Filmwelt".

Seine Reportagen von der Revolution in Ungarn 1956 für die "Wochenschau" hatten einst weltweit Aufmerksamkeit erregt. Nach Auflösung der Sendung 1974 gründetet er seine eigene Filmproduktionsfirma, die Pammer Film.
Anfänge bei Spielfilm - er war jedoch nicht Pammers Welt.
Talent "durch Zufall" entdeckt
Pammer wurde am 9. Mai 1926 in Wien geboren. Nach seiner Schulausbildung war er zunächst als Volontär und kaufmännischer Angestellter in der Textilbranche tätig. Durch Zufall - ein Freund hatte von seinem Vater eine Filmkamera geschenkt bekommen, mit der die beiden die Ruinen in Wien filmten - wurde er von Fritz Erban, dem damaligen Präsidenten der Filmgewerkschaft, entdeckt.

Dieser verhalf dem jungen Pammer zu einem Engagement bei der Wien Film, wo er sich vom Volontär zum Kameraassistenten, Schwenker und schließlich Kameramann hocharbeitete. Der Spielfilm war jedoch "nicht so meine Welt", so Pammer damals. Als er nämlich bei der Wien Film gleich nach dem Krieg anfing, war er noch "ein junger Bub. Der Regisseur hatte die Hauptdarstellerin als Geliebte, und mir sind die Schwulen nachgerannt."
Otto Pammer (Bild: www.pammerfilm.at)
Internationale Aufmerksamkeit brachten Reportagen von der Revolution in Ungarn.
Live bei historischen Ereignissen dabei
Daraufhin wechselte er mit 1. Mai 1950 zur "Tönenden Wochenschau" bei Fox - "das war mein Leben". In rund 24.000 Beiträgen in 24 Jahren berichtete er (schon im Alter von 26 Jahren als Österreich-Chef) aus Österreich und Südosteuropa, er reiste "zu jeder Olympiade und zu jedem Staatsbesuch" - "und dafür hab' ich auch noch Geld gekriegt".

Pammer berichtete von großen sportlichen Ereignissen ebenso wie vom österreichischen Staatsvertrag, vom Ungarn-Aufstand und dem Prager Frühling. Er war Regisseur, Kameramann, Cutter, Texter und Chauffeur in einem, "das Kilometergeld hat mir in kurzer Zeit viel Geld gebracht", schmunzelte er.

Seine Reportagen von der Revolution in Ungarn 1956 erregten weltweite Aufmerksamkeit. 1974, nachdem der Siegeszug des Fernsehens zur Einstellung der "Wochenschau" geführt hatte (ein "bitteres Ende" für Pammer), gründete er seine eigene Produktionsfirma Pammer Film.
Helmi (Bild: APA) "Seinerzeit" und "Helmi" produziert
Pammer war dabei, als das Fernsehen auch in Österreich seinen Siegeszug antrat. 1965 gestaltete er die "Wochenschau"-Dokumentation "20 Jahre Republik Österreich" und im Jahr 1968 die historische Dokumentation "50 Jahre Republik Österreich", eine filmische Geschichte Österreichs seit dem Beginn der Ersten Republik.

Von 1980 bis 1999 produzierte seine Firma die Sendung "Seinerzeit" (ab 2000 "Deja vu"), seit 1982 auch das wöchentliche Kinderverkehrssicherheitsvideo "Helmi".
Seitenblicke (Bild: ORF)
Pammer: "Durch uns ist die 'Seitenblicke'-Society entstanden."
1987 erste "Seitenblicke" geworfen
Die ebenfalls von der Pammer Film produzierte, 1987 erstmals ausgestrahlte tägliche Gesellschaftssendung "Seitenblicke" wurde zu einer der erfolgreichsten Sendungen des ORF.

Pammer sagte anlässlich der 20-Jahre-Feier der "Seitenblicke" über die Sendung: "Wenn ich heute diesen Rahmen sehe, muss ich sagen, dass die 20 Jahre schon etwas bewirkt haben und dass durch uns die 'Seitenblicke'-Society entstanden ist. Ich bin glücklich, dass ich als Produzent den Beginn machen durfte, und wünsche der Sendung weiterhin viel Erfolg."

2005 produzierte Pammer die Dokumentation "Vom Kriegsende 1945 bis zum Staatsvertrag 2005", 2006 folgte "50 Jahre Volksaufstand in Ungarn". Zuletzt produzierte Pammer heuer "Die Erfindung Europas - (un)erwartete Folgen des Marshallplans".
Vielfach ausgezeichnet
Neben dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik (1970) trug Pammer seit 1992 den Ehrentitel Kommerzialrat (verliehen durch die Kammer der gewerblichen Wirtschaft) und seit 1996 die Julius-Raab-Ehrenmedaille des Wirtschaftsbunds.

In den vergangenen Jahren erhielt Pammer u. a. den Professorentitel (2001), die Silberne Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer Wien (2001) und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2005). 2006 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Trauer in Film- und Medienwelt
"Das Leben durch die Linse ist - objektiv gesehen - Otto Pammers Welt. Eine Karriere, die geklappt hat." Mit diesen Worten fassten die Mitarbeiter der Otto-Pammer-Produktion das Leben des verstorbenen Produzenten zusammen.

"Otto Pammer war einer der Pioniere des österreichischen Film- und Fernsehschaffens und hat die heimische TV-Landschaft über Jahrzehnte wesentlich mitgeprägt. Der ORF verliert mit Prof. Pammer einen verlässlichen Partner", so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der ORF ändert in Gedenken Pammers das Programm.
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